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Die Masten bogen sich zum Brechen und es war jeden Augenblick das Schlimmste
zu erwarten. Da sprang zwischen 5—5'/2 Uhr Nachmittags der Wind plötzlich
um, von SEzS durch Süd nach West, ohne jedoch an Heftigkeit nachzulassen.
Niedrigster Barometerstand um 5 Uhr = 705. "m, um 5% Uhr — 706,3", von
6 Uhr an stetiges Steigen. Bald darauf begannen Wind und See rasch abzunehmen,
Um Mitternacht stand das Barometer wieder auf 742.7", Am folgenden Tage,
dem 12. März, in 19° 15‘ Süd-Br. und 82° 49‘ Ost-Lg., war der allmälig bis
zur Stärke 3 abnehmende Wind nach NNW umgelaufen. Flaue, unbeständige
züdliche und westliche Winde bei schwülem Wetter herrschten noch über eine
Woche vor; der Passat war vollständig gestört. Beim Anbruch des Tages nach
dem Orkan bemerkte die Mannschaft drei grün angestrichene Matrosenkisten
and einen Bootsklampen in der Nähe des Schiffes treibend, doch waren die
Leute zu erschöpft und die See zu wild, um dieselben auffischen zu können,
Man fand, dass das Schiff sich leck gearbeitet hatte. Bei Ankunft in Akyab
hörte Capitain Plasse, dass verschiedene Schiffe von diesem Orkan getroffen
worden waren.
Die magnetischen Verhältnisse des Finnischen Meerbusens, mit
besonderer Berücksichtigung der örtlichen Ablenkung des Com-
passes bei Jussar-5.°.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Um sich ein allgemeines Bild über die magnetischen Verhältnisse des
Finnischen Meerbusens zu bilden, sind die Resultate verschiedener Beobachter,
wie sie in den „XVI, Contributions to Terrestrial Magnetism No. XIIT“ by
General Sir Edward Sabine (1872) niedergelegt sind, am geeignetsten. Die
an verschiedenen Punkten jener Gegend beobachteten Werthe der magnetischen
Elemente und die Curven, welche dieselben darstellen, zeigen keine über ein
yrösseres Gebiet verbreitete Störung der Vertheilung der magnetischen Kraft,
wie sich dies auch aus den geologischen Verhältnissen beider Seiten des Finnischen
Meerbusens erwarten lässt. An der nördlichen Seite waltet Eruptiv-Gestein —
Granit, Gneis, Glimmerschiefer und Hornblendegestein vor, während die Südseite
vorzugsweise Silurformation und weiter nach Süden zu mittlere devonische Ge-
bilde zeigt. An der Nordseite aber und sobald man den Meridian von Helsingfors
passirt hat, nach Westen zu, treten häufig Lager von Magneteisenstein, Kin-
sprengungen in Syenit, auf, welche in grösserer Nähe auf die Magnetnadel einen
Einfluss äussern. Dieser Einfluss, welcher denn auch schon sehr frühzeitig con-
statirt wurde, erstreckt sich, wie sich aus Beobachtungen ergiebt, ziemlich weit
nach Norden und scheint nach Süden hin selbst noch bis zum Rigaischen Meer-
busen hin bemerkbar.
Zieht man zu den Beobachtungen, welche in den „Contributions etc.“ ent-
halten sind und von Hansteen, Erman, Haleström, Nessander, Kämtz
ausgeführt wurden, noch die an dem „Physikalischen Centralobservatorium“ in
St. Petersburg angestellten hinzu, so kann man sich sowohl über die Vertheilung
der magnetischen Kraft jener Gegenden, als auch über die Veränderungen der
Elemente ein ziemlich klares Bild machen, Allerdings stört die Thatsache, dass
die Beobachtungen in den „Contributions etc.“ zumeist älteren Datums sind, also
4) Ende August 1876 ist die Deutsche Bark „Ich dien’“, Capt. G. Free, dem Kaufmann
J. G. Schmidt in Bahia gehörig, östlich von Jussar-ö zwischen Ekenäs und Helsingfors gestrandet.
Als Ursache der Strandung ist die örtliche Ablenkung des Compasses bei Jussar-6 anzunehmen. Auf
den schwedischen Seekarten (Tit. I, No. 71 und 78) und auf der britischen Admiralitätskarte No. 2241
(Tit. I, No. 72) ist bei der betreffenden Stelle vermerkt: „Compassen förvirras“ bezw. „irregular in-
dieation of compass“, Auf der englischen Seekarte (No. 52, Gulf of Finland, James Imray and Son,
1875), deren sich Capt. Free bediente, und auf welcher, wie in der britischen Admiralitätskarte,
Yassarı statt Jussar-ö steht, fehlt ein solcher Vermerk; dagegen befindet sich in einer Ecke eine aut
diese Ablenkung bezügliche Notiz: „At Yassari Island the attraction is so great, as frequently to turn
the compass quite around“, Die auf Ersuchen des Hydrographischen Bureaus in Folge jener Strandung
von der Direcetion der Deutschen Serwarte über diesen Gegenstand geführte und oben im Text mit-
getheilte Untersuchung ist für die Navigation in jenen Gegenden von hohem Interesse A. dd. R.