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angegeben. Obgleich diese Längenbestimmung genauer ist, wie alle früheren
durch astronomische Beobachtungen oder Chronometerübertragungen (s. pag. 505),
liess sie doch noch einen grösseren Zweifel an ihrer vollständigen Genauigkeit
zu, als für eine solche Fundamentalbestimmung wünschenswerth war. Die Unsicher-
heit dieser Bestimmung rührte, wie J. E. Hilgard in seinem vorläufigen Be-
richte über die Bestimmung der transatlantischen Längen in der „U. St. Coast
Survey“, 1872, App. 13, pag. 227—234 erwähnt, zum Theil von dem Umstande
her, dass man, obgleich die Gesammtzeit der Transmission der Signale durch
das Kabel hin und zurück gemessen werden kann, noch nicht im Stande ist,
ihre Zeitdauer in den beiden entgegengesetzten Richtungen, jede für sich, zu
bestimmen, und dass man genöthigt ist, beide Zeiten als gleich anzunehmen;
diese Annahme kann aber bis auf den Bruchtheil einer Sekunde ungenau sein.
Als das französische Kabel von Brest in Frankreich nach Duxbury in
Massachusets, Nordamerika, gelegt war, bot sich ein Mittel dar, unter völlig
anderen Umständen und unabhängig von der früheren Bestimmung dieselbe auf
ihre Genauigkeit zu prüfen. Zu diesem Zwecke wurde zunächst von dem
Assistenten der Coast Survey, G. W. Dean, i. J. 1870 der Längenunterschied
zwischen diesen beiden Orten durch telegraphische Signale bestimmt. Noch
fehlte die Kabelverbindung mit Brest und Greenwich; als diese aber 1. J. 1872 her-
gestellt war, führte Mr. J. E. Hilgard, Assistent der Coast Survey, die tele-
graphischen Längenbestimmungen zwischen Brest— Paris, Brest— Greenwich und
auf dem französischen Kabel von 1870 zwischen Brest und der Insel St, Pierre
bei Neufundland durch; die Längenbestimmung zwischen St. Pierre und Cambridge
in Massachusets (Harvard Observatory) machte Mr. G. W. Dean. Der allgemeine
Plan dieser Operationen bestand darin, zu Brest die von St. Pierre, Greenwich
und Paris nahezu gleichzeitig abgesandten und vermittelst des Brester Chrono-
graphen mit einander verglichenen elektrischen Signale zu sammeln und die
persönlichen Gleichungen der verschiedenen Beobachter zu bestimmen. Auf
diese Weise wurde im September 1872 der Längenunterschied zwischen Green-
wich und Harvard Observatory bestimmt zu 4" 44min. 30,98% -+ O.os%, Die
sorgfältigen Bestimmungen des Längenunterschiedes „wischen Harvard Observatory
in Cambridge, Mass., und dem U. St, Naval Observatory in Washington i. J. 1867
haben diesen zu 23min. 41... festgestellt (s. App. 13 der Rep. of the U. Coast
Survey für 1870). Hiernach ist die geographische Lage von Washington (Nav.
Observ.) 54 8min. 19,995 + 0.06% = 77° 3‘ 1.35‘ -4- Os0“ West von Greenw.
Die oben erwähnten neuesten telegraphischen Längenbestimmungen zwischen
Paris, Brest und Greenwich haben als die jetzt wahrscheinlichste Länge von
Paris ergeben 9min. 21,06% — 2° 20‘ 16” Ost von Greenw. Der bisher an-
genommene Längenunterschied zwischen Paris und Greenwich ist Ob Qmin. 20,gsec.
= 2° 0
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