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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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in Bezug auf ihre magnetischen Verhältnisse untersucht, und von verschiedenen 
derselben zahlreiche, zum Theil recht werthvolle Beobachtungen eingeliefert 
wurden, aus denen nicht allein den Capitainen für die Navigirung ihres Schiffes 
nützliche Resultate gezogen, sondern auch einige für die Aufstellung der Com- 
passe und den Einfluss grosser, vertikal stehender Eisenmassen, wie Schorn- 
stein, Achtersteven ete., wichtige Erfahrungen gesammelt werden konnten. 
Die hauptsächlichsten dieser Erfahrungen, wie auch einige der Untersuchungen 
der Seewarte selbst, sind in der folgenden Discussion enthalten, die zugleich 
als Beispiel dienen kann, in welcher Weise das über diesen Gegenstand ge- 
wonnene Material verwerthet wird. 
T. Segelschiffe, 
Unter den Segelschiffen sind die auf der Reiherstieg-Schiffswerfte zu Ham- 
burg gebauten Schiffe, da von diesen alle näheren Daten über den Bau etc. am 
yenauesten bekannt sind, am besten zu illustrativen Beispielen geeignet. Fol- 
zende dieser Schiffe, deren Baukurs S 40° W magnetisch ist, wurden seitens der 
Seewarte in Bezug auf ihre magnetischen Verhältnisse untersucht, 
Bark „Peter Godeffroy“, Capt. Wendt, Grösse 462 Reg. Tons, gebaut 1869. 
Bark „Ella“, Meyer, „ 464 1875. 
Bark „ Thalassa“, Breuss, „ 647 1875. 
Vollschiff „Melpomene“, Molsen, „ 1030 1876. 
Bark „Excelsior“, Klock, „ ca. 600 1877. 
Vollschiff „Polynesia“, Schwaner, „ 985 1874, 
Vollschiff „Argo“, „ Gätze, „984 n „ 1875. 
Der Regelcompass ist auf allen diesen Schiffen vor dem Besahnsmast; 
gewöhnlich über dem Kajütsdeck, welches eiserne Decksbalken hat, aufgestellt. 
Der Steuercompass steht durchschnittlich 2 Met. vom Ruderpfosten entfernt in 
einer Höhe von 1 bis 1.2 Met. über Deck. Bei den Beobachtungen im Ham- 
burger Hafen und auf der Elbe, resp. in Bremerhaven!) ergaben sich die in 
nebenstehender (s. S. 385) Tabelle enthaltenen Deviationsco&fficienten. ?) 
Schon bei oberflächlicher Betrachtung der Coeffcienten dieser Schiffe fällt 
sofort die grosse Aehnlichkeit, welche dieselben mit einander haben, in die 
Augen. Der magnetische Charakter des einen Schiffes ist von dem eines andern 
Schiffes nur sehr wenig verschieden, es findet sich überall ein + B und ein 
— GC, d.h. das Nordende der Compassnadel wird nach vorn und Backbord ge- 
zogen; oder mit andern Worten, der Südpol der magnetischen Achse des Schiffes 
liegt im vierten Quadranten, wenn man den Winkel von vorn nach Steuerbord 
herum rechnet. Diese Lage entspricht der Lage des magnetischen Meridiangs 
gegen die Kielrichtung beim Bau des Schiffes, wonach der Südpunkt 40° von 
vorn nach Backbord gelegen hatte. Die negativ gerechneten Steuerbordswinkel 
sind durchschnittlich allerdings grösser, und fällt dieser Winkel bei der „Melpo- 
mene“ für den Regelcompass sogar,in den nächsten Quadranten. Vergleicht 
man jedoch die Grösse der Winkel mit der Aufstellung der Compasse und 
ihrer Entfernung von den nächstliegenden Eisenmassen, so fällt sofort ein eigen- 
thümlicher Zusammenhang auf, der einen Schluss auf die Ursache dieser Er- 
scheinung gestattet. 
Bei dem „Peter Godefroy“, der „Polynesia“ und der „Ella“ entspricht der 
Steuerbordswinkel sehr nahe dem Baukurse, und bei allen drei Schiffen sind 
vi 
1) „Argo“ und „Polynesia“ wurden von der Agentur Bremerhaven untersucht, 
Z) Es bedeutet: 
8 die nach vorn in der Kielrichtung wirkende Componente der magnetischen Kraft des Schiffes (die 
Horizontalintensität am Lande = 1 gesetzt), B die dadurch hervorgebrachte Deviation (nahezu 
Deviation auf Ostkurs); 
S die nach Steuerbord wirkende Componente, C die dadurch hervorgebrachte Deviation; 
;D, D den Betrag der viertelkreisartigen Deviation; 
A die mittlere horizontale Richtkraft der Compassnadel, diejenige am Lande == 1 gesetzt; 
u die mittlere vertikale Richtkraft der Compassnadel, diejenige am Lande —: 1 gesetzt; 
—y den Betrag des Krängungsfehlers für jeden Grad der Neigung des Schiffes, + nach der Luvseite, 
— nach der Leeseite wirkend. 
Die Deviation anf ebenem Kiel, d, wird für einen Compasskurs $‘, wenn das Maximum der Deviation 
2 Strich nicht übersteigt, nahe genug dargestellt durch die Gleichung: 
d—A + Bsin $‘ + C cos 5‘ + D sin 24‘ -+ E cos 2%’, 
worin A und E bei gut aufgestellten Compassen sehr kleine Grössen sind.
	        
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