560
als thunlich, durch die Aufstellung der Instrumente unschädlich zu machen.
Die Boobachtungs-Station besteht aus einem oder zwei gemietheten Zimmern
in einem Hause, dessen Lage stets eine solche sein muss, dass es nicht dominirt
oder zu enge eingeschlossen ist durch die benachbarten Gebäude. Das Barometer
von Fortin’schem Systom, ist an der Wand befestigt, an einer Stelle, wo es
nie von den Sonnenstrahlen getroffen werden kann, Die Thermometer (Maximum-
Minimum-Therm. und Psychrometer) sind vor einem nach Norden gerichteten
Fenster angebracht in einem von Jalousien gebildeten Gehäuse. Gewiss sind die
auf diese Art erhaltenen Angaben nicht in aller Strenge richtig; da indessen die
Aufstellung auf allen Stationen des Netzes völlig dieselbe ist, sind die Resultate
wenigstens genügend vergleichbar für das ganze Land. Aehnliches gilt für die
Regenmesser, welche leider auf dem Dache aufgestellt sind, was in die Be-
obachtungen eine Fehlerquelle einführt, die mit der Höhe veränderlich ist und
welcher es schwer ist, Rechnung zu tragen. Die Axe der Windfahne geht bis
in das Amtszimmer des Beobachters hinab und trägt, etwas unter der Decke,
sine mit dem Pfeile parallele Nadel, welche sich vor einer an die Stubendecke
selbst gemalten Compassrose bewegt, so dass die Windrichtung jederzeit notirt
werden kann, ohne das Zimmer zu verlassen. Die Geschwindigkeit des Windes
wird durch ein Anemometer erhalten, welches aus einem Robinson’schen
Schalenkreuz und einer Vorrichtung zur continuirlichen elektrischen Registrirung
von Gibson besteht. Alle Stationen besitzen dieses selbstregistrirende Anemo-
meter, und an einer gewissen Zahl von Orten wird demselben ein Anemoskop
beigegeben, welches in gleicher Weise die Richtung des Windes registrirt.
Abgesehen von der Ablesung aller dieser Instrumente umfassen die Be-
obachtungen auch den Zustand des Himmels und die Richtung des Zuges der
oberen Wolken.
In allen Gegenden, welche ein Wasserlauf von einiger Bedeutung durch-
zieht, dessen Ueberschwemmungen Gefahr bringen können, gehört zu den In-
strumenten der Station, auch ein Pegel zur Messung des Wasserstandes. In
einigen Städten, wo es unnöthig erschien, vollständige Beobachtungsstationen
zu errichten, bestehen specielle Flussstationen, welche einem Privatmanne
anvertraut sind, der freiwillig oder gegen eine geringe Entschädigung täglich
mindestens ein Mal den Wasserstand, den Zustand des Himmels und die
Richtung des Windes beobachtet und diese Beobachtungen auf telegraphischem
Wege derjenigen grösseren Station zuschickt, mit welcher er in Verbindung steht.
Endlich wird beabsichtigt, wenn die Geldmittel des Signal-Service e8
gestatten werden, einige Stationen mit Registrir-Apparaten auszurüsten; für den
Augenblick indessen wird es für nützlicher angesehen, neue Stationen zu gründen,
weil der oben bezeichnete Umfang der Beobachtungen für den speciellen Zweck,
den man sich gestellt hat, ausreicht, Der Gegenstand unterliegt indessen gegen-
wärtig der Prüfung, das Signal-Service besitzt in Washington die schönste
Sammlung selbstregistrirender Instrumente in der Welt. Es wird kein neuer
Apparat erfunden, der nicht angeschafft würde; sie werden sämmtlich alltäglich
unter sich und mit den Normalinstrumenten verglichen. Auf diese Weise wird
zu der Zeit, wenn man die Stationen mit Registrirapparaten wird ausrüsten
können, kein Herumtappen nöthig, sondern es werden alsdann alle vorläufigen
Untersuchungen schon gemacht sein.
2. Lage der Stationen; Beobachtungsstunden. Die Zahl der
vollständigen Stationen im Gebiete der Vereinigten Staaten belief sich Ende 1874,
auf 97; der Zuwachs während des Jahres hatte 18 Stationen betragen; ausser-
dem bestanden 20 Flussstationen. Ferner correspondiren mit dem Sıgnal- Service
gegenwärtig 17 Stationen in Canada, 5 im Hudsons-Bai-Territorium und 6 auf
den Antillen. Die Beobachtungen auf diesen Stationen werden zu den Stunden
und nach den Regeln angestellt, welche in den Vereinigten Staaten angenommen
sind, und werden ebenfalls telegraphisch zwei oder drei Mal täglich nach
Washington mitgetheilt.
Das ungeheure Gebiet, welches diese Stationen bedecken, umfasst nicht
weniger als 110 Länge- und 54 Breitegrade, eine Ausdehnung, wie etwa von
Lissabon nach Cochinchina einerseits und vom Senegal zum Nordcap anderer-
seits. Die extremen Punkte sind nämlich: im Norden das Fort Mac-Pherson,