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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

Erwähnt ist bereits, dass man in Frankreich beabsichtigt solche Hörner 
direct mit Dampf, statt mit Luft anzublasen. Dass dies einfacher ist, da es die 
Luftpumpen vermeidet, ist klar. Ob aber sonst Vortheile dadurch erzielt werden, 
ist zweifelhaft. Die Stärke des Anblasens kann aus den angeführten Gründen 
nicht wesentlich gesteigert werden, wenigstens nicht höher, als sie durch Luft- 
pumpen zu erlangen wäre. Aber sicherer wird die Krhitzung der Stahlzunge 
durch den anblasenden Dampf dieser nicht günstig sein, und wahrscheinlich zu 
öfteren Zungenbrüchen führen. Sodann aber ist comprimirte Luft von gleicher 
Spannung als Dampf das dichtere Medium, und da die Tonstärke mit der Dich- 
tigkeit des Mediums, in dem der Ton erregt wird, zunimmt, so ist dieser 
wesentliche Vortheil auf Seiten der comprimirten Luft und die mit Dampf ange- 
blasenen Hörner werden schwächere, d. h. Töne von geringerer Tragweite 
geben. Die comprimirte Luft gewährt aber in Bezug auf die Aufstellung der 
Apparate noch einen anderen Vortheil, der unter Umständen von der grössten 
Bedeutung sein kann. Bei Anwendung comprimirter Luft ist es nämlich nicht 
nöthig, dass das Ton gebende Instrument unmittelbar und dicht mit der Be- 
triebsmaschine verbunden sei. Diese, sowie die Luftpumpen können beliebig 
weit von ersterem entfernt und durch eine in ihrer Weite der Länge ent- 
sprechende Rohrleitung verbunden werden. Das Luftreservoir, welches das 
Horn automatisch speist, befindet sich dann mit dem Horn am Ende der Rohr- 
leitung. Wo es sich also darum handelt, das warnende Instrument auf weit 
vorspringende, schwer zugängliche Punkte zu stellen, auf welchen die Maschinen- 
Anlage zugleich anzulegen nicht angeht, bietet die comprimirte Luft ein sicheres 
und das einzige Mittel zur Erreichung dieses Zieles. 
Als zweites Instrument ist in Amerika die Dampfpfeife eingeführt und 
ist dort das bei weitem verbreitetste. Sie wird ihrer Einfachheit wegen viel- 
fach vorgezogen, auch hat ihr Ton nach den amerikanischen Angaben grössere 
Tragweite, als die älteren Hörner, Sie ist dort als Nebelsignal vielfach mit 
bestem Erfolg und auch auf Leuchtschiffen in Dienst. Bei den erwähnten Ver- 
suchen zu South-Foreland dagegen hat sie sich nicht so bewährt. Sie bietet 
den Vortheil, dass man durch höhere Spannung‘ der Dämpfe die Stärke des 
Anblasens steigern kann. Gewöhnlich arbeiten sie mit 50 bis 55 Pfund Druck. 
Ihre Grösse für Nebelsignale ist 10 Zoll bis 18 Zoll Durchmesser in der Glocke. 
Versuche haben ergeben, dass das Verhältniss der Glockenhöhe zum Durch- 
messer wie 2:3 (selbst 5:9) das zweckmässigste ist, und die Entfernung der 
Glocke von dem Teller am besten %ı bis !/s des Glocken-Durchmesser betrage. 
Diese letztere Entfernung bestimmt die Tonhöhe, welche auf die Weithörbarkeit 
von grossem Einfluss ist. Diese Verhältnisse gelten für 50 bis 60 Pfund 
Dampfdruck. 
Als drittes Instrument ist seit ca. 5 Jahren die Sirene, von A. & F. 
Brown in New- York construirt, eingeführt, dem bekannten physikalischen In- 
strument nachgebildet. Der Ton wird bei ihr durch Dampf oder comprimirte 
Luft hervorgebracht, welcher in regelmässigen Intervallen und scharf abge- 
schnitten ausbläst. Durch dieses plötzliche Ausblasen wird die Luft in eben so 
viele Schwingungen versetzt, der Ton erzeugt. Die Zahl der Schwingungen 
bedingt die Tonhöhe. Bei den Instrumenten der physikalischen Cabinete dient 
comprimirte Luft zum Anblasen und das scharf a@bgeschnittene Ausströmen wird 
dadurch hervorgerufen, dass vor einer festen, an. dem Luftreservoir befindlichen 
Scheibe sich eine zweite rasch vorüber dreht; beide haben die gleiche Zahl 
gleich grosser und gleich in einem Kreise vertheilter Löcher, Sobald diese 
über einander treten, bläst die Luft aus, und zwar so lange, als die Löcher 
der bewegten Scheibe an denen der festen vorübergehen. Brown schloss sich 
zunächst dieser Construction an. Figur 2 auf Tafel I zeigt die Scheiben seiner 
bei den mehrfach erwähnten Versuchen zu Sowth-Foreland angewandten Sirene 
in !/s natürlicher Grösse, und zwar die feste und die bewegliche Scheibe, 
letztere von 4!/2 Zoll englisch Durchmesser und 12 Flügeln, welche die 12 Schlitze 
der festen Scheibe stets auf einmal öffnen und schliessen, so dass bei jeder Um- 
drehung 12 Impulse erfolgen. Die Sirenenwelle machte 1100 bis 2400 Umgänge 
in der Minute, so dass 320 bis 480 Luftschwingungen in der Sekunde hervor- 
gerufen wurden, was den Tönen eingestrichen E bis H entspricht. Vor den 
Scheiben ist ein gusseisernes Schallrohr zum Zusammenfassen und Verstärken
	        
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