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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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Tage das Schiff hinter dem Wellenbrecher des Delaware ankerte, aufgehalten, 
Die Dauer der ganzen Reise von der Weser betrug demnach 76 Tape. 
Als Gegenstück zu dieser so langen und beschwerlichen Reise mag 
hier die Reise der Oldenburger Bark „von Werder“, welche in den diesjährigen 
„Ann, d, Hydr.“, pag. 230, mitgetheilt ist, angeführt werden. Der „von Werder“ 
verliess am 13. October desselben Jahres, als der „Merkur“ sich bereits in 
14.7° Nord-Br. und 36.5° West-Lg. befand, die Klbe, schlug dann die Route 
durch den Kanal und längs der nördlichen Grenze des Golfstroms ein, und er- 
reichte Philadelphia schon am 17. November. Man sieht aus der Vergleichung, 
wie sehr verschieden oft auf diesen Reisen nach den Vereinigten Staaten in 
kurzen Zeiträumen die Witterungsverhältnisse sich gestalten; viel liegt aber 
auch in der gehörigen Ausnutzung günstiger Gelegenheit, wenn schnelle Reisen 
erzielt werden sollen. Zum Beispiel waren die obengenannten Schiffe am 9. No- 
vember nur etwa 40 Seem. von einander entfernt, beide hatten denselben Wind 
von süd- und südsüdöstlicher Richtung mit Stärke 7—8. Der „von Werder“ 
hatte am nächsten Tage 2 Grad West-Länge gut gemacht, während der „Merkur“ 
noch 4 Minuten nach Osten getrieben war, Durch diese energische Ausnutzung 
der günstigen Gelegenheit gewann der „von Werder“ nicht nur an jenem Tage 
einen so bedeutenden Vorsprung vor dem „Merkur“, sondern traf auch in der 
Folge günstige Winde an, von denen der „Merkır“ keinen Nutzen ziehen konnte, 
da sie dieses Schiff gar nicht erreichten. 
Auf erhaltene Ordre setzte der „Merkur“ am 5. December seine Reise 
fort, um nach Savannah zu versegeln. Auch auf dieser nur circa 600 Seem. 
langen Strecke gebrauchte das Schiff eine unverhältnissmässig lange Zeit. 
Schwere NW-Winde trieben das Schiff nach 31.7° Nord-Br. in 74.2° West-Lg. 
hinunter; erst in dieser Breite gelang es mit mässigeren, veränderlichen, oft 
östlichen Winden nach Westen aufzuarbeiten, und am 20. December den Auker- 
platz auf Zybee-Rhede zu erreichen, 
Am 14. April 1877 trat der „Merkur“, mit einer Ladung Baumwolle be- 
laden, die Heimreise nach Bremen an. An den ersten drei Tagen nacl dem 
Abgange wurden nordwestliche und nordöstliche Winde angetroffen, dann aber 
anhaltend südwestliche. Capt. de Haan steuerte anfangs, sich nahe am Süd- 
rande des Golfstroms haltend, längs der südlichen Grenze desselben nach Osten, 
70° West-Lg. wurde am 20. April in 32.7° Nord-Br., 60° West-Lg. am 23. April 
in 36° Nord-Br., und 50° West-Lg. am 27. April in 37.8° Nord-Br. geschnitten. 
Bis hierher hielt sich der Wind beständig südwestlich, dann aber folgten vor- 
herrschend nordwestliche, zuweilen auch Nordwinde. Am 8. und 9. Mai wehte 
oin heftiger Sturm aus WNW, mit dem das Schiff aber schnell vorwärts kam, 
und am 13. Mai nach 30tägiger Reise den Kanal erreichte. Am 18, Mai ankerte 
Jas Schiff dann in der Weser. 
8. Reise des Bremer Schiffes „Eintracht“, Capt. J. Bartels. 
Capt. Bartels, von der Bremer Schoonerbrigg „Kintracht“, beginnt das 
meteorologische Journal am 7. November 1876 in 48.7° Nord-Br. und 7° West-Lg. 
Mit veränderlichen, vorherrschend jedoch südwestlichen Winden von mässiger 
Stärke verfolgte das Schiff seine Reise, schnitt 40° Nord-Br. in 16.5° West-Lg. 
am 16. November, und 30° Nord-Br. in 17° West-Lg. am 27. Noveınber. Von 
hier drängten die noch anhaltenden westlichen Winde das Schiff zwischen die 
Canarischen Inseln, so dass erst östlich von Palma und Hierro nach Süden ge- 
steuert werden konnte. Am 3. December wurde dann in 24.6° Nord-Br. und 
17.6° West-Lg. die nördliche Grenze des Passates erreicht, mit dem 20° 
Nord-Br. am 6. December in 20° West-Lg., und 10° Nord-Br, in 20.5° West-Lg. 
am 11. December gekreuzt werden konnten, In 6.5° Nord-Br. und 19.3° West-Lg. 
am 14, December endete der NE-Passat und das Schiff trat in den Stillengürtel 
ein. Ebenso wie bei der oben angeführten Reise der „Aline“ war des Schiffes 
Fortgang von hier ab ein wenig erfreulicher, denn, durch die vielen Windstillen 
aufgehalten, gebrauchte die „Eintracht“ zur Zurücklegung der Strecke von dem 
zuletzt angeführten Schnittpunkt nach 4.7° Nord-Br. und 14.5° West-Lg., einer 
Distanz von etwa 310 Seem., 16 Tage, was eine stündliche Fahrt von durch- 
schnittlich 0.s Seem. ergiebt. Erst nach dem Passiren des Cap Palmas stellten
	        
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