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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

land-Experimenten waren am 3, Juli bei klarer und ruhiger Luft dieselben In- 
strumente, die früher bis 10 Seem. gehört worden waren, kaum 2 Seem. hörbar, 
selbst die 5!/2zöllige Haubitze mit 3 Pfd. Ladung wurde in dieser geringen 
Entfernung kaum gehört, nur als ein schwacher Puff. Dies hielt bis Nachmittag 
an; Abends nach 5 Uhr nahmen die Töne ohne bemerkbaren Wechsel in der 
Atmosphäre wieder zu und erreichten eine Hörweite von gegen 8 Seem., ja 
wurden bis 12%4 Seecm. auf einem dortigen Feuerschiff gut gehört, und waren 
am 10 Uhr beim Einsegeln des Beobachtungsschiffes stark und laut! Noch auf- 
fallender ist, dass oft die Töne zu derselben Zeit in verschiedenen Entfernungen 
aicht nur verschieden stark gehört werden, sondern in Zonen ganz verschwinden, 
während sie vor diesen und über diese hinaus deutlich vernehmbar sind, oder 
dass sie bei fast ruhigem Wetter in einer Richtung verschwinden, in der ent- 
zegengesetzten aber deutlich gehört werden. Es ist oft beobachtet, dass 
Schiffe, die sich einer Signalstation nähern, den "Ton deutlich hören, dann 1 
bis 2 Seem. verlieren, und nachmals wieder gewinnen; oder dass selbst bei an- 
zcheinend ruhiger Luft Schiffe das Signal in mässiger Entfernung nicht hörten, 
während die Signal-Wärter die schwächere Schiffspfeife deutlich vernahmen. 
Aehnliche Erscheinungen und Widersprüche sind vielfach beobachtet, 
auch auf dem Lande seit lange bekannt. Dove führt in seinem Vortrag 
„Ueber die Wirkungen aus der Ferne,“ 1845, eine Reihe sehr auffallender der- 
artiger Thatsachen aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Beobachtern 
an. Auch Arago und Humboldt haben deren beobachtet und constatirt, 
Eine Erklärung geben aber beide Naturforscher nicht. 
Tyndall sucht diese auffallende "Thatsache in folgender Weise zu er- 
klären.) Er nimmt an, dass sich aus dem Wasser Dünste entwickeln und, auf- 
steigend in der klaren und durchsichtigen Luft, selbstständige verticale Schichten 
bilden, welche für das Licht vollkommen durchlässig, also unsichtbar sind. 
Die 'Tonwellen lassen dagegen diese verticalen Dunstschichten nur mehr oder 
weniger abgeschwächt hindurch, ja sie können dieselben fast gänzlich zurück- 
werfen; er nennt sie deshalb akustische Wolken. Das Auftreten solcher 
akustischer Wolken beeinflusst demnach die Hörweite. Solche in sich abge- 
zrenzte vorticale Schichten werden sich am ehesten an klaren ruhigen Tagen 
anter dem Einfluss eines kräftigen Sonnenscheines bilden, und Abends sich 
wieder auflösen und zerstreuen. Tyndall führt zur Unterstützung dieser An- 
sicht die 'Thatsache auf, dass sehr häufig und von allen Signalen ein kräftiges 
anhaltendes Echo aus der See und auch bei wolkenlosem Himmel nach der 
Station zurückkommt. Dies Echo namentlich ist ihm der Beweis der Existenz 
jener Schallwolken, welche ähnlich wie feste Gegenstände das gewöhnliche. so 
hier dies See-Echo hervorrufen, 
Dieser Erklärung, welche nur auf die Foreland-Beobachtungen Bezug 
nimmt, tritt Professor Henry?) entschieden entgegen. Derselbe erklärt zunächst 
Jas Echo, welches auch auf den amerikanischen Stationen bekannt ist, durch 
die Rückwirkung der Wasserfläche, namentlich der stets gewellten Oberfläche 
der See. Ausser den sogleich anzuführenden anderweitigen Beobachtungen, 
welche gegen die Annahme von Schallwolken sprechen, hat er folgendes Ex- 
periment angestellt: Er liess auf Little Gull Island, einer ganz frei 7 Seem, 
vom Land entfernten Insel, an einem ruhigen, klaren und wolkenlosen Tage 
Jie dortige Sirene senkrecht in die Höhe richten, so dass der Ton dem Zenith 
zugeworfen wurde. Das Echo kam von allen Seiten in fast gleicher Stärke 
und gleichzeitig zurück, aber nicht von oben her. Eine über die Insel im 
Zenith hinziehende Wolke gab ebenfalls kein Kcho! Dass eine akustische 
Wolke ringsum die Insel umgeben habe, kann wohl nicht gut angenommen 
werden. Es treten ferner diese EKchos auch an Tagen auf, an denen die Hör- 
weite eine gute ja eine weite ist, wie sie ebenfalls bei dickem Nebel nicht 
fehlen. Durch die Tyndall’sche Erklärung wird ferner die häufig in Amerika 
1) Vgl. Tyndall, Philos. Transact. of the 
‚Lehre vom Schall“, übersetzt von Wiedemann, 
Z) Vgl. Annual Report of the Light House 
ag. 83—117. Report of the Operalions of He 
By Joseph Henry, Chairınan. 
Royal Soc. ete. a, a. 0. und Vorrede zu Tyndall’s 
Braunschweig 1875. A. d, Rı 
30ard of the United States for 1874, Appendix 
Tight Honse Board relative to Fog-Signals. 
A_ dd. RR
	        
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