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1° Nord-Br. stellte sich‘ wieder leichter südwestlicher Wind ein, der einen
nördlichen Kurs ermöglichte. Am 2. December kam die NW-Spitze Sumatra’s
in Sicht, worauf mit leichten westlichen Winden in die Malacca-Strasse einge-
segelt und, nach Passiren derselben, die Rhede von Singapore nach einer Reise
von 116 Tagen erreicht wurde.
Nach Entlöschung der Ladung versegelte das Schiff in Ballast nach
Rangoon, welcher Platz nach 12 Tagen am 7. Januar 1877 erreicht wurde.
Mit einer Ladung. Reis wurde am 1. Februar 1877 die Rückreise nach
Hamburg angetreten. Leichte nordöstliche und nordwestliche Winde führten
das Schiff, zwischen den Nicobaren und Andamanen hindurch, nach Süden;
später ging der Wind nördlich und frischte auf, so dass am 14. Februar in
89.2° Ost-Lg. der Aequator geschnitten werden konnte, ohne in nördlicher
Breite Mallung angetroffen zu haben. Von 2° Süd-Br. bis 6.7° Süd-Br. wehten
leichte südöstliche Winde, dann trat Windstille und Zug aus westlicher Richtung
ein, bis in 11° Süd-Br. und 87° Ost-Lg. am 25. Februar der SE-Passat durch-
kam. Derselbe, anfangs noch sehr schwach, frischte in 16° Süd-Br. auf und
beschleunigte die Reise. In 33° Süd-Br. und 33.5° Ost-Lg. am 23. März wurde
der erste Westwind angetroffen, indessen war derselbe umlaufend und nicht
stürmisch, so dass schon am 29. März das Cap der guten Hoffnung in Sicht
kam, welches mit SE-Wind passirt wurde. Nachdem man mit einem reichlich
westlichen Kurs vom Lande abgesteuert hatte, ging der Wind nach SSW zurück,
wurde aber in 30° Süd-Br. am 1. April wieder südöstlich und blieb in dieser
Richtung stehen, bis der Aequator in 24.8° West-Lg. am 23, April und 3° Nord-Br,
in 26° West-Lg. erreicht war. Gleich darauf setzte der NE-Passat frisch ein,
so dass ohne Unterbrechung die Reise nach Norden fortgesetzt werden konnte.
In 29° Nord-Br. erreichte der NE-Wind sein Ende, ging dann nach SE und
später durch Süd nach West um. Mit frischer Brise wurde 30° Nord-Br. in
39.6° West-Lg. am 7. Mai und 40° Nord-Br. am 11, Mai in 335° West-Lg.
geschnitten, dann mit anhaltenden südwestlichen Winden dem Kanal zugesteuert
und dieser am 19. Mai nach einer Reise von 106 Tagen glücklich erreicht,
10. Reise der Danziger Bark „Libertas“, Capt. A. Todt,
Die Danziger Bark „Libertas“ befand sich am 27. September 1876, auf
einer Reise von Dublin nach dem Delaware-Fluss begriffen, in 49.3° Nord-Br.
and 8.5° West-Lg. Wegen vorherrschender südwestlicher Winde konnte
40° Nord-Br. erst am 10. October in 15.2° West-Lg. geschnitten werden, dann
traten häufiger nördliche Winde auf, so dass 30° Nord-Br. am 17. October in
20° West-Lg. erreicht wurde. Hier schien auch der NE-Passat zu beginnen,
jedoch wurde derselbe in der Folge noch öfter durch West- und SW-Winde
anterbrochen. Ueberhaupt scheint die nördliche Grenze des NE-Passats damals
sehr südlich gelegen zu haben, denn noch in 20° Nord-Br. fand Capt Krause vom
Schiff „Joe Rauers“ den Passat sehr unbeständig (3. pag.336), selbst in 17° Nord-Br.,
auf welcher Breite die „Martha“ zur selben Zeit nach Westen steuerte (s. pag. 336),
war der NE-Wind noch immer nicht recht frisch. Alle drei Schiffe hätten jedenfalls
besser gethan, noch weiter südlich zu gehen, selbst wenn sie bis nach 15° Nord-Br.
gekommen wären. Da die „Libertas“ auch noch ein ziemlich schlechter Segler
zu sein scheint, hätte der Capitain um so mehr erst einen stetigen Passat auf-
suchen müssen, ehe er begann nach Westen zu steuern. Statt dessen wurde,
trotzdem in 22°—23° Nord-Br. anhaltende Windstillen und fast ausschliesslich
westliche Winde angetroffen wurden, nicht weiter nach Süden gesteuert, vielmehr
mühte man sich mit geringem Erfolge ab, in dem nördlich des Passats liegenden
Stillengürtel die Länge aufzusegeln. Es ist daher leicht erklärlich, dass das
Schiff eine so ungewöhnlich lange Reise von 104 Tagen hatte, ob aber die am
Schluss des Journals vorgebrachten Klagen darüber unter diesen Umständen
gerechtfertigt sind, muss dahin gestellt bleiben.
Von 30° Nord-Br., welche die „Libertas“ wieder in 65.8s° West-Lg., der
Länge der Bermuda-Inseln, schnitt, gebrauchte das Schiff noch 26 Tage, um
den Delaware-Fluss zu erreichen, und scheint gerade aus diesem Theil der
Reise hervorzugehen, dass das Schiff nur sehr mittelmässige Segelfähigkeiten
besitzt, von denen sich befriedigende Reisen nicht erwarten lassen.