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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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(s. Tabelle) in dieser Weise ausgeführt; ebenso bei der „Melpomene“ während 
ihres letzten Aufenthalts im hiesigen Hafen, umd steht zu erwarten, dass die 
Compasse jetzt überall gut arbeiten werden. 
Bei dem in Flensburg gebauten Schiffe „Doris Brodersen“ (Baukurs WzN) 
war der Steuercompass zuerst nur 1,17 Met. vom Ruderpfosten und 0,9 Met. über 
Dock aufgestellt und zeigte hier bei magnetisch Nord-Kurs eine Deviation von 
— 14 Strich = — 157°, d.h. es lag SSE an. Die Anziehung des Ruderpfostens, 
verbunden mit der nach hinten und nach Backbord wirkenden magnetischen 
Kraft des Schiffes, war also. grösser, als die Richtkraft des Erdmagnetismus. 
Auf Anrathen der Seewarte, die Bedenken trug, eine so grosse Deviation zu 
compensiren, wurde der Compass auf dem hinteren Ende des Oberlichts auf- 
gestellt, welcher Platz um O,ss Met. höher und um 0,72 Met. weiter vom Ruder- 
pfosten entfernt war. Hier ergab sich B =— — 33°, C = — 28.6°, und wurden 
diese Coefficienten nach der Airy’schen Methode durch je einen Magneten in 
der Weise compensirt, dass C = — 3° und B = — 27° blieb; bei dieser 
Compensation arbeitete der Compass, ohne dass weitere Aenderungen vorge- 
nommen wurden, auch auf südlichen Breiten gut. 
Eine weitere Betrachtung der Coefücienten der Compasse der auf dem 
Reiherstieg gebauten Schiffe zeigt in der Grösse der vertikalen magnetischen 
Richtkraft, dem Coefficienten u, dass Nordmagnetismus im hinteren Theile des 
Schiffes vorwiegend ist, wie es, dem Baukurse des Schiffes entsprechend, er- 
wartet werden konnte. In Folge davon ist denn auch der Krängungsfehler, da 
dieser Nordmagnetismus dem beim Ueberliegen des Schiffes in querschiffs liegendem 
Kisen (Decksbalken) hervorgerufenen Magnetismus entgegen wirkt, für unsere 
Breiten verhältnissmässig gering bei den Regelcompassen und verschwindet 
nahezu bei den Steuercompassen, wo der Nordmagnetismus des Schiffes noch 
mehr hervortritt. So lange das Schiff auf nördlichen Breiten bleibt, ist dieses 
allerdings ein Vortheil, dagegen wird aber auf hohen südlichen Breiten ein 
starker Krängungsfehler nach Lee hervorgebracht, der ausser der Aenderung 
in der Deviation bei übergeneigtem Schiff den Compass beim Schlingern des 
Schiftes leicht unruhig macht. Für einen Regelcompass ist es daher immer am 
vortheilhaftesten, wenn die vertikal wirkende magnetische Kraft des Schiffes 
an der Stelle = O0 ist, dies würde der Fall sein, wenn der Coeffieient u = 1 
beobachtet wäre, vorausgesetzt, dass keine vertikalen Eisenstangen, deren Mag- 
netismus durch Induction hervorgerufen wird, sich unter dem Compass befinden, 
welches also möglichst vermieden werden muss. 
Ueber die Aenderung des Krängungsfehlers mit der geographischen Orts- 
veränderung geben die Bestimmungen an einem Orte keinen genauen Aufschluss, 
da man die beiden Theile, aus denen die vertikale Componente der magne- 
tischen Kraft des Schiffes besteht, nämlich permanenter Magnetismus und In- 
duction in vertikalen Eisenmassen, nicht von einander zu trennen vermag. Man 
kann nur im Allgemeinen sagen, dass der negative Krängungsfehler auf süd- 
lichen Breiten um so beträchtlicher werden wird, je kleiner der positive, nach 
Luv wirkende Fehler auf nördlichen Breiten ist. Ein Krängungsfehler nach Lee, 
in unserer Gegend beobachtet, ist daher nicht besonders günstig. Bislang liegen, 
wegen der Schwierigkeit, genaue Beobachtungen auf See hierüber anzustellen, 
nur wenige Erfahrungen über die Aenderungen des Krängungsfehlers vor, und 
haben aus allen bis jetzt bei der Seewarte eingegangenen Journalen nur bei 
zwei Schiffen (siehe weiter unten) die einzelnen Elemente des Krängungsfehlers 
abgeleitet werden können. 
Das Journal der „Melpomene“, welches überhaupt unter allen vorliegenden 
Schiffen die in jeder Weise ausführlichsten und genauesten Beobachtungen ent- 
hält, ist am besten geeignet, mit Rücksicht auf diesen Gegenstand verwerthet 
zu werden. Wegen der auch in anderer Beziehung daraus gewonnenen KEr- 
fahrungen wird es angezeigt sein, die sämmtlichen Beobachtungen an Bord dieses 
Schiffes etwas ausführlicher zu discutiren. 
Das Schiff wurde mit einem guten Azimuteompass, dessen Rose mit vier 
Magnetinadeln versehen war, ausgerüstet. Dieser Compass wurde als Regel- 
compass in der oben angegebenen Weise aufgestellt, und die Deviationen, sowie 
die horizontale und vertikale Componente der magnetischen Kraft, vor dem 
Auslaufen aus der Elbe bestimmt.
	        
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