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zugenommen hat, wie es bei der wachsenden Stärke des Südost - Passats zu
erwarten war; zwischen dem Aequator und 2° Nord-Br. ist die West-Strömung
sehr stark. Die Geschwindigkeit der Ost-Strömung; hat seit Juni bedeutend
zugenommen. Die wahrscheinliche Ursache dieser Zunahme an Stärke und
Ausbreitung ist in den Bemerkungen für den Monat Juni angeführt worden
{s. pag. 326).
Wetter. Starker Thaufall ist über dem kalten Wasser nahe bei dem
Aequator eine sehr gewöhnliche Erscheinung. Am 2. Juli 1862, 7* p.m., in dem
1°-$. 24 des 10°.%. 39 (südlich von den Cap Verde’schen Inseln, zwischen
12°-—13° Nord-Br. und 24°—25° West-Lg.) zeigte der Himmel zwischen West
und NW eine dunkelrothe Färbung, gleich einem entfernten Feuer. Aehnliche
Wahrnehmungen hat ein anderer Capitain am 8, und 9. Juli desselben Jahres,
1862, bezw. in dem 1°-. 90 des 10°-3. 4 und in dem 1°-$. 02 des 10°.3. 40,
also zwischen 9°—11° Nord-Br. und 30°—33° West-Lg., aufgezeichnet; in dem
einen Fall dehnte sich der rothe Schein bis zur Mastspitze aus und färbte jeden
Gegenstand an Deck. In allen diesen Fällen war der Wind nordöstlich.
Südlich vom Aequator ist das Wetter in der Nähe von Süd-Amerika
fortdauernd. (wie im Juni) unsicherer, als östlich von dem 10° %. 303.
Seegang. Südliche Dünung ist selbst in dem nördlichen Theil des Ge-
bietes angetroffen worden, obgleich bis 10° Nord-Br. nordöstliche Winde vor-
herrschen. Schwere südwestliche Dünung ist in denjenigen Gegenden des Ge-
bietes, wo der Wind stets südöstlich ist, eine sehr gewöhnliche Erscheinung;
dies zeigt uns, dass ihr Ursprung in den südwestlich von diesen Gegenden
herrschenden Winterstürmen zu suchen ist. Diese Dünung überschreitet den
Aequator in der Gegend des SW-Monsuns und trägt mit zu der dem Seemann
daselbst so wohl bekannten hohen See bei, welche öfters viel höher ist, als es
der Fall sein würde, wenn sie nur das Ergebniss des Monsuns sein würde.
Wolken. In dem 10°. 39 ist die Bemerkung „Obere Wolken aus SE,
Wind NE“ eine der häufigsten, und dieses besonders in der südlichen Hälfte
dieses Feldes.')
In dem 10°-$. 2 ziehen die oberen Wolken gewöhnlich aus NE, während
der Wind in der nördlichen Hälfte dieses Feldes SW oder Süd und in der
züdlichen Hälfte aus SE weht.
In dem 10°-. 4 ist die Bemerkung „Obere Wolken aus NE, Wind SE“
die gewöhnlichste; die betreffenden Beobachtungen erstrecken sich bis südlich
von 3° Nord-Br.
Südlich vom Aequator ist ebenfalls die Bemerkung „Obere Wolken aus
NE, Wind SE“ eine sehr häufige und zwar in der nördlichen Hälfte der be-
treffenden Zehngradfelder häufiger, als in der südlichen. Diese Bemerkungen
zeigen, wie der eine Passat über den andern hinwegzieht.
Naturgeschichtliches. Heuschrecken und andere Land-Insokten wurden
in dem 10°. 39 häufig bemerkt, ebenso Schwalben und ein Ziegenmelker
(Caprimulgus). Keines von diesen Land-Thieren wurde im 10°-%$. 3 gesehen,
da das Gebiet der Doldrums seit Juni sich nordwärts von diesem verschoben
hat. Walfische, Fische und Seevögel sind im 10°-%. 3 sehr häufig angetroffen,
besonders in seiner nördlichen Hälfte, wo der östliche Strom vorherrscht.
Vermischtes, Rother Staub wurde in den 10°-Feldern 39 und 40 an
den Masten und Seryeln der Schiffe häufig gesehen.
Beste Roufe zum Passiren der Linie im Monat Juli (s. Taf, IV u. Tab, I).
Nach Süden bestimmte Schiffe sollten stets westlich der Cap Verde-
schen Inseln gehen, da daselbst der NE-Passat stärker als an der Ostseite der
!) Für das 10°. 39 sind 112 Beobachtungen des Zuges von oberen Wolken vorhanden,
von diesen letzteren zogen 43 oder 380%9 aus SE und 37 oder 33% aus NE. Von den 43 Fällen
mit oberen Wolken aus SE gehören 36 der südlichen Hälfte des 10°-%, 39 an, Vergleicht man
diese Angaben mit den Windpfeilen des Kärtchens für den Monat Juli, so findet man, dass in der
That in der Südost-Ecke des 10°.%, 39 die Winde öfters nordwestlich und südwestlich sind, so,
als ob sie in ein Gebiet niederen Luftdrucks, östlich von diesem 10°-%, 39, nach Afrika hinein
wehen. Ist dies der Fall, so scheinen die südöstlichen und nordöstlichen oberen Luftströmungen von
diesem Gebiete des niederen Luftdruckes aus nach See zu hinzufliessen. A. dd. R.