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oogleitet, jedoch in dor Nähe der Küste nordwestlich, schwach bei klarem,
schönem Wetter. Am 18. Juni bestätigte sich durch Peilungen von Montane und
Shinnicock (Long-Island) der nach Lothung gefundene Fehler des Chronometers.
Am Nachmittage des letztgenannten Tages erhielt man einen Lootsen und am
nächsten Tage kam der „Henry“ in der New- York-Bucht zu Anker. Die Reise-
dauer betrug von Bremen ab 52, von Lizard 48 Tage. Capt. Minssen bemerkt,
dass es wahrscheinlich rathsam sein dürfte, in den Monaten Mai bis August
die Reise südlich des Golfstroms zu machen, weil der Wind meistens südlich
ist und man der grossen Plage des vielen Nebels überhoben sein würde.
Er bedauert sehr die Unzuverlässigkeit der Nebelsignale auf den Schiffen
und wünscht, dass dieselben so eingerichtet sein möchten, dass der Seemann
auf den Kurs des die Signale gebenden Schiffes schliessen könne.
Am 19. Juli nach Hamburg bestimmt, lichtete der „Henry“ den Anker und
passirte im Schlepptau eines Dampfers gegen Mittag Sandyhook, Mit günstigen
Winden und Strömungen ging die Reise rasch von statten. In 50° West-Lg.
and 40.s° Nord-Br. am 26, Juli ging der Wind östlich und allmählich in den
folgenden Tagen SE, womit 40° West-Lg. in 44.9° Nord-Br. am 1. August erreicht
wurde. Am nächsten Tage traten wieder mässige westliche Winde auf, die in
etwa 27° West-Lg. aus SW die Stärke 10 annahmen. Nachdem während einiger
Zeit stürmischer Westwind geweht hatte, flaute derselbe nördlich ab und wehte
am 10. August in 10° West-Lg. und 49.2° Nord-Br. mässig aus NNW. Nach
ainer guten Reise von 23 Tagen gelangte der Henry am 10. August in Sicht der
Scilly-Inseln.
10. Reise des Bremer Schiffes „Richard“, Capt. Hettmeyer,
Das Bremer Schiff „Richard“, Capt. Hettmeyer, von Bremen nach
Rangoon bestimmt, stand am 28, October 1876 auf 45° 37‘ Nord-Br. und 11° 27’
West-Lg. bei frischem Ostwinde. In den nächsten Tagen holte der Wind all-
mählich bis Nord. Am 31. October wurde 40° Nord-Br. in 18° 5‘ West-Lg.
yeschnitten. Nachdem der Wind einige Zeit SSW gewesen, drehte derselbe
durch SE, Nord bis West, begleitet von häufigen Böen. In ungefähr 81.8°
Nord-Br. und 21.6° West-Lg. kam nach einer fast 24stündigen Windstille ein
leichter NE-Wind durch, der jedoch nur während zweier Tage anhielt, um
nochmals westlichen Winden Platz zu machen. Am 7. November wurde 30°
Nord-Br. in 22.9° West-Lg. geschnitten. Durch die anhaltend wehenden westlichen
Winde gelangte man am 16. November nach 20.0° Nord-Br. in 18.7° West-Leg.
Der Wind, welcher zur Zeit schwach und nördlich war, ging in den Passat
über. Derselbe war zwischen den Cap Verde’schen Inseln und der Küste nur
sehr schwach. Südlich von 8° Nord-Br. war der Passat fast SE. Der Aequator
wurde geschnitten am 27. November in 29.7° West-Lg, unter lebhaftem SE-Wind
und 10° Süd-Br. in 32° 6‘ West-Lg. am 1. December, Zwischen 15 und 25°
Süd-Bır: und 32—29° West-Lg. war der Wind vorherrschend Nord und nord-
östlich, lief dann um bis NW und zurück auf SE, womit 30° Süd-Br. in 28.3°
West-Lg. am 11. December erreicht wurde. In 20° West-Lg. und 39.8° Süd-Br.
am 17. December war der Wind nordwestlich und stark. Lange, von Nord nach
Süd gehende rothe Streifen wurden im Wasser bemerkt, wahrscheinlich Wal-
fischfutter. Den Meridian von Greenwich passirte der „Richard“ am 22. De-
cember in 41.7° Süd-Br. Seetang und leuchtende Quallen wurden gesehen.
In 44° Süd-Br. wurde am 26. December der Meridian bis zum Cap der guten
Hoffnung passirt bei einem lebhaften Nordwinde. Starkes Meerleuchten ward
wahrgenommen. Auf dem 44, Parallel südlicher Breite wurde die Reise mit
mässigen nordwestlichen Winden fortgesetzt. Die Luft war sehr feucht, Sonnen-
ringe und Mondhöfe wurden öfters beobachtet. 50° Ost-Lg. wurde am 3. Januar
1877 in 44° 4‘ Süd-Br. und 60° Ost-Lg. in 45.1° Süd-Br. am 7. Januar bei leb-
haftem SE-Winde gekreuzt. Von 45.4° Süd-Br. und 65.s° Ost-Lg. steuerte das
Schiff etwas nördlich auf, Der in den vorhergehenden Tagen wehende NE-Wind
war plötzlich auf West und SW umgelaufen. 80° Ost-Lgx, kreuzte der „Richard“
am 12. Januar in 42° 5‘ Süd-Br. bei einem steifen WNW-Winde, der allmählich
abflaute, worauf in etwa 31.3° Süd-Br. östliche Winde folgten. 20° Süd-Br.
erreichte man in 85,4° Ost-Le. am 23. Januar. In etwa 3.4° Nord-Br. und 91.2°