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nächsten Morgen muss man dann mit der Landbrise so früh unter Segel gehen,
dass man zur Zeit des Hochwassers bei der Barre ist, und sobald das Tageslicht
die Landmarken erkennen lässt, die Barre passiren. Hierbei ist viel mehr Vor-
sicht und Aufmerksamkeit nöthig als beim Kinsegeln, da der geringste Fehler
den Verlust des Schiffes und auch der Besatzung zur Folge hat.
Die Fahrwasser sollen, wie man sagt, sich stets verändern und deshalb
ist die Brandung ein besserer Führer als Compass und Karte, Nach Mittheilung
des portugiesischen Marine-Lieutenant d’Avila darf man sich nicht auf die
Signale, mit denen einem Schiff die zu steunernde Richtung angegeben wird,
verlassen.
Gezeiten. Die Hafenzeit ist 4" 20»; die Fluthhöhe beträgt bei ge-
wöhnlieher Springzeit 3 bis 3.7 Met. und zur Zeit der Aequinoctien 4.6 Met,
Bei der Springzeit läuft der Strom mit einer Geschwindigkeit von 5 bis 6 Seem.
die Stunde und, wie man sagt, dringt die Fluth bis 60 Seem. stromaufwärts.
Leuchtfeuer. Das Feuer auf der Spitze Tangalane kann man nicht
weiter als 7 Seem. sehen, und dürfen die Schiffo bei der Nacht von See aus
nicht darauf rechnen, es in Sicht zu bekonmen.
Stadt. Im Jahre 1875 bestanden die Einwohner von Quilimane, ohne
die Regierungsbeamten, aus 15 bis 20 Europäern (Portugiesen, Franzosen und
Spanier), 25 bis 30 Soldaten (Mischlinge) und einigen Tausend Negern, von
denen die Hälfte Sklaven sein soll. Das Klima ist ungesund,
Die Haupteinfuhrartikel sind Feuerwaffen und Baumwollenwaaren von
Bombay, Messer, Spielzeug und Perlen. Zur Ausfuhr kommen Elfenbein, Felle,
Bienenwachs, Sesamsaamen, Nuss- und Kokosnussschalen. Auch wird ein be-
Lrächtlicher Sklavenhandel getrieben.
Proviantgegenstände sind nur spärlich zu haben und theuer, da Alles,
bis auf Geflügel und Gemüse, eingeführt wird. Wasser kann man aus den im
Sande gegrabenen Brunnen entnehmen; es ist aber von schlechter Qualität und
auch nur spärlich.
Umfoussi- oder Kivolani-Lagune.') Nach den Berichten des Capitain
T. Le H. Ward von I. Br. M. S. „Thetis“, 1875, liegt N’tewende in 15° 29
Süd-Br., Umfouvssi in 15° 28‘ Süd-Br., Bärrigt in 15° 22’ Süd-Br. und Mucht
in 15° 17‘ Süd-Br. Es sind dies alles Kinfahrten zu einer Masse Lagunen, welche
sich mehrere Seemeilen weit in das Land hinein erstrecken, und welche von
schmalen Bächen, die mit Mangrovegebüsch eingefasst sind, durchzogen und von
grossen niedrigen Landstreceken getrennt werden. An einzelnen Stellen dieser
Landstrecke sind Dörfer, welche von cultivirten Ländereien umgeben sind, im
Uehrigen sind es Sümpfe, die bei Niedrigwasser trocken fallon.
Ein oder zwei kleine Flüsse ergiessen sich in die Lagune und man ver-
muthet, dass der Name Kivolanz, mit welchem man die Lagunen bezeichnet, nur
der Name des Deltas eines grossen Flusses ist.
Umfoussi ist eigentlich nur der Name der Haupteinfahrt von See aus
und da solche die meiste Bedeutung hat, werden zuweilen auch die Lagunen
so benannt,
Im Hafen Mokambo, in 15° 10‘ Süd-Br., mündet gleichfalls ein Fluss,
welcher Kivolani heisst.
Hafen Mozambique.?) Nach der Mittheilung des Navigating-Lieutenant
J. W. Dixon von I. Br. M. S. „Nassau“, 1876, ist die Hafeneinfahrt durch
folgende Tonnen gekennzeichnet: Eine rothe Tonne nahe an der NE-Spitze der
Insel St. George; zwei schwarze "Tonnen an den am meisten hervorspringenden
Spitzen der Cabeceira-Bank; eine rothe Tonne bei der Sandzunge Sebastian;
eine schwarze Tonne nahe hei der SW-Spitze der Insel St. George und eine
rothe Tonne nahe bei der NE-Spitze der Insel St. Jago. Die Tonnen liegen
alle anf 5.5 Met. Wasser und beim Einsegeln muss man die schwarzen Tonnen
stets an Steuerbord und die rothen Tonnen an Backbord halten.
I) s, a. a, O. pag. 135.
?) s, a. a, OO, pagı 138—149.