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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

ruhiger Luft gehört werden. Fortgesetzte Versuche werden über diesen Punkt 
wie über andere weiteren Aufschluss geben. 
Wenn wir den Wind als die Hauptursache dieser ungewöhnlichen Phäno- 
mene ansehen, so ist er jedoch nicht als einzige Ursache zu bezeichnen. Pro- 
fessor Osborne Reynolds in Manchester stellte ohne Kenntniss von dem, was 
in Amerika geschah, eine Reihe von Experimenten über die Wirkung des Windes 
auf den Schall an und kam schliesslich genau auf dieselbe Hypothese als wir. 
Er hat jedoch in einem Aufsatz von 1874!) dasselbe Princip auf die Wirkung 
der Wärme ausgedehnt, welche die Gestalt der Schallwelle verändert, und hat 
durch Erörterungen und Experimente nachgewiesen, dass die normale Richtung 
der Schallwelle in ruhiger Luft anstatt horizontal fortzuschreiten, durch die 
grössere Geschwindigkeit des Schalles an der Erdoberfläche nach oben abge- 
wendet werden müsse, welche grössere Geschwindigkeit der grösseren Wärme 
der unteren Schichten zuzuschreiben ist. Dies Princip, welches das Vorhanden- 
sein einer wirklichen Brechung des Schalles unabhängig von der Bewegung des 
Mediums ausspricht, ist ohne Zweifel von Einfluss auf die dargestellten Phäno- 
mene. Es bringt jedoch in dem zuletzt erwähnten Falle nur eine geringe Wir- 
kung hervor, da die Beobachtung des „Cactus“ nur eine geringe akustische 
Schwächung des Schalles nachweist. Es dürfte jedoch die Hypothese bekräf- 
tigen, dass der Schall bei vollkommen ruhiger Luft von gleichartiger Dichtigkeit 
weiter gehört werden konnte, als in einem bewegten Medium oder in einem von 
ungleicher Temperatur. Dies stimmt auch mit den häufig in den arktischen 
Regionen beobachteten Thatsachen, in welchen der Schall der menschlichen 
Stimme bei sehr grosser Kälte in grosser Entfernung gehört wird!). In diesem 
Falle ist die Luft oben und unten von gleicher Temperatur, aber von veränderter 
Elasticität und sollte deshalb den Schall mit geringerer Intensität fortpflanzen, 
und doch wird die Hörbarkeit ausgedehnt, was sich durch die Annahme erklärt, 
dass die Ruhe und gleichmässige Temperatur der Luft die verringerte Elasticität 
mehr als aufwiegen. Dasselbe kann in Bezug auf die Hörbarkeit des Schalles 
bei Nebel gesagt werden, der meist bei völlig ruhiger Luft stattfindet. 
Aber was auch die Ursache der Verschiebung der Gehörsgrenzen, wie 
sie die Figuren nachweisen, sein mag, die gewöhnliche Einwirkung des Windes 
ist als die hauptsächlichere anzusehen. Dies ergiebt sich aus der Thatsache, 
dass während das Verhältniss in der äussersten Verschiebung der Hörgrenze 
im ersten Fall nicht über 1: 3 ist, es im zweiten 1: 5 beträgt. 
Wenn weiter die Einwirkung des Windes auf die Hörbarkeit in Bezug 
auf Erhebung in Betracht gezogen wird, so glauben wir sicher behaupten zu 
können, dass der Wind von grösserer Einwirkung auf die Veränderungen in der 
Ausbreitung des Schalles ist, als die unsichtbaren akustischen Wolken, die 
Professor Tyndall zur Erklärung dieser Erscheinungen angenommen hat.“ 
Neben diesen Versuchen hat Henry die Hörbarkeit derselben Töne in 
verschiedenen Höhen bestimmt. Die angewandten Instrumente waren dieselben 
6zölligen Dampfpfeifen der sich entfernenden Schiffe, wie bei den vorigen Ver- 
suchen, während die Töne gleichzeitig am Ufer und oben auf Leuchtthürmen 
beobachtet wurden. Auf dem einen dieser Thürme befand sich der Beobachter 
200 Fuss (61 Met.) höher als derjenige am Ufer, bei dem andern betrug diese 
Differenz 92 Fuss (28 Met.), Diese Versuche weisen nach, dass gegen den 
Wind die Töne bei höherer Stellung des Hörers weiter hörbar sind als in 
niedriger. Alle angestellten 16 Beobachtungen ergaben dies und zeigten, dass 
dieser Unterschied in der Hörweite mit der Windstärke zunimmt. Er wurde 
bis zur 9fachen Entfernung beobachtet, Mit dem Wind dagegen zeigte sich die 
Weithörbarkeit, mit Ausnahme einer Beobachtung, fast gleich. Unter 45° gegen 
den Wind ergaben unter 13 Versuchen 10 ein oft viel besseres Resultat für den 
höheren Standpunkt. Bei einem Versuch, bei dem unten am Ufer der Ton 
schon sehr bald verschwand, wurde bei dem Hinaufsteigen des Ufers schon in 
25 bis 30 Fuss Höhe der Ton wieder deutlich gehört. — Es ist selbstverständ- 
‚ich, dass das Verhältniss des Abstandes des Instrumentes vom Hörer zur Stärke 
') Vgl. Proceedings of the R. Society Aug. 1874 und Philos, Magaz. for Juli 1875, A.d.R. 
') Dove giebt a. a. O. an, dass Lieutenant Forster bei der dritten Parry’schen Reise 
mit einem Matrosen in 6696 Fuss (2041 Met.) Entfernung über die Eisfläche bei Port Bowen hin 
eine Unterhaltung führen konnte.
	        
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