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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

4 Kblg.; bezeichnet ist es nicht. Die Tiefen ausserhalb des Fahrwassers nörd- 
lich von Schwarzort sind ganz unregelmässig; es finden sich mitten im flachen 
Wasser tiefe Löcher und Rinnen vor, welche die Bagger ausgearbeitet haben. 
Ausser dem grossen Baggerhafen bei Schwarzort, an welchem eine 
Maschinen-Reparatur- Werkstätte liegt, giebt es noch einen zweiten kleineren Hafen 
an der Nehrung, bei den Eum-Bergen, welcher zur Aufnahme der hier arbeiten- 
den Bagger bei Eisgang dient. 
Zwei Baken stehen etwa 4 Seem. südlich von Memel auf der Nehrung 
an dem Haffufer; es sind dreiseitige Pyramiden von Holz mit je einem Kreuz 
an der Spitze, ca. 14 und 16m hoch und 200m von einander entfernt. Aus 
dem -Mittefahrwasser im Haff muss man, um den Schweinsrücken zu vermeiden, 
im Alignement dieser Baken dicht unter die Nehrung steuern. Diese Richtung 
führt über 3 bis öm Wassertiefe in die 10m tiefe, aber nur etwa 1 Kblg. breite 
Rinne, die sich am sandigen Ufer der Nehrung, und westlich vom Schweins- 
rücken, nach dem Memeler Tief hinzieht. Bei der sogenannten „Grossen Hirsch- 
wiese“, einer kleinen grünen mit etwas Gehölz besetzten Stelle des Nehrungs- 
ufers, kann man nach der Mitte des Tiefs hinüber steuern, da der Schweins- 
rücken hier passirt ist; jedoch soll diese Sandbank alljährlich mehr nach 
Norden zu vorrücken. 
Der König-Wilhelms-Kanal. Oestlich vom Schweinsrücken ist am 
litthauischen Ufer ein langer Hafendamm aus Steinen aufgeführt; hier mündet 
der König-Wilhelms-Kanal, welcher aus der Minge, einem Zufluss der Atmatt- 
Mündung kommt. Er ist zu dem Zwecke angelegt, Holzflösse und Fluss- 
fahrzeuge sicher aus dem Atmattstrom nach Memel zu bringen; dieselben 
mussten früher sämmtlich über das Haff gehen, und waren bei stürmischem 
Wetter, besonders an der Windenburger-Eck, sehr gefährdet. Trotzdem wird 
in der guten Jahreszeit dieser letztere Weg auch jetzt noch oft von den Holz- 
Hössern genommen, da das Passiren des Kanals mit anderweitigen Uebelständen 
verbunden sein soll. Die Flösser setzen bei gutem Winde eine Menge kleiner 
Segel hinter einander auf einem und demselben Holzflosse bei, so dass es aus 
der Ferne den Anschein hat, als käme eine ganze Flotte von Fischern 
daher. Dem Umstande, dass die Flösse sehr lang und schwer lenkbar sind, 
und hauptsächlich mit der Strömung heruntertreiben, ist es auch zuzuschreiben, 
dass von einer Betonnung des Fahrwassers zwischen Schwarzort und dem 
Schweinsrücken Abstand genommen ist, da die Flösse die Tonnen verschleppen 
oder sonst beschädigen. 
Es fehlt hauptsächlich an einer Wende- oder Dwars-Marke, welche angiebt, 
an welcher Stelle des Fahrwassers man in die Richtung der beiden Baken auf 
der Nehrung eintreten, oder wo man sie verlassen soll. Man thut, von Süden 
kommend, gut, schon ehe die Baken sich ganz decken, allmählich den Kurs 
zu ändern. 
Kleine Küstenfahrer von weniger als 2m Tiefgang, besonders KEwer, 
yehen häufig nach Russ am Atmattstrom, um Holz zu laden. Russ ist ein 
grosser Stapelplatz für bearbeitete Hölzer, welche von dort auf Haff-Fahrzeugen 
aach Memel gebracht werden. Es gehen mitunter auch kleine Seeschiffe leer 
durch die Binnengewässer von Königsberg nach Memel, wenn sie den erforder- 
lichen geringen Tiefgang haben. 
Die Curische Nehrung. 
Die Curische Nehrung besteht aus einem schmalen, niedrigen Streifen 
Alluvial-Landes, und nur bei Rossitten ist auf ihr auch ältere Bodenformation, 
Diluvium, zu finden. Auf dem niedrigen Boden der Nehrung haben sich Dünen 
yebildet, und zwar in einer Mächtigkeit, wie sonst nirgends an der Ostseeküste, 
Die Haupt-Düne ist eine zusammenhängende Kette von Sandbergen, welche an 
einzelnen Stellen bis zu 60m Höhe über dem Wasserspiegel der Ostsee an- 
gewachsen sind. Die Haupt-Düne überzieht fast die ganze Nehrung; sie nimmt 
ihren Anfang der Schmelz gegenüber und endigt zwischen Rossitten und Sarkau;
	        
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