ruhiger Luft gehört werden. Fortgesetzte Versuche werden über diesen Punkt
wie über andere weiteren Aufschluss geben.
Wenn wir den Wind als die Hauptursache dieser ungewöhnlichen Phäno-
mene ansehen, so ist er jedoch nicht als einzige Ursache zu bezeichnen. Pro-
fessor Osborne Reynolds in Manchester stellte ohne Kenntniss von dem, was
in Amerika geschah, eine Reihe von Experimenten über die Wirkung des Windes
auf den Schall an und kam schliesslich genau auf dieselbe Hypothese als wir.
Er hat jedoch in einem Aufsatz von 1874!) dasselbe Princip auf die Wirkung
der Wärme ausgedehnt, welche die Gestalt der Schallwelle verändert, und hat
durch Erörterungen und Experimente nachgewiesen, dass die normale Richtung
der Schallwelle in ruhiger Luft anstatt horizontal fortzuschreiten, durch die
grössere Geschwindigkeit des Schalles an der Erdoberfläche nach oben abge-
wendet werden müsse, welche grössere Geschwindigkeit der grösseren Wärme
der unteren Schichten zuzuschreiben ist. Dies Princip, welches das Vorhanden-
sein einer wirklichen Brechung des Schalles unabhängig von der Bewegung des
Mediums ausspricht, ist ohne Zweifel von Einfluss auf die dargestellten Phäno-
mene. Es bringt jedoch in dem zuletzt erwähnten Falle nur eine geringe Wir-
kung hervor, da die Beobachtung des „Cactus“ nur eine geringe akustische
Schwächung des Schalles nachweist. Es dürfte jedoch die Hypothese bekräf-
tigen, dass der Schall bei vollkommen ruhiger Luft von gleichartiger Dichtigkeit
weiter gehört werden konnte, als in einem bewegten Medium oder in einem von
ungleicher Temperatur. Dies stimmt auch mit den häufig in den arktischen
Regionen beobachteten Thatsachen, in welchen der Schall der menschlichen
Stimme bei sehr grosser Kälte in grosser Entfernung gehört wird!). In diesem
Falle ist die Luft oben und unten von gleicher Temperatur, aber von veränderter
Elasticität und sollte deshalb den Schall mit geringerer Intensität fortpflanzen,
und doch wird die Hörbarkeit ausgedehnt, was sich durch die Annahme erklärt,
dass die Ruhe und gleichmässige Temperatur der Luft die verringerte Elasticität
mehr als aufwiegen. Dasselbe kann in Bezug auf die Hörbarkeit des Schalles
bei Nebel gesagt werden, der meist bei völlig ruhiger Luft stattfindet.
Aber was auch die Ursache der Verschiebung der Gehörsgrenzen, wie
sie die Figuren nachweisen, sein mag, die gewöhnliche Einwirkung des Windes
ist als die hauptsächlichere anzusehen. Dies ergiebt sich aus der Thatsache,
dass während das Verhältniss in der äussersten Verschiebung der Hörgrenze
im ersten Fall nicht über 1: 3 ist, es im zweiten 1: 5 beträgt.
Wenn weiter die Einwirkung des Windes auf die Hörbarkeit in Bezug
auf Erhebung in Betracht gezogen wird, so glauben wir sicher behaupten zu
können, dass der Wind von grösserer Einwirkung auf die Veränderungen in der
Ausbreitung des Schalles ist, als die unsichtbaren akustischen Wolken, die
Professor Tyndall zur Erklärung dieser Erscheinungen angenommen hat.“
Neben diesen Versuchen hat Henry die Hörbarkeit derselben Töne in
verschiedenen Höhen bestimmt. Die angewandten Instrumente waren dieselben
6zölligen Dampfpfeifen der sich entfernenden Schiffe, wie bei den vorigen Ver-
suchen, während die Töne gleichzeitig am Ufer und oben auf Leuchtthürmen
beobachtet wurden. Auf dem einen dieser Thürme befand sich der Beobachter
200 Fuss (61 Met.) höher als derjenige am Ufer, bei dem andern betrug diese
Differenz 92 Fuss (28 Met.), Diese Versuche weisen nach, dass gegen den
Wind die Töne bei höherer Stellung des Hörers weiter hörbar sind als in
niedriger. Alle angestellten 16 Beobachtungen ergaben dies und zeigten, dass
dieser Unterschied in der Hörweite mit der Windstärke zunimmt. Er wurde
bis zur 9fachen Entfernung beobachtet, Mit dem Wind dagegen zeigte sich die
Weithörbarkeit, mit Ausnahme einer Beobachtung, fast gleich. Unter 45° gegen
den Wind ergaben unter 13 Versuchen 10 ein oft viel besseres Resultat für den
höheren Standpunkt. Bei einem Versuch, bei dem unten am Ufer der Ton
schon sehr bald verschwand, wurde bei dem Hinaufsteigen des Ufers schon in
25 bis 30 Fuss Höhe der Ton wieder deutlich gehört. — Es ist selbstverständ-
‚ich, dass das Verhältniss des Abstandes des Instrumentes vom Hörer zur Stärke
') Vgl. Proceedings of the R. Society Aug. 1874 und Philos, Magaz. for Juli 1875, A.d.R.
') Dove giebt a. a. O. an, dass Lieutenant Forster bei der dritten Parry’schen Reise
mit einem Matrosen in 6696 Fuss (2041 Met.) Entfernung über die Eisfläche bei Port Bowen hin
eine Unterhaltung führen konnte.