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6. Reise des Bremer Schiffes „Britania“, Capt. K. Linz.
Capt. Linz, Führer der eisernen Bremer Bark „Britania“, beginnt sein
Journal am 19. October 1876, als das Schiff sich in 47.1° Nord-Br. und 9.3°
West-Lg. befand. Die Reise war von Hamburg aus angetreten, und ging nach
Akyab. Mit Winden, die vorherrschend aus nordwestlicher Richtung wehten,
konnte man 40° Nord-Br. in 163° West-Lg. am 23, October erreichen. Dort
traten schr unbeständige, meist südliche Winde auf, jedoch gelangte man mit
ihrer Hülfe am 29. October nach 30° Nord-Br. in 22.3° West-Lg. Erst am
2. November in 21.6° Nord-Br. und 19.s° West-Lg. traf man auf den Passat,
bis dahin hatte fast nur SW-Wind geweht, und dieser das Schiff soweit nach
Osten gedrängt, dass dem Capitain fast keine andere Wahl blieb, als östlich der
Cap Verde’schen Inseln nach der Linie hin zu steuern, Auf diesem Wege verlor man
in 9.8s° Nord-Br. und 22.4° West-Lg. am 8. November den Passat wieder, und
trat in den Stillengürtel ein, in dem jedoch leichte veränderliche Winde aus
züdöstlicher Richtung vorherrschend waren. Die östliche Gegenströmung,
obgleich an 3 Tagen beobachtet, war doch nicht sehr stark, und überstieg
kaum !/a Seem. die Stunde. Nachdem am 15. November 5° Nord.-Br. in 23.8°
West-Lg. gekreuzt war, stellte sich der SE-Passat ein, mit dem dann voll und
bei nach SW gesteuert und die Linie am 18. November in 28.3° West-Lg. ge-
schnitten wurde. Mit dem SE-Passat machten sich auch die Wirkungen des
Aequatorialstromes bemerkbar, der in der Nähe der Linie am stärksten, 1 Seem.
die Stunde, gerade nach Westen lief,
Gleich nachdem der Aequator passirt war, wurde der SE-Passat so raum,
dass nicht nur rw. Süd, sondern sogar gleichzeitig etwas Ost-Länge gewonnen
werden konnte. Es wurde dann 10° Süd-Br. in 27° West-Lg. am 21. November,
20° Süd-Br. in 23° West-Lg. am 25. November und 30° Süd-Br. in 19.1° West-Lg.
am 29. November erreicht, Die südliche Grenze des SE-Passates überschritt
das Schiff am 26. November in 22.4° Süd-Br. und 22.2° West-Lg. Während der
nächstfolgenden Tage drehte sich der Wind dann zweimal durch alle Striche
der Windrose und blieb zuletzt im nordwestlichen Quadranten stehen, so dass
die Reise nun mit günstigem Winde fortgesetzt werden konnte. Am 4. December
wurde 40° Süd-Br. in 6° West-Lg., und am 6. December der Meridian von Green-
wich in 425° Süd-Br. gekreuzt. Auf östlichem Kurse wurde noch stets etwas
Süd angeholt, bis die höchste südliche Breite am 14. December in 45.s° Süd-Br.
und 39° Ost-Lg. erreicht war, dann wurde anfänglich recht Ost gesteuert,
später aber der Kurs auf die Inseln St. Paul und Amsterdam gerichtet. Die
Winde waren anhaltend frisch und günstig, so dass kaum an einem Tage, so
lange das Schiff sich südlich von 30° Süd-Br. befand, Ostwind im Journale
notirt ist. Am 23. December kamen jene Inseln in Sicht, wobei sich durch an-
gestellte Beobachtungen ergab, dass das Chronometer des Schiffes die Länge
um 1.5 Grad zu östlich angab. Als am 27, December 35° Süd-Br. in 92° Ost-Lg.
erreicht war, wurde recht Norden aufgesteuert, um den SE-Passat aufzusuchen,
der, ohne vorhergegangene Mallung, in 29.2° Süd-Br. und 91.s° Ost-Lg. am
30. December angetroffen wurde. Mit diesem weiter nach Norden steuernd,
wurde 20° Süd-Br. in 87.2° Ost-Lg. am 2. Januar 1877, 10° Süd-Br. in 87°
Ost-Lg. am 5. Januar geschnitten. An letzterem Tage endete auch der SE-Passat
in 8.5° Süd-Br. Der Wind ging, nachdem er flau geworden war, durch Süd
und SW nach NW um, und frischte dann wieder auf. Schon in 2.2° Süd-Br.
und 91.;° West-Lg. am 10. Januar endete auch dieser Wind, und es traten
Windstillen und Mallung ein, die mehrere Tage anhielten, so dass die Linie
erst am 16. Januar in 90° Ost-Lg. erreicht wurde. Die Grenze des Stillen-
gürtels wurde erst in 2.s° Nord-Br. am 22. April, als der NE-Monsun durch-
kam, gefunden. In der Zone der westlichen Winde war eine östliche Strömung
bemerkt worden, durch welche das Schiff in 3 Tagen N 50° E 65 Soem. versetzt
wurde, In 1.s° Süd-Br. traf der Aequatorialstrom das Schiff regelmässig mit
1—1'% Seem. Fahrt die Stunde nach Westen laufend. Beeinflusst durch diesen,
und den oft recht schralen Monsun, hielt es schwer Ost-Länge zu halten, und
obgleich Capt. Linz jedesmal, wenn der Wind sehr nördlich wurde, nach Osten
wenden liess, hatte das Schiff sich doch, als am 1. Februar in 16.3° Nord-Br.
angelangt war, der Ostküste Vorderindiens bis auf ca. 300 Seem. genähert.