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4. Die Inseln Siassi und Lapac') bilden einen nach Norden und Süden
offenen Kanal. Nur die Nordseite desselben ist für grosse Schiffe praktikabel.
Der südliche Theil des Kanals wird von zwei mächtigen, sich an Szassi und
Lapac anlehnenden Korallenriffen gebildet. Anfangs, ungefähr ein 1 Kblg. breites
and 6—7 Met. tiefes Fahrwasser freilassend, schliessen die Korallen am süd-
lichen Ende bis auf '/2 Kblg. Breite zusammen und bilden vor der Einfahrt
eine Barre von 2—3 Met. Tiefe.
Der beste Ankerplatz ist die mit 11 Faden (20.ı Met.) bezeichnete Stelle.
Die Einfahrt von Norden ist dagegen gefahrlos; wenn man von Osten
oder Westen kommend, bei 2 Secm. Abstand vom Lande, zwischen beiden Inseln
durchsehen kann, steuere man direct auf die Mitte der Einfahrt los. Auf der
NE-Seite der Insel Lapac geht das Riff etwas weiter in NE-Richtung heraus,
als wie auf der Karte angegeben ist, und auf der NW-Seite von Siassi, etwas
innerhalb des Lapac-Riffes, ist gleichfalls ein Korallenriff, auf welchem die See
brandet; die Ausläufer beider Riffe sind am helleren Wasser erkennbar. Ein
gerader Kurs auf die Mitte des Hafens, bei welchem man Anfangs 11.9 Met.
Wasser finden wird, welches allmählich bis über 20 Met. wächst, führt frei von
beiden Riffen.
S. M. S. „Elisabeth“ ankerte auf 20 Met. Wasser in gutem Ankergrund,
gegenüber einem auf der Siassi-Seite halb im Busch versteckten Hause.
Stassi und Lapac sind beide ziemlich bevölkert und das stellenweise vom
Unterholz befreite hügelige Land zu joder Art von Kultur sehr geeignet. An-
zebautes Land konnte nicht entdeckt werden. Rindvieh und Hühner wurden,
nachdem das Zutrauen der Eingeborenen geweckt war, leicht in jeder beliebigen
Quantität gegen Tabak und Silbergeld erstanden. Beim Tauschhandel schien
es hauptsächlich auf die Anzahl der Silberstücke anzukommen und wurde Silber-
Scheidemünze bedeutend bevorzugt.
Gutes Trinkwasser soll sich auf den Inseln vorfinden, konute jedoch
nicht aufgefunden werden.
5. Die Rhede von Sulu, von don Spaniern Joloo genannt, ist keines-
wegs der beste Ankerplatz auf der Insel. Die auf der Südseite von den Kauf-
fahrern mit Vorliebe besuchte Bucht, östlich von Maimbun®), bietet gegen den NE-
Monsun einen ungleich besseren Ankerplatz. Der Grund scheint auf der Nord-
seite voll blosliegender Korallen zu sein. Als der Anker den Boden erreichte,
ıhne dass das Schiff mehr Fahrt hatte, als zum Klarhalten des Ankers noth-
wendig war, trieb die Boje weg und es stellte sich heraus, dass das neue
Bojereep an der Stelle, wo der Anker den Grund berührte, von Korallen durch-
geschnitten war.
6. Die Insel Marinduque bietet eigentlich keine Ankerplätze, wie
überhaupt auf dem Wege zwischen Panay und Mindoro bis zur Bernardino-Strasse
für Schiffe von der Grösse S. M. S. „Elisabeth“ nach der Karte für den NE-
Monsun keine passenden Ankerplätze gefunden werden konnten. In der Strasse
zwischen Panay, Tablas und Mindoro erwartete ich cinen Nord—Süd setzenden
Strom, und fand zu meiner Ueberraschung cine Stromversetzung nach SW von
Li bis 1'/2 Seem. die Stunde. 8. M. S. „Elisabeth“ ankerte auf einer Stelle im
Süden der Insel Marinduque, wo auf der Karte 7 Faden (12.8 Met.) Wassertiefe
angegeben sind. Ich halte es jedoch für rathsam, da der Grund sehr schnell
auf 24.5, 32 und 43.3 Met, herabsinkt, diese Ankerstelle nur bei Windstille auf-
zusuchen.“
1) Zu näherer Erläuterung der oben im Text erwähnten Angaben des Commandanten S. M. S.
„Elisabeth“, Capt. z. See von Wickede, über den Kanal zwischen den Inseln Siassi und Lapac
bringen wir als Beilage zu diesem Hefte der „Annalen etc.“ eine Kartenskizze dieser und einiger
anderer zu derselben Zapul-Gruppe gehörenden Inseln, nach den uns zugegangenen Aufnahmen des
Capt. Schick, Führer des Schooners „Minna“, 1876, im Maassstabe von I: 175,000. A. d. R.
% Vgl. die Kartenskizze der Ehede von Maimbun, im Maassstabe von 1: 75,000, auf dem-
selben Blatte, wie die Skizze der Tapul-Gruppe. A.d,Rı