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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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Tongking, und während dieser Zeit auch einige Mandarin-Dschunken von Loong- 
Moon, einem Platze nordwestlich von Pak-hoz, Dieselben erheben von jedem 
Fischerboote eine Summe von 6 Dollars. Während der übrigen Zeit des Jahres 
ist die Insel sich völlig selbst überlassen. Dieselbe gehört zwar zum chinesischen 
Reiche, doch existirt auf der Insel kein chinesischer Beamter. Es scheint, als 
ob die Missionäre auf dieser Insel eine Art von Regierung oder Controle 
ausüben. 
Während dieser Zeit des Jahres wird die Insel ihres guten Hafens wegen 
häufig von Seeräubern besucht; dieselben lassen sich auf der Insel aber nie 
etwas zu Schulden kommen, um von der Einwohnerschaft dafür mit Lebens- 
mitteln etc. versorgt zu werden. 
Der Hafen ist rings umher von den 60 bis 80 Met. hohen Sandsteinfelsen, 
die stellenweise mit tropischer Vegetation bedeckt sind, umfasst, mit einem 
vorgelagerten Sandstrande von blendender Weisse, der bei Ebbe ca. 100 Met. 
breit ist, und bietet einen sehr einnehmenden Anblick. Sehr in die Augen 
springt ein ziemlich in der Mitte des Hafens, scheinbar fest an den Sandstein 
auf halber Höhe angeklebter Thurm, der nur auf einem ganz schmalen Fuss- 
pfade zu erreichen und auf einem hervorragenden Stein erbaut ist. Es ist dies 
ein Aufbewahrungsort für die wenigen Kostbarkeiten der Inselbewohner. 
Dor Boden der Insel ist fruchtbar und sehr sorgfältig angebaut; nur die 
höchsten Spitzen werden nicht bepflanzt, da es zu viel Mühe macht, dort hinauf 
Wasser zu schaffen. Zuckerrohr und Bananen werden hauptsächlich gebaut und 
bilden die Export-Artikel nach Pak-hoi; — in geringerem Maasse werden süsse 
Kartoffeln und Reis gebaut, letzterer in nicht genügender Quantität, da derselbe 
nur in Thälern mit guter Bewässerung fortkommt. Wald existirt gar nicht, da 
die Bananenpflanzungen, deren Höhe 5 bis 6 Met. nicht überschreitet, kaum als 
Waldungen bezeichnet werden können. 
Ich bemerkte viele europäische Gemüse und auch einige Felder mit 
Gerste, die vorzüglich zu gedeihen schien und fast schnittreif war. 
Auffällig war die grosse Menge von Rindvieh, der indische Wasser- 
Büffel und der Zebu, ausserdem befanden sich von Hausthieren nur noch Schweine, 
Hunde und Geflügel auf der Insel, Schafe und Ziegen fehlen gänzlich, ebenso 
Pferde. Das Rindvieh wird zum Ackern des Bodens verwendet. 
Der Rohzucker wird in Stücken von ca. !/a Pfd. Gewicht gepresst und 
in Säcken verschickt; es werden von ihm ca. 7000 Piculs exportirt. Der Gesammt- 
erlös aller Exporte wird auf 50—60,000 Dollars geschätzt. 
Mit dem Fischfange beschäftigen sich die Bewohner von Wy-Chow nur 
insoweit, als dies zu ihrem eigenen Bedarf nothwendig ist. Sie sind vor- 
wiegend Ackerbauer und keine Seeleute. Der Ertrag der Fischerei wird auf 
40,000 Dollars geschätzt, meiner Ansicht nach aber viel zu niedrig, da ja die 
Mandarin-Dschunken für den gegen die Seeräuber zu gewährenden Schutz allein 
an Steuer 12,000 Dollars vereinnahmen. 
Während der Fischerei herrscht auf der Insel ein reges Leben. Es 
kommen viele Kaufleute von Pak-hoi mit Kleidern und anderen Sachen, um mit 
den versammelten Fischern lebhaften Handel zu treiben; als Zahlungsmittel 
gilt hier der mexicanische Dollar. 
Die Insel enthält in einer Tiefe von ca. 30 bis 35 Met. Eisen und Kohlen; 
es ist durch Chinesen versucht worden, dieselben zu bearbeiten. Wegen Un- 
kenntniss und mangelnder Hülfsmittel ist dies aber aufgegeben, 
Das Trinkwasser ist von guter Qualität und reichlich vorhanden, es 
tropft an zahlreichen Stellen über die Sandsteinfelsen und bildet verschiedene 
kleine Brunnen. 
Da die Boote gebraucht wurden, wurde der Wassersack auf ein Bambus- 
floss gelegt, vollgepumpt und dann an Bord getaut, Das Wasser war ohne 
den geringsten Salzgehalt; diese Art des Wasserholens kann empfohlen 
werden, wenn es an Booten mangelt, oder die Boote nicht geeignet dazu sind. 
Die klimatischen Verhältnisse der Insel sind dieselben wie auf Hainan 
und Pak-hoi, nur dass die Gegensätze durch die umgebenden Wassermassen 
gemildert werden. 
Eine eigentliche Regenzeit existirt nicht; das Wetter ist während der 
Monate März, April, Mai und Juni sehr veränderlich und die Luft vielfach 
Ann. dA, Nydr., 1877, Heft X (October).
	        
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