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26. December und 10° Süd-Br. in 87° Ost-Lg. am 29. December gekreuzt
wurde. An letzterem Tago kam wieder die Bark „Alice Rickmers“ in Sicht,
welche man schon einmal auf dieser Reise im nördlichen Atlantischen Occan
gesprochen hatte. In 8.2° Süd-Br. und 86.4° Ost-Lg. erreichte am 31. December
der SE-Passat sein Ende. Der Wind wurde dann südsüdwestlich und nach
einigen Tagen nordwestlich, und gelang es mit letzterem am 7. Januar 1877 die
Linie in 94.8s° Ost-Lg. abermals zu schneiden. Der westliche Wind führte das
Schiff noch bis 1° Nord-Br., worauf für längere Zeit Windstillen eintraten, so
dass das Schiff an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen vollständig steuerlos
wurde. In 3.4° Nord-Br. und 91.6° Ost-Lg. am 17. Januar traf man endlich die
ersten Spuren des NE-Monsuns, der dann bald an Stärke zunahm, sobald das
Schiff nördlicher gelangte. Mit diesem Winde nach Norden aufkreuzend, wurde
10° Nord-Br. in 88.5° Ost-Lg. am 20. Januar und 17.s° Nord-Br. in 86.4°
Ost-Lg. am 25. Januar erreicht. Hier lief der Wind so nördlich, dass mit ihm
am 27. Januar der Ankerplatz bei der Diamond-Insel über einen Bug angesegelt
werden konnte.
Am 27. Februar 1877 finden wir den „Paul Rickmers“ wieder in 14.5°
Nord-Br. und 92.7° Ost-Lg. auf der Rückreise nach Bremen begriffen. Es wehte
zur Zeit ein ziemlich frischer NW-Wind, der, so wie das Schiff weiter nach
Süden gelangte, allmählich durch Nord nach NE! ging und in 13° Nord-Br.
und 91° Ost-Lg. als Monsun auftrat, Mit leichter aber beständiger Briese
setzte das Schiff seine Reise weiter fort, schnitt 10° Nord-Br. in 89.5° Ost-Lg.
am 2, März und überschritt die südliche Grenze des NE-Monsuns in 3.8° Nord-Br.
und 89.2° Ost-Lg. Stille und veränderliche, meist nördliche Winde hielten bis
1.9° Nord-Br. und 90° Ost-Lg. an, dann kam leichter südwestlicher Wind durch,
mit dem am 13. März die Linie in 90.4° Ost-Lg. geschnitten wurde, und welcher
dann sich zum NW-Monsun ausbildete. In 8.9° Süd-Br. und 92.8° Ost-Lg. am
20. März ging dieser Monsun, ohne Unterbrechung durch Windstillen, durch
SW und Süd in den SE-Passat über.
Im Indischen Ocean wurde nun nach 20° Süd-Br. in 75.5° Ost-Lg. ge-
steuert und 50° West-Lg. am 5. April in 26.s° Süd-Br. erreicht. Als man sich
der südlichen Grenze des SE-Passates näherte, fand eine zweimalige Drehung
des Windes durch alle Striche des Compasses statt. In 25° md 22°
Ost-Lg. am 17. und 20. April trat Windstille ein. Am 22. und 24, April hatte
das Schiff ebenfalls die schon öfter angeführten Stürme durchzumachen, in denen
namentlich die Gewitterböen mit Hagelschauer aus nordwestlicher Richtung
orkanartig wehten. Der niedrigste Luftdruck wurde am 22, April, gerade als
der Sturm von NW losbrach, zu 750.1” notirt. In den 3 Etmalen, während
welcher diese Stürme wehten, wurde das Schiff durch den Agulhas-Strom
128 Seem. nach WSW, gegen den Wind an, versetzt. Nachdem das Unwetter
vorüber war, lief der Wind südöstlich und wurde, mit ihm nördlich steuernd,
am 24. April das Cap der guten Hoffnung erblickt. Der SE-Wind zog sich
rücklaufend noch einmal nach West, ging dann aber wieder durch Süd nach
SE zurück und wurde zum SE-Passat. Am 9. Mai lief dann, im weiteren Ver-
lauf der Reise, der „Paul Rickmers“ in Sicht der Insel St. Helena, und passirte
am 20. Mai in 28° West-Lg. den Aequator, woselbst der Aequatorialstrom mit
einer stündlichen Geschwindigkeit von 1.5 Scem. nach Westen Hef,
Der frisch wehende SE-Passat begleitete das Schiff bis nach 5.8° Nord-Br.,
wo er am 23. Mai in 29.5° West-Lg. endete und Stille eintrat. Durch frischen
Westwind später begünstigt, konnte die Zone der Windstillen schnell durch-
segelt werden und gelangte man am 26. Mai schon in 8.s° Nord-Br. und 30°
West-Lg. in den NE-Passat. Mit diesem wurde ferner 20° Nord-Br. in 36.2°
West-Lg. und 30° Nord-Br. in 42° West-Lg. am 5. Juni geschnitten. Am
letzteren Tage schien in 30.3s° Nord-Br. auch der NE-Passat seine nördliche
Grenze zu haben, denn der Wind lief dort südöstlich, wurde flau und bald
darauf ganz still. Später kam wieder Ostwind durch, der nun der Fortsetzung
der Reise sehr hinderlich wurde, Erst nördlich von 38.s° Nord-Br. fand man
den ersten westlichen Wind, mit dem dann nach dem Kanal gesteuert wurde.
In 46° Nord-Br. am 21. Juni ging der Wind noch einmal für mehrere Tage
östlich, so dass erst am 30. Juni der Kanal erreicht werden konnte.
Ann. d. Hydr., 1877. Heft IX (September)