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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

Der meteorologische Dienst in den Vereinigten Staaten, 
Von Alfred Angot,!) übersetzt von W. Köppen. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Seit dem Jahre 1849 wurden meteorologische Beobachtungen in den 
Vereinigten Staaten unter der Leitung der Smithsonian Institution angestellt; 
aus den Daten, welche dieselben lieferten, konnten jedoch nur allgemeine Re- 
zultate über das Klima von Amerika gezogen werden, welche zwar von 
grossem Werthe für den Meteorologen, jedoch ohne unmittelbaren Nutzen für 
die Masse der Nation waren. Dem in Europa bereits gegebenen Beispiele 
folgend, erkannte man schliesslich in den Vereinigten Staaten die Nothwendig- 
keit einer Organisation an, welche speciell der Herleitung von Wetter-Vorher- 
3agungen — für kurze Zeiträume voraus — zu Gunsten des Ackerbaus und 
der Schifffahrt gewidmet wäre, Wenn, trotz der Intiative von Maury, die 
Amerikaner nicht die ersten waren, die auf diesem Wege vorgingen, so haben 
sie dafür auf demselben rasch alle anderen Länder überflügelt. 
Am 9. Februar 1870 betraute ein Congressakt den Secretär (Minister) 
des Kriegs mit der Sorge für die Witterungsbeobachtungen und Sturmwarnungen; 
unmittelbar wurde das Corps des Signal- Service (Militär - Telegraphie) dazu 
verwendet, Die Beobachtungen begannen am 1. November desselben Jahres 
an 24 über das ganze Land vertheilten Stationen, deren Zahl so rasch als 
möglich zunahm; weniger als vier Monate darauf, am 19. Februar 1871, wurde 
mit der Veröffentlichung von „probabilities“ oder Wetter-Vorhersagungen be- 
gonnen. Die Einrichtung von Warnungssignalen, um die Küsten von der An- 
näherung von Stürmen zu benachrichtigen, wurde gleichzeitig vorbereitet, die 
Küstenstationen waren am 23. October 1871 fertig und eröffneten ihre Thätigkeit 
drei Tage später, den 26, October, an welchem Tage das Warnungssignal im 
Hafen von Öswego (Ontario-See) aufgezogen wurde. 
Von Anbegim an, wurde indessen erkannt, dass eine nothwendige Be- 
dingung für den Erfolg des Werkes die bestimmte Umgrenzung des Arbeitsfeldes 
sei. Seit 30 Jahren liess die Smithsonian Institution Beobachtungen zum Zwecke 
der Erforschung der Klimatologie Amerikas anstellen; das Signal-Service hütete 
sich wohl, wie dieses vielleicht anderwärts vorgekommen wäre, eine Con- 
currenz mit dieser Institution zu beginnen.) Das Feld der Arbeit ist gross 
genug, damit Alle, die guten Willen haben, sich darauf begegnen können, ohne 
zegenseitige Beeinträchtigung; indem es freiwillig alles bei Seite lässt, was sich 
auf die Generalisation seiner Resultate bezieht, begnügt sich das Signal-Service 
1) Der Aufsatz des Herrn Angot, d. Z. Sekretär der französischen meteorologischen Ge- 
sellschaft, welcher im obigen Text aus dem „Annuaire de Im Societe Meteorologique de France“ 
übersetzt ist, giebt die wichtigsten Theile seines officiellen Berichts an den Minister des öffentlichen 
Unterrichts wieder, von welchem Herr Angot, nach seiner Rückkehr von seiner Reise nach Newu- 
Caledonien zur Beobachtung des Venus-Durchgangs, beauftragt worden war, die Organisation des 
meteorologischen Dienstes und der astronomischen Observatorien in den Vereinigten Staaten zu 
studiren. Die Organisation der Wettertelegraphie in Nordamerika ist eine so eigenthümliche und 
grossartige, die Vorstellungen, welche von derselben in Europa kursiren, sind so vielfach verworren 
und unrichtig, dass die Wiedergabe dieses anschaulichen, wenn auch bei weitem nicht erschöpfenden, 
Berichts in deutscher Sprache zweckmässig erschien. Der Uebersetzer, 
2) Sehr ähnlich ist die Lage der Deutschen Seewarte gegenüber dem Preussischen Meteoro- 
logischen Institute, und ist auch in diesem Falle eine Abgrenzung des Arbeitsfeldes sowohl gleich im 
Anfang festgestellt und erläutert, als auch später bei jeder Gelegenheit betont und durchgeführt. 
Eine Concurrenz mehrerer Institute auf demselben Gebiete der Wettertelegraphie und der meteorologischen 
Beobachtungen fand dagegen in Frankreich während der Jahre 1870—73 statt, worauf der Autor 
sich zu beziehen scheint, Der Uebersetzer. 
Ann. d. Hydr., 1877, Heft XIT (December)
	        
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