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wär zur Zeit südöstlich, lief aber, als man etwas nördlicher kam nach NW und
W und hinderte den Fortgang. KErst in 21.6° Süd-Br. und 6.6° Ost-Lg. setzte
am 22, April der Passat frisch und voll ein. Am 26. April kam dann St. Helena,
am 2, Mai die Insel Ascension in Sicht, und am 8. Mai schnitt die „Virginia“
in 23.5° West-Lg. den Aequator, 74 Tage nachdem der Bassein-Fluss verlassen
worden war. Der SE-Passat hielt bis zu 25° Nord-Br. an, woselbst am
9. Mai Windstille und leichte, östliche Winde eintraten, mit denen der Stillen-
gürtel durchschnitten werden musste. In 5.7° Nord-Br. und 25.6° West-Lg. am
14. Mai setzte der NE-Passat ein.
Die Strömungen in der Nähe der Linie wurden nur sehr schwach vorge-
funden; der Aequatorialstrom setzte nie mehr als 12—15 Seem. im Etmale
nach Westen, während der östliche Gegenstrom noch unbedeutender war. In
der Folge wurde 10° Nord-Br. am 17. Mai in 29.3s° West-Lg., 20° Nord-Br. in
36.4° West-Lg. am 21. Mai und 30° Nord-Br. in 40.4 West-Lg. am 30. Mai
geschnitten. Hier endete der Passat und es trat Windstille ein, die mehrere
Tage andauerte, dann begann in 31.4° Nord-Br. am 1. Juni frischer Westwind
zu wehen, mit welchem nun 40° Nord-Br. in 34.6° West-Lg. am 7, Juni und
20° West-Lg. am 13. Juni in 48° Nord-Br. gekreuzt werden konnte. Vom 12,
bis zum 21. Juni musste aber noch gegen meistens sehr leichten Ostwind ange-
kreuzt werden, wodurch die Reise namentlich auch deswegen sehr verlängert
wurde, weil das eiserne Schiff jetzt schon stark im Boden bewachsen war.
Dennoch gelangte die ‚, Virginia“ am 23. Juni nach einer Reise von 119 Tagen
in die Nähe der Feuer von Lizard, und erhielt dort durch ein Lootsenboot die
Ordre, die Reise nach Bremen fortzusetzen, was denn auch sogleich ausgeführt
wurde, Das meteorologische Journal schliesst an dem letztgenannten Tage.
Reise des Bremerhavener Schiffes „Friedrich‘“, Capt. L. Brüggemann.
Capt. Brüggemann vom Bremerhavener Schiffe „Friedrich“ übersandte
der Seewarte das von seinem ersten Steuermann Herrn N. Schmidt auf der
letzten Reise nach New-Orleans geführte meteorologische Journal. Das Schiff
befand sich am 23. Februar 1877 Mittags in 47.7° Nord-Br. und 12.2° West-Lg.
Der Wind war zur Zeit NE und wehte frisch, so dass nach wenigen Tagen am
26. Februar 40° Nord-Br. in 18.3s° West-Lg. erreicht wurde. Hier wurde der
Wind südwestlich, jedoch blieb er mässig, weshalb noch immer etwas gegen ihn
gewonnen werden konnte. In 37° Nord-Br. traf man südöstlichen Wind an,
und konnte mit diesem am 6. März 30° Nord-Br. in 27.7° West-Lg. geschnitten
werden. In 283° Nord-Br. und 28.;° West-Lg. am 8. März stellte sich der
NE-Passat ein, erst schwach, dann aber mehr auffrischend. In 21° Nord-Br.
und 38° West-Lg. wurde das Schiff noch einmal durch eine Störung des Passates,
wobei der Wind im Verlaufe zweier Tage einen vollen Rundgang durch alle
Compassstriche machte, etwas aufgehalten, dann aber wehte der Passat in der
folgenden Zeit frisch und beständig, und kam das Schiff am 23. März in Sicht
der Insel Antigua, um zwischen dieser Insel und Guadeloupe in das karaibische
Meer einzusegeln. Im karaibischen Meere nahm die Stärke des Passats etwas
ab, jedoch hatte die Reise noch immer ziemlich befriedigenden Fortgang, so
dass am 29. März bei Sonnenuntergang die Ostküste Jamaica’s in Sicht kam.
Hicr wurde eine westliche Strömung von etwa 10 Seem, im Etmale beobachtet.
Am 30. März wurde in weiter Ferne die Südküste von Cuba erblickt und am folgen-
den Tage nördlich von der Insel Cayman passirt. Hier wehte der NE-Passat fast
stürmisch, so dass das Schiff schon am 1. April bei Cap St. Antonio anlangte
und bald darauf in den Golf von Mexiko einsegelte, wo der Passat am 3. April
in 26° Nord-Br. und 86° West-Lg. endete. Der Wind lief südöstlich und bald
darauf durch Süd nach SW. Auf diese Weise wurde die Mündung des Mississippi
bald erreicht, am 6. April die Barre des Flusses passirt und innerhalb derselben,
nach einer Reise von 42 Tagen vom Kanal her, geankert.
Am Mittage des 18, Mai, desselben Tages, an welchem auch das eiserne
Schiff Hermann“ Capt. Bambach vom Missisippi in See ging, stand der
„Friedrich“ in 27.3° Nord-Br. und 88.6° West-Lg., auf seiner Rückreise nach
Bremen begriffen. Obgleich die Entfernung zwischen beiden Schiffen nur gering
war, war sie doch gross genug, um dem „Friedrich““ durch seinen etwas süd-
licheren Standpunkt eine bessero Gelegenheit zu bieten, als der „Hermann“
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