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sich günstige SW-Winde ein, die es ermöglichten, die Rhede von Winnebah am
14. Januar 1877 zu erreichen, freilich erst nach einer Reise von 69 Tagen.
Vom Gwinea-Strom wurden die ersten Anzeichen östlich von 10° West-Lg. ge-
funden; seine grösste Geschwindigkeit beobachtete man in etwa 4° Nord-Br.
und 6° West-Lg., wo dieselbe circa 1,5 Seem. die Stunde betrug.
Von der Winnebah - Rhede versegelte der Schooner nach Accra, wurde
dort beladen und trat am 2. März die Rückreise nach Bremen wieder an. Mit
leichten, vorherrschend südwestlichen Winden strebte der Capitain zunächst
nach Süden zu kommen, jedoch konnte erst am 15. März in 1.7° Ost-Lg. die
Linie erreicht werden; es waren mithin 13 Tage erforderlich, um diese Strecke
von 330 Seem. zurückzulegen. Als das Schiff südlich von 1° Süd-Br. gelangte,
wurde der Wind so südlich, dass von dort über Steuerbordbug nach Westen
gesegelt werden konnte, ohne an Breite. zu verlieren. In 1.8° Süd-Br. und
56° West-Lg. ging dann der südliche Wind in einen frischen SE-Passat über.
Auf dem zurückgelegten Theil der Reise wurde bis 1.5° Süd-Br. ein östlicher
Gegenstrom beobachtet, dann aber gelangte das Schiff in den Aequatorialstrom,
der es mit 1 Sceem. Geschwindigkeit die Stunde nach Westen setzte. Die süd-
lichste angesegelte Breite war 2.1° Süd-Br. in 14.8° West-Lg. am 26, März,
Darauf wurde am 31. März in 23.s° West-Lg. wieder der Aequator geschnitten,
am 2. April in 2.2° Nord-Br. der Stillengürtel, und am 7, April in 4.8° Nord-Br.
and 26.5° West-Lg. der NE-Passat erreicht. Mit diesem beim Winde steuernd
erreichte man 30.7° Nord-Br. in 38,8s° West-Lg., worauf für zwei Tage Wind-
stillen und dann anhaltend günstige Winde aus südwestlicher, später nordwest-
Richtung eintraten. Am 3. Mai kam die Insel Corvo in Sicht und am 14. Mai
wurde nach einer Reise von 72 Tagen der Kanal erreicht.
). Reise des Hamburger Schiffes „Melpomene‘, Capt. R. €. Molsen.
Das neue eiserne Hamburger Schiff „Melpomene“ scgelte am 21. August 1876
von Sunderland, um eine Reise nach Singapore anzutreten. Es erreichte am
24. August den Kanal und stand am 26. August Mittags in 49° Nord-Br. und
64° West-Lg., an welchem Tage mit der Führung des meteorologischen Jour-
nals begonnen wurde. .
Mit Winden, die vorherrschend aus nordwestlicher und nördlicher Rich-
tung wehten, hatte das Schiff raschen Fortgang nach Süden, schnitt 40° Nord-Br:
in 13.6° West-Lg. am 30. August und 30° Nord-Br. in 20.6° West-Lg. am
6. September. In 35° Nord-Br. begann am 2. September der NE-Passat zu
wehen und hielt ununterbrochen bis 13.7° Nord-Br. an, woselbst er in 25.6 West-Lg.
am 14. September sein Ende erreichte, Darauf traten Mallungen ein. Ein
regelmässiger SW-Monsun wurde südlich des NE-Passats nicht mehr angetroffen,
jedoch wehten ab und zu noch für kurze Zeit Westwinde, mit denen das Schiff
5° Nord-Br. in 20.6° West-Lg. erreichte und in den SE-Passat einlief. Nach SW
steuernd wurde die Linie am 28, September in 25.7° West-Lg. geschnitten. In
südlicher Breite wurde 10° in 31° West-Lg., 20° in 35° West-Lg. und 30° in
31.6° West-Lg. am 11. October erreicht. Schon in 24,8° Süd-Br. verlor das
Schiff den SE-Passat, dann herrschten bis 30° Süd-Br. schr veränderliche Winde,
bevor günstiger Westwind sich einstellte. Am 18. October wurde die Gough-
Insel gesehen und am 21. October der Meridian von Greenwich in 41.s° Süd-Br.
passirt. Zum Ablaufen der Länge wählte Capt. Molsen 44° Süd-Br. und fand
dort beständigen Westwind, der an einigen Tagen zwar stürmisch, jedoch nie
so schwer wurde, dass man nicht hätte den vollen Nutzen aus demselben ziehen
können. Beim Wiederaufsteuern nach Norden wurde 40° Süd-Br, am 9. No-
vember in 77° Ost-Lg., 30° Süd-Br. am 14. November in 90° Ost-Lg. und
20° Süd-Br. am 17. November in 90.3° Ost-Lg. gekreuzt. Die südliche Grenze
des SE-Passats wurde in 26° Süd-Br. angesegelt. Bei frischem Winde lief das
Schiff mit einer täglichen Fahrt von über 200 Sccm. rasch nach Norden und
hatte schon am 21. November in 5.2° Süd-Br. und 91.6° Ost-Lg. die nördliche
Grenze des Passats erreicht. Lcichte westliche Winde traten hier an seine
Stelle, bis eben südlich der Linie, welche am 26. November in 93° Ost-Lg.
geschnitten wurde, für mehrere Tage gänzliche Windstille eintrat. Der Strom
lief hier mit. einer Fahrt von über 1 Seem. die Stunde nach Westen. In etwa