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Aus den Reiseberichten S. M, S. „Nymphe‘“, Corv.-Capt. von Kall. 9
Aus den von dem Commandanten S. M. S. „Nymphe“, Corv.-Capt.
von Kall, über den Aufenthalt S. M. S. „Nymphe“ zu Kingston auf Jamaica
(vom 31. März bis 6. April 1877), über die Reise von Kingston über Havana und
die Bermudas -Inseln nach Norfolk (vom 6. April bis 17. Mai 1877) und über
den Aufenthalt daselbst (vom 17. bis 31. Mai) und zu Hampton Roads (vom
1. bis 21. Juni) eingesandten Berichten theilen wir hier Nachstehendes mit:
1. Einsegelung in den Hafen von Kingston.)
„Für Einsegler ist es schwierig, die Nähe von Plum Point zu erreichen,
da Windstillen und umspringende Winde die Schiffe häufig Tage lang 1—3 Seem.,
vor der Küste fosthalten. S. M. S. „Nymphe“ traf beim Einsegeln eine Bark,
welche schon 3 Tage vor dem Hafen lag und den Eingang erst gleichzeitig mit
derselben erreichte.
Während des Aufenthaltes von S. M. S. „Nymphe“ zu Kingston (vom
31. März bis 6. April 1877) setzte der Seewind zwischen 8'—11% a, m, aus SSW
ein, ging gegen Mittag auf SE; zwischen 4*—6* p, m. drehte sich der SE-Wind
über West und ging dann in den Landwind über, Dieser Wechsel von Sce-
und Landwind ist hier sehr regelmässig. Zur Zeit des frischen Passates bleibt
die Seebrise jedoch für wenige Tage stehen.
Die, die Engen von Port Royal markirenden Zeichen stimmen der Lage
nach mit denen in der Specialkarte überein; dahingegen fehlen theilweise die
Seezeichen (Galgen), welche das Fahrwasser nach Kingston bezeichnen, oder
sind unrichtig eingetragen. Das Fahrwasser von Port Royal nach Kingston ist
bei Nacht schlecht zu passiren. Die bei Dunkelwerden in Port Royal ein-
kommenden Dampfer ankern auf dortiger Rhede und gehen erst bei Tages-
anbruch nach Kingston,“
2. Ansegelung von Bermudas.®)
„Nach den über das Aussehen dieser Insel veröffentlichten Beschreibungen
wurde niedriges, nicht deutlich erkennbares Land vermuthet; das Land kam
jedoch, sich scharf markirend, auf 22 Seem. von der Commandobrücke aus in
NNE in Sicht. Das Land wurde, um den weit nach Westen vorspringenden
Riffen aus dem Woge zu gehen, von Süd angesteuert.
Für Schiffe der „Nymphe“-Klasse, und 1ür noch grössere, ist nur der öst-
liche Kanal schiffbar, welcher, trotzdem er gut betonnt ist, doch nur mit
grösster Vorsicht und unter Lootsen-Anweisung passirbar ist. Ist dieser Kanal
passirt, so befindet man sich in einem vollkommen durch die zahlreichen
Korallenriffe geschützten Hafen.
Die vielen fast in jedem Jahr wiederkehrenden Unglücksfälle von Schiffen
beweisen, dass diese Einfahrt zu den gefährlichsten in der Welt gehört. Den
englischen Kriegschiffen, welche diese Insel als Ausrüstungshafen gebrauchen, ist
es verboten, ohne Lootsen hinein zu dampfen.
Auf der Insel /reland befindet sich eine wohlausgestattete Werft; das
dort befindliche schwimmende Dock ist im Stande, Schiffe von der „Hercules“-
Klasse aufzunehmen.“
3. Strom- und Meerestemperatur-Beobachtungen zwischen Bermudas
und Norfolk im Mai 1877.
„Während der ersten 6 Tage wurde ein nach SE bis SW setzender Strom
gefunden, welcher wol durch die in dieser Zeit wehenden nördlichen Winde ent-
standen ist. Beim Erreichen der östlichen Grenze des Golfstromes stieg die
Temperatur sehr allmählich, das Vorlassen desselben jedoch wurde an der
westlichen Seite durch starkes Fallen der Temperatur markirt. Ueberein-
stimmend mit den gefundenen Temperaturen und den Ortsbestimmungen befand
sich das Schiff im Golfstrom vom 15. bis 16. Mai, Morgens 4*, wo es das Ge-
biet des arktischen Gegenstromes erreichte.
') S. „Ann. d. Hydr.“, 1877, pag. 52, 305.
) Vgl. „The West India Pilot“, Part. II, 1876, pag. 286.
3) Vgl. „Hydr. Mitth.“, 1874, pag. 135; „The West India Pilot“, Part, IL, 1877, pag. 509.