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die Compasse am weitesten den Einflüssen einzelner Eisenmassen, wie vertikaler
Stützen und Decksbalken entrückt. Die „Ella“ hat einen Pfahlecompass 2.6 Met.
über dem Kajütsdeck und 4.7 Met. über dem Hauptdeck, bei der „Polynesia“ steht
der Compass auf einer hölzernen Brücke 5.7 Met. vor dem eisernen Besahnsmast
und 3.ss Met. über Deck und beim „Peter GodefFroy“ steht der Compass ebenfalls
sehr hoch über dem kleinen Kajütsdeck, welches nicht ganz an Bord reicht,
während bei den übrigen Schiffen der Compass vorn auf der Regeling des mit
eisernen, von Bord zu Bord gehenden Decksbalken und mit vertikalen Stützen
verschenen Kajütsdecks aufgestellt ist. Durch den in die Decksbalken während
des Baues eingehämmerten Magnetismus, Nordpol an Steuerbord, Südpol an
Backbord, wird offenbar noch das negative & welches durch den Gesammt-
magnetismus des Schiffes entsteht, vergrössert, sobald der Compass den Ein-
Aüssen dieser Eisenmassen mehr ausgesetzt wird. Dass dieses thatsächlich der
Fall ist, zeigt auch der grössere Werth der viertelkreisartigen Deviation bei
den letzteren Schiffen, welche durchschnittlich über 2° mehr beträgt als bei
den anderen. Durch die grössere Nähe vertikal stehender Eisenmassen hinter
den auf der Regeling des Kajütsdecks aufgestellten Compassen wird der Coefficient
DB, welcher durch den Gesammtmagnetismus des Schiffes positiv ist, ebenfalls
geändert und zwar verkleinert, da das obere Ende der Stützen und der Auflanger in
unseren Breiten einen Südpol ehthält, welcher das Nordende der Compassnadel
nach hinten zieht. Durch das Nieten und Hämmern während des Baues werden
diese durch die vertikale erdmagnetische Kraft inducirten Pole theilweise fixirt,
so dass selbst auf südlichen Breiten, wo diese Kraft in entgegengesetzter Rich-
tung wirkt, mehr oder weniger Südmagnetismus in dem oberen Theile der ver-
tikal stehenden KEisentheile des Kajütsbaus verbleibt. Die weiter unten fol-
genden Beobachtungen des Capitain Molsen, während der ersten Reise der
„Melpomene“ nach Rangoon und zurück, geben hierüber noch weiteren Aufschluss.
Bei den Steuercompassen ist mit Ausnahme der beiden Schiffe „Peter
Godeffroy“ und „Polynesia“ der negative Steuerbordswinkel ebenfalls beträcht-
lich grösser, als derselbe nach dem Baukurse sein sollte. Die Ursache hiervon
ist in der durch den Einfluss des Stevens und Ruderpfostens hervorgerufenen
Verkleinerung des positiven 3 zu suchen. Diese grossen vertikalen Eisenmassen
orhalten auf unseren Breiten, wie die Erfahrung gezeigt hat, an den oberen
Enden durch Induetion einen so starken Südpol, dass dadurch eine Deviation
von 1% bis 3 Strich auf Ost- und West-Kurs hervorgebracht wird, wenn der
Compass, wie gewöhnlich, nur 2—1 Met. vom Ruderpfosten entfernt aufgestellt
wird. Das Nordende der Compassnadel wird nach hinten gezogen; da nun der
permanente Magnetismus des Schiffes nach vorn wirkt, so tritt auf unseren
Breiten eine Compensation des Coefficienten $ ein, so dass allzugrosse Deviationen
nicht vorkommen. Auf südlichen Breiten hingegen, wo durch die vertikale erd-
magnetische Kraft ein Nordpol in den oberen Enden des Stevens und Ruder-
pfostens hervorgerufen (inducirt) wird, der das Südende der Compassnadel
nach hinten zieht, wirkt diese Kraft mit dem permanenten Magnetismus zusammen
in derselben Richtung, und es wird dadurch ein so grosses positives B von
7—8 Strich und darüber hervorgebracht, dass der Compass völlig unbrauch-
bar werden muss; Bei der „Argo“, wo der Coöffieient B = + 17° ge-
funden wurde, wirkt augenscheinlich das nur 1.s Met. entfernt stehende Gang-
spill dem Einflusse des Stevens entgegen, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass
der Compass auch auf südlichen Breiten brauchbar sein wird.
Ueber die Grösse des Inductionscoeffieienten 1) in vertikalem Eisen bei
\ Der Coöfficient B kann als aus 2 Theilen bestehend angesehen werden; der eine Theil
rührt vom permanenten Magnetismus des Schiffes her, und die Wirkung dieser Kraft auf den Com-
pass ändert sich, umgekehrt proportional der erdmagnetischen Kraft, Der zweite Theil rührt von der
Enduction in vertikalem weichem Eisen her, und die Wirkung dieser Kraft ändert sich proportional
z x 1. P
der Tangente der Inclination; der letztere Coefficient wird mit 77 der erstere mit bezeichnet, und
; e P_1
man hat also: B = tang Inclin. -+ a ö I Durch Beobachtung des Co&ffieienten B auf ver-
schiedenen Breiten lassen sich diese beiden Theile berechnen, Vergl. hierüber diese Annalen, 1876,
pag. 335, wo in einem Aufsatze: „/ie Aenderung der Deviation durch geographische Ortsver-
änderung“ dieser Gegenstand ausführlicher behandelt ist,