Bemerkungen über einzelne Orte an der Nordküste von
Süd-Amerika. )
Der Commander G. P. Ryan, von dem V. St. S. „Huron“, hat dem
Hydrographischen Amte zu Washington nachstehende Bemerkungen über einzelne
Orte an der Nordküste von Süd-Amerika eingesendet, welche in der „Hydro-
graphic Notice“ No. 31, Washington (1877), veröffentlicht sind. Die hier vor-
kommenden Peilungen sind missweisend.
Die Unare-Bucht.) Der Plan (s. Karte Tit. VI, No. 8) und die
Segelanweisung für die Unare -Bucht im „West India Pilot“ Vol. I, pag. 102,
sind beide unrichtig. Die Bucht liegt 2 bis 3 Seem. westlich von dem Cap
Tres Puntas und kann nach dem Plan allein nicht erkannt werden; denn es
ist keine Landspitze vorhanden, die sich %/4 Seem. weit nach NW zu erstreckt,
wie es auf dem Plan angegeben ist. Auch ist die Bucht nicht 3 Seem, lang
und 1! Seem. tief, sondern nur ungefähr 1/2 Seem. lang und !/s Seem. tief;
ferner wird dieselbe durch einen runden Abhang oder einen kleinen steilen
Berg, einen sogenannten „Morro“, in zwei kleine beinahe gleich grosse Buchten
getheilt, welche beide einen weissen Sandstrand haben. Wenn der Masssstab des
Planes der Unare-Bucht, anstatt in Secemeilen, in Kabellängen angegeben wäre,
so würde derselbe, was die Configuration der Küste, die Lage des Flusses und
die Wassertiefen anbetrifft, die westliche der beiden kleinen Buchten sehr gut
wiedergeben.
Der „Huron“ ankerte auf 14.6 Met. Wasser, %/4 Seem. von der Küste
entfernt, und 1 Seem. weiter nach See zu wurden 24 bis 25.5 Met. Wasser ge-
funden, während der Plan 3 Seem, vom Lande entfernt noch 10 Met. Wasser
angiebt. Längs der Küste befinden sich einige wenige, zerstreut liegende Hütten,
die von den Arbeitern der in der Nähe befindlichen Cacao - Pflanzung bewohnt
werden. Es ist jedoch daselbst keine Ansiedelung, welche die Bezeichnung
einer Stadt, nicht einmal eines Ortes, verdient, aber auf dem Plan ist eine
Stadt, San Juan de Unare benannt, verzeichnet. Ein Schiff würde dem Strande
gefährlich nahe kommen, wenn es den Morro in NE in Peilung bringen wollte,
wie im „West India Pilot“ angegeben ist, und ein Ort, der nach dieser Quelle
gleichfalls gepeilt werden soll, ist nicht vorhanden,
Der Landungsplatz ist rechts vom Morro, am Strande zwischen zwei
Hütten; es steht jedoch daselbst so hohe Brandung, dass ein Landen sehr
unbequem ist. Die Fluthhöhe beträgt zwischen 1.s und 1.s Met.
Los Testigos oder Inseln Testigos.?*) Wenn man sich, von Süden
kommend, den Inseln Testigos nähert, so erscheint das Südende der Insel Testigo
Grande (Insel Goat) gegen den höher liegenden Theil der Insel, wie eine be-
sondere Insel, und ein mit dieser Gegend Unbekannter würde geneigt sein,
gleich hinter dem Südende der Insel das Fahrwasser nach dem Ankerplatze zu
suchen. Der „Huron“ ankerte auf 14,5 Met. Wasser nördlich des Riffes, welches
sich von der Insel Goat erstreckt. An dem Sandstrande der Bucht, welche durch
das Riff und eine nördlich von diesem liegende Landspitze gebildet wird, ist
ein ausgezeichneter Landungsplatz. In einer Linie quer über die Mündung der
Bucht, von dem Riff bis zu der erwähnten Landspitze, wurden 7,3 Met. Wasser
gefunden, bis zu einer Schiffslänge von jedem Ende; an den Enden waren 3.7 Met.
Wassertiefe, Während des Aufenthaltes des „Huron“ lief der Strom stark durch
das Fahrwasser nach Nord und West, mit einer Geschwindigkeit von °/s bis
1’ Seem, die Stunde.
Die Insel Goat wird von Januar bis Juni von einer Anzahl Fischer von
der Insel Margarita bewohnt.
Cumana.*) Bei der Ansegelung von Cumana ist die Spitze Barrigan
leicht zu erkennen; dieselbe hat Aehnlichkeit mit einem alten Fort. Dagegen
ist das Fort de la Boca zerstört und dient nicht mehr als Leitmarke, Das
neue Zollhaus, rechts von dem ehemaligen Fort, ist sehr in die Augen fallend.
1) Ueber die Bestimmungen der geographischen Lage dieser hier beschriebenen Orte und noch
einiger anderer an der Nordküste von Süd-Amerika s. dieses Heft pag. 511,
%) S. „West India Pilot“ Vol, I, pag. 102.
3) a. a. O. pag. 102.
‘a, a. O. pag. 1138.
Ann, &. Hydr., 1877, Heft X (October)