3. Bemerkungen über die Bucht von San Jose, Patagonien, ')
von Corv.-Capt. von Lindequist.)
„Am 12, Juli des Nachmittags verliess S. M. S. „,Vineta‘“ die Mündung
des Rio Negro und passirte am Morgen des nächsten Tages den Eingang zur
Bucht von San Jose, welcher durch das scharf abfallende Land im Osten und
durch Punta Quiroga im Westen scharf markirt ist.
Da in der vorhandenen Karte (Tit. VIII, No. 104) fast gar keine
Wassertiefen in der Einfahrt und in der Bucht selbst angegeben sind, so wurde
diese Gelegenheit benutzt, in Abständen von ca. 5 Seem. und in regelmässigen
Pausen von 15—20 Minuten die Ansegelung der Einfahrt in die Bucht von San
Jose auszulothon, wobei gleichzeitig Peilungen der beiden Landspitzen genommen
wurden. Es stellten sich hierbei folgende Tiefen heraus:
Kurs des Schiffes Ostspitze Westspitze Tiefe in Met.
SE*LE 220 —
TEE 7 125 Steine
45
50
84
70 Sand und Muscheln.
Gleichzeitig machte sich auch eine ungemein starke Stromkabbelung be-
merkbar. Da es überdies zu dieser Zeit frisch aus NNW wehte, so wurde ein
Ankerplatz an der Nordseite der Bucht, ungefähr 4 Seem. östlich von der Kin-
fahrt, aufgesucht und daselbst in 25 Met. Tiefe bei Niedrigwasser, ca. 1.s Secm,
von der Küste entfernt, geankert.
Da die ganze Küste der Bucht von San Jose fast überall von einem
gleichmässig 40—60 Met. hohen Höhenzuge eingeschlossen ist, so machen sich
fast gar keine ins Auge fallenden Landmarken bemerkbar, wenn man nicht
einige Sandstellen, welche sich dazu noch am besten eignen würden, wenn sie
in der Karte angegeben wären, ausnehmen wollte.
An dem folgenden Tage, am 14. Juli, wurden die Wassertiefen von
dem Ankerplatze aus nach verschiedenen Richtungen hin gemessen, wobei
sich herausstellte, dass die Wassertiefen von dem Ankerplatze aus bis zum
Lande hin regelmässig von 25 Met. bis 4 Met. abnahmen, und dass die 6 Met.-
Linie sich ca, 1 Kblg. von der Küste entlang zieht. Der Grund bestand überall
aus Sand mit Muscheln und einem Untergrund von festem Mud. Da dieser
Ankerplatz gegen SW-Winde und hohen Scegang aus SW nicht geschützt ist,
und da der Wind aus dieser Richtung stark zu wehen drohte, wurde ein zweiter
Ankerplatz an der SW-Seite der Bucht aufgesucht und zwischen beiden Anker-
plätzen Tiefen von 72, 49, 42 und 25 Met., Sand mit Muscheln, gelothet. Dioser
zweite Ankerplatz ist vom Eingange der Bucht aus an einer ausgedehnten gelben
Sandstelle erkennbar, bei günstiger Beleuchtung sogar schon ausserhalb des
Einganges; man peilt von ihm aus den Eingang der Bucht in mw. N!/2W. Eine
astronomische Bestimmung der Lage dieses Ankerplatzes ergab: 42° 23.0‘ Süd-Br.
und 64° 28,3‘ West-Lg., bezogen auf die Länge der Kathedrale in Montevideo.
Nach der Karte ist die Lage des Ankerplatzes: 42° 23,9 Süd-Br., 64° 27.s‘ West-Lg.
Die magnetische Declination wurde mit dem Normal- Compass, nach ge-
genauer Bestimmung des Collimationsfehlers, gefunden zu 15° 16‘ Ost. Die
Lothungen ergaben ebenso, wie bei dem ersten Ankerplatze, eine gleichmässige
Abnahme der Tiefen von 20 Met. bis zu 4 Met. nach dem Lande zu. Die Pegel-
beobachtungen (6 Tage nach Neumond) ergaben einen Unterschied von 7.s Met,
zwischen Hoch- und Niedrigwasser, Der Strom setzte bei Fluth nach WSW,
1.o—1.5 Seem. die Stunde, bei Ebbe in entgegengesetzter Richtung mit der-
selben Stärke.
4 S. Findlay’s „South Atlantic“, 1875, pag. 508; „South America Pilot“, Part. I. (1874),
pag. 274.
2) Capt. von Lindequist verweilte mit S, M. S. „Vineta“, während Graf von Monts mit
der Dampfpinasse einen Ausflug den Rio Negro aufwärts bis Carmen de Patagonas machte, vom
13. bis 18, Juli in der Bucht von San Jose, und fand dabei Gelegenheit, diese Bucht theilweise aus-
zulothen und die Beschaffenheit der benachbarten Theile der Küste kennen zu lernen. A. d. R.