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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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und nenne die so erhaltene Summe ©. Mit dieser und der geögraphischen Breite 
des Beobachtungs-Ortes entnimmt man aus der Tafel direct das Azimut des 
Dolarsterns. 
Zu bemerken ist nur noch, dass hierbei die Schiffszeit stets vom letzten 
Mittage her bis zu 24* Adurchgerechnet wird; erhält man alsdann ein ©, welches 
grösser ist als 24", so ist dasselbe um 24* zu verkleinern und mit dem Rest 
als & in die Tafel einzugehen. 
Kleine hydrographische Notizen. 
i. Wasserhose im Südchinesischen Moere. Der Commandant 
S, M. S. „Luise“, Corv.-Capt. Ditmar, hat am 22. Mai d. J, auf der Fahrt von 
Hongkong nach Singapore in 9° Nord-Br. und 111° Ost-Lg. eine Wasserhose be- 
obachtet und berichtet darüber, wie folgt: 
„S. M. S. „Luise“ lief um 10 Uhr Vormittags am 22. Mai 1877 durch 
leichte Regenböen; dann wurde es plötzlich ganz still. An der Backbordseite 
bewegte sich das Wasser in eigenthümlicher Weise, etwa so, als ob fliegende 
Fische aufsteigen wollten. Das schäumende Wasser sprang zickzackartig etwa 
50 Schritte von der Schiffsseite entfernt, hin und her und bildete in einigen 
Sekunden einen rauschenden Wirbel von circa 6 Met. Höhe und 10 Met. Durch- 
messer, innerhalb dessen deutlich zu erkennen war, wio das Wasser sich 
mit grosser Geschwindigkeit, in der Richtung gegen den Zeiger der Uhr, be- 
wegte, Unmittelbar über dem Wirbel war keine Wolke vorhanden. Als der 
Monsun wieder einsetzte, wanderte die Wasserhose mit dem Winde zwei Schiffs- 
hreiten weit an der Seite und am Heck des Schiffes vorbei. Zu dieser selben 
Zeit stieg das Wasser im Wirbel höher und fiel mit Geräusch nach der Seite 
wieder in das Meer. Einige Schiffslängen hinter dem Heck fand die Verbindung 
mit einer kleinen Wolke statt, welche alsbald sehr dunkel wurde und grosse 
Dimensionen annahm. Man konute deutlich sehen, wie das Wasser in die Wolke 
hinaufstieg, Als die Wasserhose in einen Regenschauer eintauchte, zerfiel sie.“ 
2. Teifun zu Wen-chau (Ostküste von China) am 3. Juli 1877. 
Nach einem Berichte des Capt.-Lieutn. von Reiche, Commandant S. M. Kbt. 
„Cyclop“, wurde am 3. Juli d. J. die Stadt Wen-chau von einem Teifun be- 
troffen, welcher sowohl am Lande, als auf dem Flusse Ngaw unter den 
chinesischen Fahrzeugen, von denen mehrere zerstört wurden und sanken, nicht 
unbedeutenden Schaden angerichtet hat, Die Anzeichen des bevorstehenden 
Teifuns traten bereits am 2. Juli ein, an welchem Tage es, mit fallendem Baro- 
meter, aus ENE, von Regen begleitet, zu wehen begann. Als am Morgen des 
3. Juli, zwischen 8 und 9 Uhr Morgens, der Wind nach ESE ging und das 
Barometer bis zu 751m. fiel, erreichte der Wind die Stärke 10, während der 
atrömende Regen beinahe horizontal über die Oberfläche gejagt wurde und das 
aufgewehte Wasser sich zu einer fast undurchsichtigen Masse verband. Die im 
Hafen liegenden Dschunken begannen fast sämmtlich zu treiben. Um 11% 20=in. 
a, m. wehte der Wind aus SE mit Stärke 11; das Barometer zeigte 742,,mm., 
Hicrauf drehte sich der Wind, während er zugleich schnell an Stärke abnahm 
und das Barometer wieder stieg, durch SSW und West bis nach NW, und hörte 
schliesslich um 4* p. m. ganz auf. Das Regenwetter hielt aber noch bis zum 
folgenden Tage an. Das Centrum des Teifuns ist demnach, ohne Wen-chau 
zelbst zu berühren, südlich von dieser Stadt vorbeigegangen. Es ist anzunehmen, 
dass dieser Teifun, nachdem er bei der Nordspitze von Formosa vorbeigegangen 
ist, in einem NNW-Kurse auf die chinesische Küste zu fortgeschritten ist und 
an den, gerade an dieser Stelle dem Meere nahe liegenden, ziemlich hohen 
Bergen eine Ablenkung nach Norden im Innern des Landes erfahren hat. 
Gedruckt und in Commission bei E. S. Mittler & Sohn, 
Königliche Hofbuchhandlung. 
Kochstrasse 69/70.
	        
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