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NE-Wind eintrat, der jetzt die Reise sehr verzögerte. Am 5. April wurde
40° Nord-Br. in 34,5° West-Lg. geschnitten, dann mit anfangs nordnordwest-
lichen und später südöstlichen Winden dem Kanale zugesteuert, und derselbe
am 14. April, nach einer Reise von 60 Tagen seit der Abreise vom Cameroon-
Flusse, erreicht,
4. Reise des Hamburger Schiffes „Fritz Reuter“, Capt. €. J. N. Peyn.
Das Hamburger eiserne Vollschiff „Fritz Reuter“ verliess am 17. August 1876
den Hafen von Wellington auf Neu-Seeland, um die Reise nach Callao anzutreten.
Während der ersten Tage wehte frischer NE-Wind, mit dem das Schiff, höhere
Breiten aufsuchend, nach SHE steuerte, Südlich von 47° Süd-Br. lief der Wind
durch Nord nach West.um, worauf östlicher gesteuert wurde, um die Länge
abzulaufen. Die westlichen Winde wehten jedoch in dieser Breite nicht mit
der gewünschten Stärke und Beständigkeit; in 47° Süd-Br. und 154° West-Lg.
wurde sogar ein 5 Tage anhaltender Ostwind angetroffen, der den Capitain
veranlasste, in noch höheren Breiten günstigere Winde aufzusuchen. Dieser
Zweck wurde jedoch nicht erreicht, denn selbst südlich von 48° Süd-Br. wurde
der westliche Wind nur spärlich und unbeständig angetroffen, dagegen stellten
sich häufig östliche Winde ein, die selbstverständlich das Schiff, trotz seiner
guten Segelfähigkeiten, an einer schnellen Reise hinderten. Am 14. September
wurde 100° West-Lg. in 45° Süd-Br. geschnitten. Es wehte an diesem Tage
ein Sturm von NW, der später nach WSW umlief, wobei das Barometer 749.8" "-
zeigte. 40° Süd-Br. wurde dann am 16. September in 92° West-Lg., 30° Süd-Br.
in 78° West-Lg. am 24. September, und 20° Süd-Br. in 77.4° West-Lg. am
28. Soptember gekreuzt. Den SE-Passat traf das Schiff in 27° Süd-Br. und
erreichte mit diesem, nach einer Reise von 47 Tagen, am 2. October die Rhede
von Callao.
Von diesem Hafen versegelte das Schiff nach der Rhede von Pabellon
de Pica, um eine Ladung Guano einzunehmen, die für Hamburg bestimrt war.
Am 20. December wurde die Rhede verlassen und mit dem an der Küste
herrschenden Südwinde nach Westen gesteuert. Allmählich, so wie die Ent-
fernung von der Küste grösser wurde, raumte der Wind. 30° Süd-Br. wurde
in 89.5° West-Lg. am 31. Dezember geschnitten, die westlichste Länge (94.6°)
innerhalb der Passatregion wurde am 4. Januar 1877 in 34.6° Süd-Br. ange-
laufen, woselbst der Passat auch zugleich aufhörte. Die Erwartung, jetzt
yünstige Westwinde anzutreffen, wurde abermals getäuscht, denn nachdem der
Westwind einen Tag geweht, trat wieder SE-Wind ein, der das Schiff noch
über 95° West-Lg. hinausbrachte. In 41° Süd-Br. endlich stellte sich nordwest-
licher Wind ein, mit dem dann der gerade Kurs nach Cap Horn gesteuert
wurde, welches am 20. Januar passirt wurde (vgl. Reise der „R. C. Wylie*
pag. 329 £.).
Im Atlantischen Ocean wurde 50° Süd-Br. in 51.4° West-Lg. am 25. Januar,
40° Süd-Br. in 35.5° West-Lg. am 31. Januar, und 30° Süd-Br. in 16° West-Lg.
erst am 12. Februar erreicht. Beständige Nordwinde hatten hier zwischen
35° und 30° Süd-Br. das Schiff so lange aufgehalten. Erst in 24° Süd-Br. und
11.5° West-Lg. erreichte das Schiff den SE-Passat, mit dem 20° Süd-Br,
in 13.6° West-Lg. und der Aequator am 4. März in 23.5s° West-Lg. passirt
wurde. Der Stillengürtel wurde zwischen 2.s° und 5.8° Nord-Br. angetroffen,
and gebrauchte der „Fritz Reuter“ fünf Tage zur Durchschneidung desselben.
Der Aequatorial-Strom wurde am stärksten eben nördlich der Linie gefunden,
östlicher Gegenstrom dagegen gar nicht beobachtet. Mit dem NE-Passat wurde
10° Nord-Br. am 15. März in 28.5° West-Lg., 20° Nord-Br. am 22. März in
35° West-Lg., und 30° Nord-Br. am 26. März in 36.s° West-Lg. geschnitten,
In 34.8° Nord-Br. und 40.5° West-Lg. am 1. April lief der Wind durch Ost
nach SE um und setzte während der folgenden Tage seine Drehung durch Süd
nach SW fort. Mit letzterem wurde am 7. April die Insel Corvo passirt, und
weiter dem Kanal zugesteuert, derselbe jedoch erst am 20. April erreicht, da
das Schiff noch in 49° Nord-Br. und 9° West-Lg. durch Ostwind wieder auf-
gehalten wurde. Am 30. April endlich, nach 131tägiger Reise, langte der
„Fritz Reuter“ auf der Elbe an.