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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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Lochstädt. Etwa 1,5 Seem. südlich von Tenkitten existirte vor dem 
14. Jahrhundert eine Verbindung des Frischen Haffs mit der Ostsee, welche 
das Lochstädter Tief genannt wurde. Die Halbinsel ist an dieser Stelle nur 
6 Kblg. breit, ganz niedrig und besteht nur aus Dünensand. Zum Schutze gegen 
einen abermaligen Durchbruch der See ist am Strande eine Plantage angelegt. 
Auf dem hohen, abschüssigen Haffufer an der Nordseite des alten Tiefs liegt 
das theilweise noch erhaltene, alte Ordensschloss Lochstädt, welches das Tief 
einst beherrschte. Es ist ein grosses im Rohbau aufgeführtes Gebäude und 
sowohl im Haff, als auf See weithin sichtbar. Im östlichen Theile befindet sich 
die Schlosskapelle, deren hohes Dach etwas über das ganze Gebäude hervorragt. 
Südlich vom Lochstädter Tief erhebt sich die Halbinsel wieder zu ca. 36m Höhe 
and ist zunächst in ihrer ganzen Breite von einem Laubwäldchen besetzt, 
welches Lochstädter Wald, auch Pilzenwald, genannt wird. 
Neuhäuser. Dieser Name bezog sich ursprünglich nur auf ein paar 
Gehöfte, welche am Rande des Lochstädter Waldes an der See liegen; derselbe 
hat sich aber auch auf die in nächster Nähe befindliche Eisenbahn-Station und 
auf das südlich vom Walde seit einigen Jahrzehnten entstandene, grosse Seebad 
übertragen. Die nur im Sommer bewohnten Häuser des letzteren stehen in 
einiger Entfernung vom Strande und sind, der umgebenden Baumpflanzungen 
wegen, von See aus wenig sichtbar; am Strande stehen im Sommer Badehütten. 
Die Halbinsel bleibt südlich von Neuhäuser hoch und kahl; das Seeufer 
besteht zum Theil aus festem Thon und Sand. Hin besonders hervortretender 
Hügel am Strande, der aber grün bewachsen ist, heisst der Lehmberg. 
ALT-PILLAU. 2 Seem, südlich von Neuhäuser hört das hohe Land ganz 
auf; die Halbinsel hat hier eine Breite von 2 Seem; ihre Mitte nehmen die 
sandigen Berge des Dorfes Alt-Pillan mit einer Windmühle ein. Die Kirche 
ist ganz von Sandhügeln umschlossen und von See aus nicht sichtbar. Der 
Ort selbst liegt an den südlichen Abhängen der Berge. Hinter Alt-Pillau 
erhebt sich ein hohes steiles Haffufer von gelblicher Farbe, der Schwalbenberg 
genannt. 
Die Landmarke. Auf dem Schwalbenberg ist, um die Ansegelung 
von Pillau zu erleichtern, als Landmarke ein Stück Mauerwerk im Rohbau 
aufgeführt. Es besteht aus drei Fensterbogen mit drei Spitzen darüber; die 
mittlere Spitze hat einen Knopf mit einer Wetterfahne, liegt etwa 43m über 
dem Mittelwasser und ca. 16m über dem Erdboden. 
Pillau. 
Die etwa nur 6 Kblg. breite, niedrige und sandige Landzunge, an deren 
südlichem Rande Pillau, der Vorhafen von Königsberg liegt, und welche sich 
bei Alt-Pillau an die Samländische Küste anschliesst, erscheint als eine Fort- 
setzung der Frischen Nehrung. Von letzterer trennt sie das Pillauer Tief, 
welches allein von mehreren Verbindungen, die im Laufe der Zeit zwischen 
der Ostsee und dem Frischen Haff nach und nach entstanden und wieder 
versandeten, übrig geblieben ist. Die eigentliche Stadt Pillau, welche an her- 
vorragenden Objecten nur den Leuchtthurm und eine Mühle besitzt, ist auf 
einen kleinen viereckigen Raum an der südlichen Ecke der Landzunge beschränkt. 
An der Haffseite zwischen der Stadt und Alt-Pillau dehnen sich die neuen 
Bahnhofs- und Hafenanlagen aus. Den grössten Theil der dem Tief zu- 
gekehrten Seite der Landzunge nimmt die Festung Pillau ein. Unmittelbar 
an die Festung schliesst sich die Plantage an, welche von dem Strande durch 
eine niedrige Vor-Düne geschieden ist und sich längs desselben bis Alt-Pillau 
hinzieht. Vor der Plantage stehen am Strande einige niedrige hölzerne Gebäude, 
welche zu einer Bade-Anstalt gehören. Am nördlichen Rande der Plantage, 
bei der Mühle von Pillau und auf der Spitze der Nehrung, sind Rettungsboote 
in Schuppen stationirt. 
in Betreff des Seegats und des Seetiefs von Pillau finden ganz ähnliche 
locale Verhältnisse statt, wie bei Memel.
	        
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