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Lochstädt. Etwa 1,5 Seem. südlich von Tenkitten existirte vor dem
14. Jahrhundert eine Verbindung des Frischen Haffs mit der Ostsee, welche
das Lochstädter Tief genannt wurde. Die Halbinsel ist an dieser Stelle nur
6 Kblg. breit, ganz niedrig und besteht nur aus Dünensand. Zum Schutze gegen
einen abermaligen Durchbruch der See ist am Strande eine Plantage angelegt.
Auf dem hohen, abschüssigen Haffufer an der Nordseite des alten Tiefs liegt
das theilweise noch erhaltene, alte Ordensschloss Lochstädt, welches das Tief
einst beherrschte. Es ist ein grosses im Rohbau aufgeführtes Gebäude und
sowohl im Haff, als auf See weithin sichtbar. Im östlichen Theile befindet sich
die Schlosskapelle, deren hohes Dach etwas über das ganze Gebäude hervorragt.
Südlich vom Lochstädter Tief erhebt sich die Halbinsel wieder zu ca. 36m Höhe
and ist zunächst in ihrer ganzen Breite von einem Laubwäldchen besetzt,
welches Lochstädter Wald, auch Pilzenwald, genannt wird.
Neuhäuser. Dieser Name bezog sich ursprünglich nur auf ein paar
Gehöfte, welche am Rande des Lochstädter Waldes an der See liegen; derselbe
hat sich aber auch auf die in nächster Nähe befindliche Eisenbahn-Station und
auf das südlich vom Walde seit einigen Jahrzehnten entstandene, grosse Seebad
übertragen. Die nur im Sommer bewohnten Häuser des letzteren stehen in
einiger Entfernung vom Strande und sind, der umgebenden Baumpflanzungen
wegen, von See aus wenig sichtbar; am Strande stehen im Sommer Badehütten.
Die Halbinsel bleibt südlich von Neuhäuser hoch und kahl; das Seeufer
besteht zum Theil aus festem Thon und Sand. Hin besonders hervortretender
Hügel am Strande, der aber grün bewachsen ist, heisst der Lehmberg.
ALT-PILLAU. 2 Seem, südlich von Neuhäuser hört das hohe Land ganz
auf; die Halbinsel hat hier eine Breite von 2 Seem; ihre Mitte nehmen die
sandigen Berge des Dorfes Alt-Pillan mit einer Windmühle ein. Die Kirche
ist ganz von Sandhügeln umschlossen und von See aus nicht sichtbar. Der
Ort selbst liegt an den südlichen Abhängen der Berge. Hinter Alt-Pillau
erhebt sich ein hohes steiles Haffufer von gelblicher Farbe, der Schwalbenberg
genannt.
Die Landmarke. Auf dem Schwalbenberg ist, um die Ansegelung
von Pillau zu erleichtern, als Landmarke ein Stück Mauerwerk im Rohbau
aufgeführt. Es besteht aus drei Fensterbogen mit drei Spitzen darüber; die
mittlere Spitze hat einen Knopf mit einer Wetterfahne, liegt etwa 43m über
dem Mittelwasser und ca. 16m über dem Erdboden.
Pillau.
Die etwa nur 6 Kblg. breite, niedrige und sandige Landzunge, an deren
südlichem Rande Pillau, der Vorhafen von Königsberg liegt, und welche sich
bei Alt-Pillau an die Samländische Küste anschliesst, erscheint als eine Fort-
setzung der Frischen Nehrung. Von letzterer trennt sie das Pillauer Tief,
welches allein von mehreren Verbindungen, die im Laufe der Zeit zwischen
der Ostsee und dem Frischen Haff nach und nach entstanden und wieder
versandeten, übrig geblieben ist. Die eigentliche Stadt Pillau, welche an her-
vorragenden Objecten nur den Leuchtthurm und eine Mühle besitzt, ist auf
einen kleinen viereckigen Raum an der südlichen Ecke der Landzunge beschränkt.
An der Haffseite zwischen der Stadt und Alt-Pillau dehnen sich die neuen
Bahnhofs- und Hafenanlagen aus. Den grössten Theil der dem Tief zu-
gekehrten Seite der Landzunge nimmt die Festung Pillau ein. Unmittelbar
an die Festung schliesst sich die Plantage an, welche von dem Strande durch
eine niedrige Vor-Düne geschieden ist und sich längs desselben bis Alt-Pillau
hinzieht. Vor der Plantage stehen am Strande einige niedrige hölzerne Gebäude,
welche zu einer Bade-Anstalt gehören. Am nördlichen Rande der Plantage,
bei der Mühle von Pillau und auf der Spitze der Nehrung, sind Rettungsboote
in Schuppen stationirt.
in Betreff des Seegats und des Seetiefs von Pillau finden ganz ähnliche
locale Verhältnisse statt, wie bei Memel.