mole erstreckt sich nicht so weit vor, wie die Nordmole; vor derselben ist
Aaches Wasser, der sogenannte Süderhaken; eine Stelle auf dem Süderhaken
südlich vom Seegat hat nur 3m Tiefe, zuweilen noch weniger. ; .
Auch im Tief ist an der Südmole wenig Wasser; hier ist auf 3.5m. Tiefe
eine Treibbake mit Besen ausgelegt; vor dem ausspringenden Winkel an der
Wurzel der Mole hat sich ein Sandriff abgelagert, das zum Theil trocken ist
und steil aufsteigt.. ....
DIE RHEDE, Ausserhalb des Seegats nimmt die Wassertiefe rasch
zu. Auf 13m Tiefe liegt die rothe stumpfe Ansegelungstonne ca. 1300m von der
Nordmole entfernt. Etwas weiter hinaus ist die Rhede in 19 bis 22m Wasser,
in der Peilung: Der Leuchtthurm SEzE'4LE und die Holländische Mütze NEzN.
Der Grund ist Sand und Thon. . ;
Die Rhede von Memel ist ganz offen, und da bei allen Winden von Süd durch
West nach Nord sogleich eine schwere See steht, sehr unsicher. Bei der Tiefe, die
das Seegat in neuerer Zeit hat; kommt es nur noch selten vor, dass Schiffe auf
der Rhede löschen oder laden, Solche Schiffe müssen bei aufkommenden west-
lichen Winden sofort unter Segel gehen und See halten, bis das Wetter sich bessert.
Ankommenden Schiffen gehen, wenn der Wind nicht günstig zum Ein-
segeln ist, stets. Schleppdampfer über die Rhede hinaus entgegen; seitens der
Schiffe gelten als Signal, dass ein Schleppdampfer gewünscht wird, zwei unter-
einander am Topp oder an der Gaffel geheisste Flaggen. fe
Da bei heftigen Westwinden eine sehr unruhige See und. Brandung im
Seegat steht, kann Schiffen von mehr als 4m Tiefgang das Einsegeln gefährlich
werden; sie thun daher besser, gleichfalls die hohe See zu halten und erst besseres
Wetter abzuwarten.
DIE LOOTSEN. Die Vorkehrungen zur Sicherstellung der Einsegelung
in den Hafen von Memel sind zweckentsprechend, und der Lootsendienst erfüllt
alle an ihn zu stellenden Anforderungen. Es besteht Lootsenzwang. . Für Kriegs-
schiffe gelten die darauf bezüglichen Bestimmungen. : .
_ Die Lootsen haben zwei Kutter und mehrere grössere Boote. Der kleinere
Kutter hat keine Stenge. ‚Beide Kutter führen im Topp die Deutsche Lootsen-
flagge und im Grosssegel die Bezeichnung „Memel No. 1“ resp. No. 2.
Einer der beiden Kutter kreuzt bei Tage vor dem Seegat. und wartet
auf ankommende Schiffe. Er wird erforderlichen Falles durch einen Dampfer
aus dem Hafen in See gebracht; Abends kehrt er in der Regel in den Hafen
zurück, da Einsegelungen zur Nachtzeit nicht stattfinden. A .
Kann der Kutter des Seegangs wegen bei stürmischem Wetter . keinen
Lootsen mehr an das ankommende Schiff absetzen, so streicht er die Lootsen-
Üagge und heisst, wenn der Wind die Einsegelung zulässt, eine rothe Flagge an
der Gaffel zum Zeichen, dass er voransegeln wird, und dass das Schiff. in seinem
Kiolwasser folgen soll. ; .
DIE ANSEGELUNG. Bei sehr schweren Stürmen aus SW durch West
bis NW ist nach Memel bestimmten Schiffen anzurathen, schon im Abstande
von etwa 40 Seem. beizudrehen und erst dann den Hafen. anzusteuern, wenn
die Heftigkeit des Windes sich gebrochen hat. . 0. en cn Le
Der recht von Westen kommende Schiffsführer wird vom Lande jedenfalls
zuerst die weissen kahlen Dünen der Curischen Nehrung mit dem Schwarzorter
Walde und nach Norden zu den Memeler Strandforst mit der Holländischen
Mütze erblicken. Bei klarem Wetter werden dazwischen gleichzeitig die Kirch-
thürme. von Memel am Horizonte auftauchen. Es sind deren. drei,;welche von
Norden oder von links gezählt, in folgender Reihe erscheinen: . .1, 201,
4‘. Der Thurm der Katholischen Kirche, ein Rohbau mit grauer Pyramide,
2. Der Thurm der Lutherischen (St. Johannis-). Kirche von heller gelb-
licher Farbe mit einer Laterne und grauer Spitze . darüber. Der Sims der
Laterne liegt nach Angaben der Königlich Preussischen Landes-Triangulation
419,38m über dem Mittelwasser der Ostsee bei Memel.. Die geographische Lage
dieses trigonometrischen Punktes ist: . @t ;
55° 42‘ 39,429” Nord-Br.
21° 8‘ 31,417“ Ost-Lg. .
3. Der Thurm der Reformirten Kirche in der Nähe der Lutherischen,
ein breiter Unterbau mit vier Eckthürmchen und einer Pyramide, alles in
Rohbau hergestellt.