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‘hre Dächer; der untere Theil der Häuser ist hinter Deichen verborgen, mit
welchen alle Dörfer, meilenweit in das Innerc hinein, umgeben sind, weil der
Fluss im Sommer bedeutend anschwillt. Der Yangtze-Kiang ist sehr fischreich;
den Fischen wird in allen erdenklichen Arten von dien Chinesen nachgestellt.
Nanking, wo „Luise“ einige Tage vor Anker lag, ist gegenwärtig. ein ein-
ziger grosser Trümmerhaufen: eine gewaltige Stadtmauer schliesst ein Dutzend
armer Dörfer ein. Nur eine kleine Ecke der früheren Stadt mit einigen Re-
gierungsgebäuden ist noch erhalten. Man braucht über eine Stunde, um die Stadt
der Länge nach zu durchreiten. Die Paläste der früheren Kaiser sind derartig
zerstört, dass nur noch die Fundamente und einige Gräber ihre frühere Existenz
verrathen. Auch die ausserhalb von Nanking liegenden berühmten Ming-Gräber
3zind wüste Trümmerhaufen, wenn auch an einigen Stellen noch einzelne Reste
derselben stehen, welche von der Grossartigkeit dieser Werke eine Vorstellung
eben.
5 Der neue Vertragshafen Wuhu!) macht bis jetzt noch einen ärmlichen
Eindruck; man meint hier, dass er vielleicht einen Stapelplatz für die aus dem
Innern kommenden und dahin abgehenden Waaren abgeben werde.“
Ueber die speciellen Ergebnisse dieser Fahrt S. M. S. „Luise“ von Wusung
bis Wuhu und zurück berichtet der Lieut. z. See von Prittwitz und Gaffron
Folgendes:
„Die Schifffahrt auf dem Yangtze-Kiang wird, so lange nicht sehr viel
mehr für Betonnung und stete Revision des Fahrwassers gethan ist, stets eine
gefahrvolle bleiben, und ist es durchaus anzurathen, bis zu diesem Zeitpunkt
hin den Karten kein grosses Vertrauen zu schenken, sondern in Shanghat sich
nach einem guten, zuverlässigen und nüchternen Lootsen (es soll augenblicklich
nur deren vier geben) zu erkundigen und diesen dann für die Fahrt zu ge-
winnen. Es sind zwar eine grosse Anzahl Lootsen in Shanghai vorhanden; von
diesen ist indessen die Mehrzahl nur mit der Führung von Schiffen mit geringem
Tiefgange vertraut.
Die während dieser Reise gemachten Erfahrungen lassen sich, wie folgt,
zusammenfassen:
I. Von Shanghai bis Nanking.
1. Auf der Stelle des Wrackes Lismore bei dem gleichnamigen Leucht-
Ihurm (s. „Nachr. f. Seef.“, 1875, No. 442 und 628) an der Backbordseite des
Fahrwassers in dem Wusung-Fluss liegt 122 Met. von dem Leuchtthurm, in der
Richtung S27'/4° E eine grüne Wracktoune (vgl. No, 357 der „Nachr. f. Seef.“,
1876). Auf derselben Stelle liegen ausser dem Dampfer noch eine Bark und
eine Dschunke.
2. Zu der von Navigating-Lieutenant Arthur Gore Ponsonby in der
„China Sea Directory“, Vol. IH, 1874, pag. 372 gegebenen speciellen Anweisung
kann Folgendes zugesetzt werden: „Von der rothen Wusung-Tonne 8 müssen
Schiffe von grösserem Tiefgange NNE steuern, um der auf Paushan Shoal zu
setzenden Fluth Rechnung zu tragen. So wie man mit diesem Kurs die tiefe
Rinne erreicht hat, kann direct NW-Kurs bis zur schwarzen Boje bei Doves-Nest
gesteuert werden, indem man Leihow-Point stets an Backbord frei hält. Das
Loth ist eifrig zu gebrauchen, um eine etwaige Annäherung an die Bänke zu
beiden Seiten der Rinne bei Zeiten zu erkennen.“
3. Paushan Shoals und Bush Island Shoals haben sich derart verändert,
dass das Fahrwasser zwischen beiden enger geworden ist.
4. Eine Orientirung bis zur schwarzen Boje bei Doves-Nest ist für einen
Fremden schwierig. Die „White washed Beacon“ an dem östlichen Ufer existirt
nicht mehr, sie war seiner Zeit nur zu Vermessungszwecken errichtet worden.
An der betreffenden Stelle stehen mehrere Häuser, von denen besonders ein
weisses leidlich kenntlich ist. Leihow-Point erwies sich durch einen in der
Karte nicht angegebenen Creek, welcher mit Dschunken besetzt war, kenntlich
und ferner durch mehrere Häuser, unter denen sich ein weisses befand.
5. Die rothe Boje im SE von Doves-Nest fehlt. An deren Stelle Kegt
nördlich bei Doves-Nest eine in der Karte nicht eingezeichnete kleine schwarze
eiserne Boje mit Korb.
N Vgl. „Ann, d, Hydr.“ etc, 1876, pag. 516 und 517.No full text available for this image
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