von Süden her von der Curischen Nehrung durch die Strömung Sand mitgeführt
und vor dem Tief abgelagert wird. Deswegen ist seit dem Jahre 1875 auch
der weitere Ausbau der Südmole in Angriff genommen. Soviel steht fest,
dass erheblichen Versandungen des Secegats immer schwere westliche Stürme
vorangegangen sind, welche quer über dasselbe eine starke Strömung erzeugen,
Am grössten sind die Veränderungen im Seegat nach dem Kisgang.
Derselbe trägt in der Regel zur Vertiefung bei; doch kann auch das Gegen-
theil eintreten, wie im Frühjahr 1875, es waren damals kaum 5m Wasser.
Die Tiefe im Seegatt wird, wenn das Wetter es irgend gestattet, an jedem Tage
gepeilt und in den Lokalblättern bekannt gemacht. Jeden Sommer ist bei
ruhiger See ein Dampfbagger‘ damit beschäftigt, das Seegat zu vertiefen.
Nach dem Peilungsplane vom 31. Juli 1877 betrug die geringste Tiefe in
demselben 6,7m bei einem Wasserstande von -- 0,49m am Pegel des Lootsen-
hafens zu Memel.!) 0"
Den grössten Einfluss auf die Tiefe des Scegats übt, wie schon erwähnt,
ein aus dem Curischen Haff nach See stark ausgehender Strom, der sogenannte
Haffstrom, aus, der besonders im Frühjahr durch die Abwässerung des Niemen-
Gebietes eintritt. Das Memeler Tief.ist gewissermassen die Mündung des
Niemen- oder Memel-Flusses an der Seeküste, Später im Sommer verliert dieses
Stromgebiet sehr an Wassermenge, und.die Strömung im Tief bei Memel wird
schwächer und schon von geringen Niveauschwankungen des OÖstseewassers
beeinflusst. Der im Allgemeinen vorherrschend ausgehende Strom wechselt
dann öfter mit eingehendem ab, und dieser Wechsel kann sich mehrmals an
ainem Tage wiederholen. -
Bei stürmischen West- und NW-Winden entsteht in Folge des Anstauens
des Seewassers an der Küste zuerst ein stark einlaufender Strom, der aber
nach einigen Stunden sich wieder in ausgehenden Strom verwandelt, auch wenn
der Wind weiter weht, .
Bei stark ausgehendem Strom ist das Haffwasser auf 1 bis 2 Seem. Ent-
fernung von der Küste unvermischt anzutreffen. Es ist schmutzig hellgrün, oder
grünlich gelb; zwischen diesem Haffwasser und dem. dunkelblauen Seewasser
besteht eine scharfe Grenze.
DAS TIEF von Memel hat 6 bis 9m Wasser und guten Ankergrund,
der aus Sand und darunter aus blauem "Thon besteht; vom neuen Ballastplatze
bei der Vorstadt Bommels-Vitte oder von der Wurzel der Nordmole bis
nach dem Curischen Haff hin ist das Tief eine einzige gute und sichere Binnen-
rhede von 3! Seem, Ausdehnung.
Diejenigen Schiffe, deren Ladung auf Flussfahrzeugen nach dem Innern
des Landes geht, oder die wegen zu grossen Tiefgangs nicht in die Dange
hineinkönnen, löschen auf dem Tief, und liegen gewöhnlich gern der eigentlichen
Stadt gegenüber, d. h. vor der Dange-Mündung. Hierdurch wird das Tief an
dieser Stelle oft sehr mit Schiffen überfüllt, die, um von einander klar zu
schwingen, nur wenig Kette ausstecken können. Es kommt dann wol vor, dass
diese Schiffe bei. stürmischem Wetter ins Treiben gerathen; daher liegen sie
meistens vor zwei Ankern. - 8
Der Schweinsrücken schliesst im Süden das Tief von dem Curischen
Haff ab. Er ist eine Sandbank, auf deren Mitte kaum 0,5m Wasser vorhanden
ist, und nur dicht unter der Curischen Nehrung führt eine tiefe, aber sehr
schmale Communication in das Haff,
Im Winter bedeckt sich das ganze Haff bis zum Schweinsrücken mit
festem KEise. Im unteren Theile des Tiefs hat jedoch festes Eis nur kurzen
Bestand; 68 treibt. sehr bald mit dem ausgehenden Strom in See; bis zum
Winterhafen, auch wohl bis zur Dange ist das Tief fast den ganzen Winter den
Schiffen zugänglich. Sehr gefährlich kann Eistreiben den im Tief vor Anker
liegenden Schiffen werden; so wurde im Frühjahr 1875 von dem jungen scharfen
Haffeis, das sich bei Nachtfrösten neu gebildet hatte, ein russischer Schooner
durchschnitten und sank, Das Wrack lag längere Zeit im flachen Wasser an
ler Südmole.
1) Das Mittelwasser der Ostsee, wie man es nach langjährigen Beobachtungen angenommen
nat, entspricht einem Wasserstande von -+ 0.4706 m am Pegel des Lootsenhafens zu Memel.