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Jamit, zahlreiche Beobachtungen anzustellen und dieselben unmittelbar zu ver-
arbeiten zum alleinigen Zweck, daraus Aussichten für die Witterung, auf kurze
Zeiträume hinaus, abzuleiten. Gleichzeitig jedoch publicirt es alle die von ihm
yesammelten Daten und vertheilt sie in liberaler Weise an die Gelehrten aller
Länder, damit diese denselben diejenige weitere Verwerthung gäben, zu welcher
es selbst nicht die Musse besitzt, Seit das neue System fertig organisirt ist
und seine Fähigkeiten sich gezeigt haben, hat die Smithsonian Institution ihr
Interesse für die meteorologischen Beobachtungen verloren, sie lässt dieselben
nicht mehr anstellen, wie früher, sondern nimmt aus den Publicationen des
Signal-Service für ihre allgemeinen Arbeiten die Daten in grösserer Reich-
haltigkeit und Regelmässigkeit, als sie dieselben früher von ihren freiwilligen
Beobachtern erhalten konnte.
Dieses ist in kurzem die Geschichte der Gründung des meteorologischen
Dienstes in den Vereinigten Staaten. Wir wollen nunmehr versuchen, dessen
Organisation zu schildern, die vollständigste dieser Art in der Welt, und durch
einige Beispiele ihr rasches Wachsthum und die Dienste, welche dieselbe zu
leisten vermag, zu zeigen.
l. Organisation des Dienstes. Personal und Instrumente. Das
Signal-Service oder „Telegraphistencorps der Armee“ steht als solches unter dem
Secretär des Krieges und hat zum unmittelbaren Leiter einen General der
activen Armee mit dem Titel „Chief Signal Officer“, Seit der Gründung dieses
Dienstes nimmt diese Stelle der General Albert J. Myer ein.
Das ganze Personal, welches im Signal-Service angestellt ist, gehört zur
Armee: die Vorsteher der verschiedenen Abtheilungen des Centralamtes in
Washington sind Offiziere verschiedener Grade; jeder Station steht ein Sergeant
vor, welcher den Titel „Observer-Sergeant“ führt und welchem (unter Um-
ständen) als „Assistants“ Soldaten zugewiesen sind. Durch diese Art der
Recrutirung der Beobachter und die Armee-Disciplin, welcher sie stets unter-
worfen bleiben, ist der regelmässige Dienst gesichert; jede Unterlassung, jede
Verzögerung in den Beobachtungen würde nach dem Militärstrafgesetz bestraft
werden.
Die Besoldung der Beobachter steigt mit der Zahl ihrer Dienstjahre.
Es würde zu weitläuftig sein, hier die Gehälter von allen Jahren und allen
Graden aufzuzählen, wir wollen nur die Durchschnittsziffern mittheilen.
Die Besoldung besteht aus zwei Theilen, dem eigentlichen Gehalt und
den Zuschüssen für die Nahrung, den Unterhalt und die Wohnung, welche
sämmtlich an die, auf die einzelnen Stationen vertheilten, Angestellten nicht
in natura geliefert werden können. Die Summe beträgt für die Sergeanten
3322 Mark jährlich (Gehalt 874 Mark, Zuschüsse 2448 Mark) und 2626 Mark
für die Assistenten (Gehalt 682, Zuschüsse 1944). Um diese Ziffern zu beur-
theilen, darf man dieselben allerdings nicht direct mit den Besoldungen der
Beamten unserer Behörden vergleichen, wegen der Verschiedenheit des Preises
der Lebensbedürfnisse in beiden Ländern; immerhin können, trotz des theuren
Lebens in Amerika, diese Besoldungen als sehr genügend angesehen werden,
und dieser Liberalität verdankt das Signal-Serwice die Möglichkeit, für seine
Zwecke, intelligente und eifrige Personen zu finden. Uebrigens ist es nöthig,
zu bemerken, dass diese Besoldungen nicht in den specicllen Etat für meteoro-
logische Zwecke in Amerika aufgenommen sind, weil. man nur ein militärisches
Corps verwendet, welches schon früher bestand und auch ohne dieses bestehen
würde, und dessen Besoldung inbegriffen bleibt in das allgemeine Budget der
Kriegsverwaltung.*)
Da der Hauptzweck der Organisation die unmittelbare Verwerthung der
Wetterprognose zu Gunsten der Schifffahrt, des Handels und der Landwirthschaft
ist, so haben die Stationen meistentheils in grossen Städten in der Nähe der
Telegraphenämter errichtet werden müssen. Es entspringen hieraus einige
Nachtheile für die Güte der Beobachtungen, welche man gesucht hat, so weit
1) Im Jahre 1875 betrug das Budget des Signal-Service für sachliche Ausgaben 482,000
Dollars; die persönlichen Ausgaben lassen sich nach dem Jahresbericht vom gleichen Jahre auf etwa
370,000 Dollars berechnen, das Gesammtbudget also auf etwa 850,000 Dollars oder über drei
Millionen Mark, die zum weitaus grössten Theile der Meteorolozie zu Gute kamen.
Der Uebersetzer.