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des Schalles hierbei wesentlich mitspricht; wo dies Verhältuiss ein zu grosses
wird, werden die gegen den Wind fortschreitenden, nach oben abgelenkten
Schallwellen auch über einen nicht allzu hoch stehenden Hörer fortgleiten.
Aber dem Schiffer ist durch die obigen Resultate ein wichtiger Fingerzeig ge-
geben: er wird bei Annäherung an eine Station den gegen den Wind kommen-
den Ton in weiterem Abstand, also früher, oben vom Mast als vom Deck des
Schiffes aus hören können!
Eines Punktes von grosser Bedeutung ist noch zu erwähnen, des Schall-
Schattens. Vorspringende Uferpartien von entsprechender Höhe, Felsvor-
sprünge und aussen liegende Inseln selbst von geringer Höhe, Felsen im Meere
und dergl. mehr, und ebenso Gebäude, Thürme und andere Baulichkeiten setzen
der Ausbreitung der Tonwellen in den betreffenden Richtungen sie schwächende
Hindernisse entgegen, ja können die Töne vollständig abschneiden und dadurch
Schallschatten hervorrufen. Bei den Versuchen zu South-Foreland breitete sich
durch die hohen Küstenklippen hervorgerufen, ein tiefer Schallschatten in der
Linie von der Station nach der Mole in Dover aus. Selbst bei günstigen
akustischen Verhältnissen der Atmosphäre, als die Töne in allen übrigen Rich-
tungen voll und laut zu hören waren, waren sie stets bei dem Eintritt in diesen
Schallschatten wie abgeschnitten, nur der direct dorthin stehende Ostwind ver-
mochte sie in denselben eindringen zu machen. Aehnliches ist vielfach in Amerika
beobachtet, Wo dort die Signale in der Nähe von Leuchtthürmen, Wohnhäusern
der Wärter oder anderen selbst unbedeutenden Baulichkeiten aufgestellt sind,
veranlassen diese eine mehr oder weniger, aber stets wahrnehmbare Schwächung
des Schalles in dieser Richtung, die sehr häufig sich bis zum vollständigen
Schallschatten steigert, so dass entsprechende Theile aus dem Hörkreise aus-
geschnitten sind. Der auf der Fig. 9 angegebene Schallschatten ist durch solche
Baulichkeiten hervorgerufen, Bei der Anlage resp. Aufstellung von Nebel-
signalen ist daher hinsichtlich der Wahl des Platzes die Berücksichtigung aller
örtlichen und localen Verhältnisse der Umgebung, der Küste u. s. w. von der
allergrössten und einschneidendsten Bedeutung.
Die in Vorstehendem besprochene Entwickelung der Nebelsignale war von
dem Königlichen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche
Arbeiten aufmerksam verfolgt worden, und gleich nach dem Erscheinen des
Berichtes der nach Amerika gesandten englischen Commission wurde beschlossen,
mit Anlage einer Station praktisch vorzugehen. Den Vorgängen in Amerika
entsprechend, war zuerst eine Dampfpfeife in Aussicht genommen. Allein als
lie Tyndall’schen Versuche die unzweifelhafte Ueberlegenheit der Sirene
nachwiesen, wurde eine solche I. Klasse für die erste diesseitige Station be-
stimmt. Für dieso wurde der Leuchtthurm zu Bülk, am Kingange der Kieler
Bucht, gewählt, einmal, weil dieser Punkt verhälinissmässig leicht zugänglich
ist, was für einen ersten Versuch mit einem ganz unbekannten Apparat von
Wichtigkeit sein musste, sodann aber auch deshalb, weil Bülk der einzige
Punkt der deutschen Küste war, welcher, wie schon oben angeführt, bereits
ein Nebelsignal besass. Die Kopenhagen-Kieler Dampfschiffe hatten nämlich dort
eine Kanone aufstellen lassen, welche, so oft dies von den Schiffen durch
einen ersten Schuss gefordert wurde, antworten musste. Seit 1857 im
October ist dieses Nebelsignal ihätig gewesen. Die dortigen Aufzeichnungen,
die freilich nicht so genau und ausführlich sind, als zu wünschen wäre, ergeben,
dass 1858 bis inel. 1875 wechselnd von 9 bis 26 Tage im Jahre mit starkem
Nebel notirt, dass aber nicht an allen diesen Tagen Signale verlangt worden
sind. Oft ist nur ein Schuss abgegeben, meist 2 bis 4, zuweilen aber auch
mehr. Dagegen findet sich die interessante Notiz, dass bei dickem Nebel
und frischer Kühlung von beiden Leuchtwärtern der Blitz der
Schiffskanone gesehen, aber deren Schall nicht gehört worden ist;
ebenso, dass auf dem Schiff ein abgegebener Schuss nicht gehört worden sei!
Das im September — October 1875 zu Bülk aufgestellte Instrument ist
sine Dampf-Sirene I. Klasse, ') und anf Tafel II in Seiten- und Vorder-Ansicht
dargestellt; Tafel I zeigt den "Ton gebenden Apparat in grösserem Maassstabe,
1) S. Nachr, f, Seef, 1875 No. 571 und 1876 No. 3 und die Abbildungen der Sirene in den
beigewebenen beiden Tafeln (I und ID von „Nebelsignalstation zu Bülk“, A. 4. RR.