Es ist ferner eine schon seit langer Zeit wohlbekannte Thatsache, dass die
Längenangaben verschiedener Orte in Westindien und Central- und Süd-Amerika
unter einander nicht übereinstimmen, da man bisher keine systematische Be-
stimmung dieser Längen in Beziehung zu einander, oder auf einer gemeinsamen
Basis beruhend, vorgenommen hatte. ')
Die Längen in dem westlichen Theile des Caraibischen Meeres hingen
von der Länge des Leuchtthurms auf der Mole zu Havana ab, welche Don Jose
Joachim de Ferrer aus zahlreichen, in den Jahren 1808—1812 beobachteten
Sternbedeckungen hergeleitet hatte. Die meisten Längen der weiter ostwärts
zelegenen Punkte, wie auf den Virginischen Inseln und den Inseln über dem
Winde (den Windward - Islands) sind durch Chronometerübertragungen von
Fort Christian auf St. Thomas aus bestimmt worden. Dieser Punkt war seiner-
zeits in Bezug auf die Lage des Observatoriums des Major Andrew Lang zu
St, Croix festgelegt worden; und diese Länge von St. Croix war wiederum
aus zahlreichen Mondeulminationen und Sternmbedeckungen hergeleitet (s. unten
sub 11). Die französischen Offiziere, welche Martinique und Guadeloupe ver-
messen haben, stützten ihre Positionen auf die aus Mondeulminationen herge-
leiteten Längen; nun-ist es aber schon lange bekannt, dass diese Längen
mit denjenigen der benachbarten englischen Inseln nicht in Einklang zu
bringen sind.
Diese Erwägungen und die Vollendung der Linien der „West-India and
Panama Telegraph Company“ im Frühling 1873 veranlassten den Hydrographen
der amerikanischen Marine, Commodore R. H. Wyman, U. S. N., dem „Navy
Department“ einen Plan für die Ausrüstung einer Expedition vorzulegen, welche
mit aller möglichen Genauigkeit die Breiten und Längen der durch Telegraphen
in Westindien und Central-Amerika mit einander verbundenen Punkte bestimmen
3ollte. Die Linien der „West-India and Panama Telegraph Company“ gewähren,
im Verein mit denen der „Cuba Submarine "Felegraph Company“, überraschend
leichte Hülfsmittel für Längenbestimmungen.*) Indem sie sich von Guyana
äber die Kleinen Antillen nach Cuba und Jamaica und von da nach Aspinwall
und Panama hin erstrecken, und ferner durch Havana und Key-West mit dem
Telegraphen - System der Vereinigten Staaten in Verbindung stehen, können
zuverlässigere Ausgangspunkte für die Längenbestimmungen der Westküste von
Mexico, von Central- und Süd-Amerika gewonnen werden, ebenso für die Nord-
küste von Süd-Amerika und für Brasilien.“ Soweit Lieut.-Commander Groen.
Das „Navy-Department“ genehmigte diesen Plan und übertrug die Aus-
führung desselben dem „Hydrographic-Officg“ zu Washington. Der Lieutn.-Comm.
F. M. Green wurde mit der Ausrüstung und Leitung dieser Expedition im
Herbst 1874 beauftragt, welche er auf dem V. St. S. „Fortune“ und in Be-
gleitung des Astronomen und Rechners Mr. Miles Rock (früher an der Stern-
warte in Cordova) und einiger jüngerer Seeoffiziere am 24, November 1874 von
Hampton Roads aus begann. Am 1. December kam die „Fortune“ zu Kings-
fon auf Jamaica an und segelte am 9. December von da nach Aspinwall, wo
die Operationen mit der Bestimmung des Längenunterschiedes zwischen
Aspinwall und Panama begannen.
Der bei diesen zweijährigen Arbeiten durchweg innegehaltene Plan bestand
darin, dass Lieut.-Comm. Green an dem einen Ende der Linie und Mr. Rock
an dem andern Ende die Zeitbestimmungen machten, wobei jeder einen der
jüngeren Seeofficiere als Assistenten bei sich hatte, und dass ein zuverlässiger
Mann von der Schiffsmannschaft auf jedem Observatorium als Wärter für die
Instrumente, die Tag und Nacht nicht verlassen werden durften, stationirt wurde,
Die Observatorien selbst waren tragbare, hölzerne, kleine Gebäude, von
eirca 2—4 Met. im Quadrat, welche leicht und sehnell aufgestellt und wieder
0) Vgl. „Ann. d, Hydr.“ ete., 1876, pag. 32 u. 183. A, d. R. ;
?) Die „ West-India and Panama Telegraph Company“ mit ihrem Sitze in London hat vier
Kabelverbindungen: 1) Santjago de Cuba — Kingston (Jamaica) — Aspinwall. 2) Kingston — San
Juan de Puerto Rico — St. Thomas — St, Kitts (St. Christoph) — Antigua — La Guadeloupe — Domi-
nica — Martinique -— St. Lucia — St. Vincent — Barbadoes. 3) St. Vincent — Grenada — Trinidad —
Demerara (brit. Guyana) — Berbice. 4) Demerara — Cayenne — Para (Brasilien), Die „Cuba Sub-
marine Telegraph Company“, mit ihrem Sitze gleichfalls in London, hat zwei Kabel: 1) Punta
Rasa (Florida) — Key-West (120 Seem.)., 2) Key-West— Havana (125 Seem,) A, d, R.