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Ueber die Stürme vom 22. bis 24. April 1877 bei dem Cap der
guten Hoffnung.
(Mittheilung von der Deutschen See warte)
Von Hermann Haltermann,
In dem Hefte 1X der diesjährigen Annalen der Hydrogr. etc. wird in
den Reiseberichten der heimkehrenden Schiffe der Deutschen Reisflotte wiederholt
von den schweren Stürmen gesprochen, welche am 22. und 24. April dieses
Jahres beim Cap der guten Hoffnung wütheten. Da der Seewarte von 7 Schiffen,
die jene Stürme durchmachten, meteorologische Journale eingeschickt wurden,
und ausserdem noch 2 weitere Bremer Schiffe, die gleichzeitig dort waren, der
„Andreas Rickmers“, Capt. Budelmann, und die „Alice Rickmers“, Capt. Meier,
Auszüge aus ihren Schiffstagebüchern einsandten, so lässt sich der Verlauf der
Stürme au den 9 in verschiedenen Entfernungen von einander längs der Süd-
küste Afrika’s befindlich gewesenen Schiffen gut verfolgen; für diesen Zweck dürfte
die nachstehende Zusammenstellung der gleichzeitigen Schiffsorte nebst den
betreffenden Bemerkungen für die Tage vom 21. bis 26. April von einigem
Interesse sein.
Die aus den meteorologischen Journalen gezogenen Daten verdienen
natürlich viel mehr Vertrauen, als die aus den beiden Auszügen der Schiffs-
tagebücher genommenen. Die Barometerstände aus jenen, welche hier auf 0°
reducirt gegeben werden, sind an Instrumenten abgelesen, welche vor und nach
der Reise von Beamten der Seewarte untersucht sind, während die Barometerstände
in den beiden Schiffstagebüchern wahrscheinlich nach Ablesungen von Aneroiden
gegeben sind und daher nur einen beschränkten Werth haben. Wenn man in
den Angaben der ersteren auch leider nicht immer diejenige Uebereinstimmung
findet, welche wohl zu erwarten wäre, so muss man doch die Schwierigkeit des
Ablesens bei solch stürmischem Wetter hierbei in Betracht ziehen, Leider zeigen
sich auch in den Daten über das Eintreten und besonders über das Anhalten des
Sturmes Angaben, welche mit einander nicht in Einklang zu bringen sind. Es
wird hierbei wahrscheinlich gerathen sein, den Berichten über das Eintreten des
Sturmes durchweg Vertrauen zu schenken, die abweichenden Angaben über das
zu lange Anhalten desselben dagegen mit Misstrauen zu betrachten.
Die fett gedruckten Schiffsorte sind die für den verhältnissmässigen Betrag
der später gefundenen Strömung berichtigten Schiffsorte nach der Loggerechnung.
Es wurde die Strömung als für den ganzen Zeitraum gleichmässig laufend an-
genommen. Der Beweis von der Richtigkeit dieser Annahme kann nicht gegeben
werden; möglicher- ja wahrscheinlicherweise können daher diese Schiffsorte um
etwas falsch angegeben sein.
Am 21. April, dem Tage vor dem ersten Sturme, war die Entfernung in
östlicher Richtung zwischen den am weitesten nach Osten und Westen ausein-
anderstehenden Schiffen 376 Scem., hatte sich jedoch am 26. April auf 140 Seem.
verringert, eine Wirkung des, die östlicher stehenden Schiffe stärker beein-
flussenden, Agulkas-Stromes und des, diese Schiffe eher erreichenden, Ostwindes
der letzten Tage. Ganz auffallend ist die Strömung, welche der „Armin“ antraf,
das Schiff befand sich näher am westlichen Rande des Agulhas-Stromgebietes,
als die meisten Mitscgler; daher vielleicht die so überaus starke Versetzung
nach Süden. Doch mag auch zu der letzteren die im Sturme erhaltene Schlag-
seite des Schiffes ihren Theil beigetragen haben. Das ganze Ereigniss war für
die weitere Reise des Schiffes von übelen Folgen begleitet, indem dieselbe da.-
durch um mehrere Wochen verlängert wurde,
Beide Stürme waren schwere Ausschiesser, denen ein hohes Krimpen des
Windes nach NNE und noch weiter östlich voranging. Blitzen in weiter Ferne,
zur Winterszeit in den Regionen der westlichen Winde ein sicheres Zeichen,
dass schweres Wetter im Anzuge ist, wird von mehreren Schiffen vor dem Ein-
treten des Sturmes berichtet. Die Wuth der Stürme traf die westlicher und
südlicher stehenden Schiffe am schwersten; diejenigen, welche östlicher und
näher der Küste standen, wurden nicht so schwer getroffen,
Doch hielten sich alle die tief beladenen Schiffe sonst, abgesehen von
unbedeutenderen Schäden, brav, vielleicht nur mit Ausnahme des grossen
„Andreas Rickmers“, der hier so viel litt, dass er in Folge dessen später in
Havarie St Thomas anlaufen musste.