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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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gemachte schon angeführte Beobachtung, dass der Ton für eine nahe Zone 
schwach wird, ja gürtelweis ganz verschwindet, während er in weiteren ent- 
fernteren Kreisen wieder voll auftritt, oder dass der Ton an einzelnen Punkten 
zu Zeiten gegen selbst starken Wind weiter gehört wird, als gewöhnlich mit 
dem Winde, nicht erklärt. Letzteres ist z. B. regelmässig bei der Station 
Cape Elizabeth an der Küste von Maine, Nordamerika, der Fall, dessen 10zöllige 
Dampfpfeife stets bei nordöstlichem Schneesturm (heavy) in Portland auf 9 Seem. 
gegen den Wind gehört wird. Aechnlich hörte man bei den Versuchen zu 
Sandy Hook, New ‘Jersey, 1872, stets den Ton von Westen am weitesten, ob- 
gleich im Laufe des Tages des Vormittags Westwind, dann Mittags Windstille 
und Nachmittags Ostwind herrschte. Krstieres, das gürtelweise Verschwinden 
des Tones, ist von verschiedenen amerikanischen Stationen berichtet, selbst 
bei Nebel; General Duane schreibt es in seinem Bericht allen Stationen zu 
und will den Radius dieses Gürtels zu ca. 1 bis 1'% 2 Seem. beobachtet haben. 
Auch ganz frei im Meere liegende Stationen zeigen diese Erscheinung. So ist 
unter anderen angeführt, dass an der Whitehead-Station, Maine, einer Insel, 
durchschnittlich 75 Fuss (23 Met.) hoch, bei einem dicken Nebel 1872 
ein sich näherndes Dampfschiff die 10zöllige Dampfpfeife der Station deutlich 
von 6 bis 3 Seem. in zunehmender Stärke hörte, dann plötzlich den Ton verlor 
und erst in '!/4 Seem. Abstand wiedererlangte, während der Stationswärter 
deutlich zur selben Zeit aus jener Entfernung die 6zöllige Schiffs-Dampfpfeife 
hörte, welcher der Wind günstig war. Bei einem Versuch 1873 wurde die 
Pfeife der Station 15 Seem. gegen einen leichten Wind gehört. 
Diese Erscheinungen, sowie die schon von Arago bei den Gradmessungen 
beobachtete: dass selbst starke Töne (Geschütze) zwischen zwei Orten A und B 
gut und deutlich hörbar von A nach B sein können, während sie zu derselben 
Zeit von B nach A durchaus nicht gehört werden, finden in der Tyndall’schen 
Hypothese keine Erklärung. Professor Henry sucht dieselbe in der Einwir- 
kung des Windes allein, d. h. in der Bewegung der Luft selbst, welche.in 
verschiedenen Höhen stets eine verschieden rasche ist, ja sehr oft in verschie- 
denen Höhen in anderer, oft in entgegengesetzter Richtung statt hat. Diese 
Bewegung in den oberen Schichten ist stets eine raschere, d. h. der Wind ist 
dort stärker! Dürch die oben raschere Bewegung werden mit dem Winde die 
Schallwellen nach unten gebogen, sie concentriren sich also dort, der Schall 
gowinnt an Kraft, wird weit hörbar. Gegenwind bringt die entgegengesetzte 
Wirkung hervor: die Schallwellen werden von der Erde abgekippt, der Schall 
also geschwächt, und bei unten und oben entgegenstehender Luftbewegung 
muss eine unregelmässige Verschiebung des Schallstrahles (der verbindenden 
Linie der Wellenmittel) eintreten, so dass die Verdichtung, so wie die 
Schwächung der Wellen in verschiedener Entfernung eine verschiedene, also 
auch die Hörbarkeit dort eine verschiedene ist. Alle bisher beobachteten Er- 
scheinungen lassen sich auf diese Weise erklären, ja construiren. Die ver- 
schieden schnelle Bewegung der Luft in den verschiedenen Straten ist aber 
nicht nur allgemein bekannt, sondern von Henry bei seinen Beobachtungen 
durch Messungen schon in 100 bis 200 Fuss (30.s bis 61 Met.) Höhenunterschied, 
30owie durch Versuchballons nachgewiesen. Schon nahe der Erdoberfläche ist 
die Geschwindigkeit der sich stets bewegenden Luft eine verschiedene, durch 
die Reibung an der Erdoberfläche veranlasst. Prof. Reynolds hat dies und 
Ablenkung der Schallwellen in der oben angeführten Weise durch Experimente 
nachgewiesen (siehe „der Naturforscher“ VIII, p. 3) und fasst seine erlangten 
Resultate wie folgt zusammen: 1) Wenn kein Wind herrscht, ist ein über eine 
rauhe Fläche hinziehender Schall in der Höhe intensiver als unten; 2) ist die 
Geschwindigkeit des Windes oben grösser als unten, so wird der Schall in der 
Richtung gegen den Wind in die Höhe gohoben, nicht vernichtet; 3) bei der 
gleichen Voraussetzung wie ad 2 wird er, mit dem Winde sich fortpflanzend, 
nach unten gebrochen. Kinen fast entgegengesetzten Einfluss auf die Schall- 
wellen übt die Temperatur der verschiedenen Luftschichten aus, da diese ip 
den unteren meist grösser ist und den Schall dadurch dort beschleunigen muss. 
Gegen Tyndall spricht vor allem, dass bei Nebel die gleichen oder ähnliche 
Erscheinungen, wenn auch seltener, auftreten, bei denen doch verschieden dichte 
Nehelschichten., von denen die dichteren dann als Schallwolken wirken, nicht
	        
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