accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

75 
Die Masten bogen sich zum Brechen und es war jeden Augenblick das Schlimmste 
zu erwarten. Da sprang zwischen 5—5'/2 Uhr Nachmittags der Wind plötzlich 
um, von SEzS durch Süd nach West, ohne jedoch an Heftigkeit nachzulassen. 
Niedrigster Barometerstand um 5 Uhr = 705. "m, um 5% Uhr — 706,3", von 
6 Uhr an stetiges Steigen. Bald darauf begannen Wind und See rasch abzunehmen, 
Um Mitternacht stand das Barometer wieder auf 742.7", Am folgenden Tage, 
dem 12. März, in 19° 15‘ Süd-Br. und 82° 49‘ Ost-Lg., war der allmälig bis 
zur Stärke 3 abnehmende Wind nach NNW umgelaufen. Flaue, unbeständige 
züdliche und westliche Winde bei schwülem Wetter herrschten noch über eine 
Woche vor; der Passat war vollständig gestört. Beim Anbruch des Tages nach 
dem Orkan bemerkte die Mannschaft drei grün angestrichene Matrosenkisten 
and einen Bootsklampen in der Nähe des Schiffes treibend, doch waren die 
Leute zu erschöpft und die See zu wild, um dieselben auffischen zu können, 
Man fand, dass das Schiff sich leck gearbeitet hatte. Bei Ankunft in Akyab 
hörte Capitain Plasse, dass verschiedene Schiffe von diesem Orkan getroffen 
worden waren. 
Die magnetischen Verhältnisse des Finnischen Meerbusens, mit 
besonderer Berücksichtigung der örtlichen Ablenkung des Com- 
passes bei Jussar-5.°. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Um sich ein allgemeines Bild über die magnetischen Verhältnisse des 
Finnischen Meerbusens zu bilden, sind die Resultate verschiedener Beobachter, 
wie sie in den „XVI, Contributions to Terrestrial Magnetism No. XIIT“ by 
General Sir Edward Sabine (1872) niedergelegt sind, am geeignetsten. Die 
an verschiedenen Punkten jener Gegend beobachteten Werthe der magnetischen 
Elemente und die Curven, welche dieselben darstellen, zeigen keine über ein 
yrösseres Gebiet verbreitete Störung der Vertheilung der magnetischen Kraft, 
wie sich dies auch aus den geologischen Verhältnissen beider Seiten des Finnischen 
Meerbusens erwarten lässt. An der nördlichen Seite waltet Eruptiv-Gestein — 
Granit, Gneis, Glimmerschiefer und Hornblendegestein vor, während die Südseite 
vorzugsweise Silurformation und weiter nach Süden zu mittlere devonische Ge- 
bilde zeigt. An der Nordseite aber und sobald man den Meridian von Helsingfors 
passirt hat, nach Westen zu, treten häufig Lager von Magneteisenstein, Kin- 
sprengungen in Syenit, auf, welche in grösserer Nähe auf die Magnetnadel einen 
Einfluss äussern. Dieser Einfluss, welcher denn auch schon sehr frühzeitig con- 
statirt wurde, erstreckt sich, wie sich aus Beobachtungen ergiebt, ziemlich weit 
nach Norden und scheint nach Süden hin selbst noch bis zum Rigaischen Meer- 
busen hin bemerkbar. 
Zieht man zu den Beobachtungen, welche in den „Contributions etc.“ ent- 
halten sind und von Hansteen, Erman, Haleström, Nessander, Kämtz 
ausgeführt wurden, noch die an dem „Physikalischen Centralobservatorium“ in 
St. Petersburg angestellten hinzu, so kann man sich sowohl über die Vertheilung 
der magnetischen Kraft jener Gegenden, als auch über die Veränderungen der 
Elemente ein ziemlich klares Bild machen, Allerdings stört die Thatsache, dass 
die Beobachtungen in den „Contributions etc.“ zumeist älteren Datums sind, also 
4) Ende August 1876 ist die Deutsche Bark „Ich dien’“, Capt. G. Free, dem Kaufmann 
J. G. Schmidt in Bahia gehörig, östlich von Jussar-ö zwischen Ekenäs und Helsingfors gestrandet. 
Als Ursache der Strandung ist die örtliche Ablenkung des Compasses bei Jussar-6 anzunehmen. Auf 
den schwedischen Seekarten (Tit. I, No. 71 und 78) und auf der britischen Admiralitätskarte No. 2241 
(Tit. I, No. 72) ist bei der betreffenden Stelle vermerkt: „Compassen förvirras“ bezw. „irregular in- 
dieation of compass“, Auf der englischen Seekarte (No. 52, Gulf of Finland, James Imray and Son, 
1875), deren sich Capt. Free bediente, und auf welcher, wie in der britischen Admiralitätskarte, 
Yassarı statt Jussar-ö steht, fehlt ein solcher Vermerk; dagegen befindet sich in einer Ecke eine aut 
diese Ablenkung bezügliche Notiz: „At Yassari Island the attraction is so great, as frequently to turn 
the compass quite around“, Die auf Ersuchen des Hydrographischen Bureaus in Folge jener Strandung 
von der Direcetion der Deutschen Serwarte über diesen Gegenstand geführte und oben im Text mit- 
getheilte Untersuchung ist für die Navigation in jenen Gegenden von hohem Interesse A. dd. R.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.