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Strasse; in der westlichen Hälfte kann man bei diesigem Wetter der Nord-
küste von Hainan sich mehr nähern, wie der von Lze-Chow, da bei Cap Cami
weit herauslaufende, noch nicht vermessene Bänke liegen. Eine zu grosse An-
näherung der Küste von Hainan ist indessen auch hier nicht rathsam, da dicht
unter Land mehrere durch Brandung sich markirende Bänke wahrgenommen
wurden. Die Strasse ist in der Mitte am tiefsten und bietet hier keine, bis jetzt
bekannte Gefahren; man sicht deutlich, selbst bei mässig klarem Wetter beide
Küsten. Eine Navigation dieser Gewässer, durch nicht der Gegend kundige
Schiffer, während nebeligen Wetters ist völlig abzurathen.
Beim Auslaufen aus Hoi-how (Hai-kao), mit Bestimmung für den West-
Ausgang der Hatnan-Strasse, ist zu empfehlen, zunächst nördlich zu steuern bis
in die Mitte der Strasse, da an der Westseite der Bucht von Hoi-how eine Bank
liegt, die noch im März 1877 dem Lootsen nicht bekannt war.')
In der Mak-lan-tau-Strasse ist bei viermaliger Passage derselben durch
„Nautilus“ ein. Strom mit einer Maximal-Geschwindigkeit von ca. 4 Seem. wahr-
genommen, nicht wie behauptet wird, von 7 Seem. Selbst dieser Strom, in
Verbindung mit der während des NE-Monsuns herrschenden hohen See, macht
aber die Passage dieser Strasse sehr beschwerlich (vgl. diese „Annalen“, 1877,
pag. 234). Ueber Ebbe- und Fluth-Perioden existiren bis jetzt keine bestimmten
Angaben, da noch nicht genügende Beobachtungen über dieselben angestellt sind.
In der Hainan-Strasse ist kein stärkerer Strom, wie 2.s Seem. die Stunde
ermittelt worden. Die während viermaliger Passage im Golf von Tong-king
zwischen Pak-hoi und Hoi-how gemachten Beobachtungen haben. stets eine west-
liche Versetzung gezeigt, und schliesse ich daraus, dass die durch die Hainan-
Strasse und diesen Theil des Meerbusens eintretende Fluth sich mehr bemerkbar
macht, als die Ebbe. Die grösste gelothete Tiefe zwischen Pak-hoi und dem
Ausgange der Strasse ist nicht über 25 Met. gefunden worden.
Man kann zu beiden Seiten der Insel Guie-Chow (Why-Chow) in tiefem
Wasser passiren, muss jedoch von der Nordost-Spitze von Gwie-Chow ca, 2 Seem.
abbleiben.
Ansegelung von Pak-hoi. Um Pak-hoi anzusteuern, ist es rathsam, die
Insel Guie-Chow stets vorher in Sicht zu laufen, um hierdurch einen Anhalt
für etwaige Stromversetzung zu gewinnen.
Bei klarem Wetter wird Cap Quantow bald nach dem Passiren der Insel
in Sicht kommen und sich als Insel markiren, da dieses Cap ziemlich steil auf-
steigt und die Halbinsel nach dem Innern zu völlig flach ist.
Wenn man auf der Strecke zwischen der Strasse von Hainan und der
Insel Guie-Chow zwischen zahlreiche Fischerstangen hineingeräth, so ist dies
ebenfalls ein Anzeichen, dass man sich der Küste von LZie-Chow zu sehr
genähert hat.
Nördlich von der Insel, nach Pak-hoi zu, ist indessen selbst das Fahr-
wasser mit solchen Stangen theilweise besetzt; deshalb ist bei Dunkelheit grosse
Aufmerksamkeit erforderlich. Diese Stangen sind von solcher Stärke, dass sie
im Stande sind, Schiffen, welche in sie hineingerathen, Schaden zu thun, be-
sonders aber den Dampfern leicht Schraube oder Rad ausser Thätigkeit zu
setzen. Als ein sicheres Anzeichen von flachem Wasser sind die Stangen
nicht zu betrachten, weil sie mitunter in 20 Met. Tiefe aufgestellt sind. Die
Tiefen nehmen nach Norden zu ganz allmählich ab.
Die Ansteuerung des Hafens von Pak-hoc?) ist, nach dem hier gegebenen
Plane, für Schiffe mittleren Tiefganges ganz leicht, da man in Cap Quantow
eine gute sichtbare Marke hat, um durch Peilung dieses Punktes, sowie der
Spitze von Zy-kok, einzusteuern,
Im Allgemeinen ist zu bemerken, dass Cap Quantow !/a Seem. an Steuer-
bord direct Nord steuernd, zu passiren ist, bis „Nautilus-Berg“ Ost peilt; dann
steuere man NE'AN bis der Berg Zy-kok Ost peilt und, falls die Fischerstangen
noch nicht entfernt sein sollten, dicht um die nördlichste derselben herum, da
im März 1877 das tiefe, richtige Fahrwasser völlig von denselben besetzt war.
1‘) Auch diese Bank ist in dem Uebersichtskärtchen nicht eingezeichnet, da ihre genauere Lage
unbekannt ist. A. d. R.
2) Vgl. über Pak-hoi „Ann. d, Hydr.“ 1876, pag. 517 und 1877, pag. 236.