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Gegend, aber dieser Ort des barometrischen Minimums ist nahezu an der-
selben Stelle, wo die höchste Temperatur der Luft und See vorkommt.
Der höchste Luftdruck 765.4” (30.134 e. Z.) ist noch fortdauernd in der
Nordwest-Ecke des Gebietes und hat seit Mai etwas zugenommen, aber die
[sobare von 30.ors e. Z. oder 763.9” zeigt sich jetzt in der Südost-Ecke des
Gebietes, Der mittlere Luftdruck des ganzen Gebietes hat seit Mai sehr be-
deutend zugenommen, hauptsächlich zwischen 0° und 10° Süd-Br., wo die
Zunahme 1.33” oder O.oss €. Z. beträgt; zwischen 0° und 10° Nord-Br. ist sie
O.76 Z O.oso e. Z. und zwischen 10° und 20° Nord-Br. nur 0.32" oder
Q.o1s 6. Zu!
Temperatur. Die niedrigsten Temperaturen der Luft und des Meeres
(bezw. 21.4«° und 20.7° C. oder 69.9° und 69.2° F.) sind noch immer in der
Nordost-Ecke des Gebietes, obgleich sie beide höher sind, als im Mai; auch
die höchsten Temperaturen (bezw. 28,5° und 27.7° C. oder 83.3s° und 81.9° F.)
treten, wie im Mai, an der Ostseite des Gebietes auf. An der Westseite zeigt
zich eben die Meeres-Isotherme von 27.2° C. oder 81° F,
Der Temperaturunterschied bei der Südwest-Küste von Nord-Afrika tritt
nicht so deutlich hervor, wie in den früheren Monaten; aber die niedrige
Temperatur sowohl der Luft als des Meeres, welche sich schon im Mai nahe
bei dem Aequator zeigte, ist noch bemerkbarer geworden: die Temperatur der
Oberfläche des Meeres ist bis zu 28.3° C. oder 74° F. herabgesunken. Die
[sothermen bilden längs des Aequators Schleifen in der Richtung, nach welcher
der starke Aequatorial- (Passat-) Strom setzt. Während die Tendenz des kalten
Wassers, längs der Westküste von Nord-Afrika nach Süden zu setzen, in dem
Sommer der nördlichen Halbkugel abnimmt, wächst in dem Winter der südlichen
Halbkugel das Bestreben des kalten Wassers, nordwärts längs der Westküste
von Süd-Afrika zu setzen; dieses Wasser scheint durch die eigenthümliche
Gestaltung des Festlandes bei dem Golf von Guinea und durch die östlichere
Richtung des Südost-Passates, in Verbindung mit dem Zusammentreffen der
Triften der beiden Passate, längs des Aequators nach Westen hin abgelenkt zu
werden und so den starken Passatstrom dieser Jahreszeit zu bilden.
Nordost-Passat. Die Richtung des Nordost-Passates geht, ähnlich wie im
Mai, nahe der Küste von Afrika in einen nordwestlichen Wind über. Seine
Stärke hat zwischen 16° und 20° Nord-Br. zugenommen, aber südlich von
16° Nord-Br. abgenommen. Er ist im Ganzen um 2 Grad nach Norden zurück-
yewichen, in einigen Theilen des Gebietes sogar um 4 Grad. In dem 10°-F. 40
treten mehr Böen auf als im 10°-$. 39.
Südost- Passat. Der Südost - Passat herrscht bis 6° Nord-Br. vor, mit
Ausnahme an der äussersten westlichen Seite des Gebietes; an der Ostseite
herrschen südwestliche Winde bis 8° Nord-Br. und zwischen 15° und 20° West-Lg.
sogar bis zu 10° Nord-Br. Die Stärke des Südost-Passates hat seit Mai be-
deutend zugenommen,
Strömungen. Die vorherrschenden Strömungen sind im Allgemeinen noch
immer westliche; nahe bei der Küste von Afrika wurden sie südwestlich, süd-
lich bis südöstlich, Zwischen 4° und 8° Nord-Br., in einer Zone, welche sich
von der Ostseite des Gebietes (wo die Strömung sich nach NE hinneigt) bis
30° West-Lg. erstreckt, sind die Strömungen östlich. Die westliche Strömung
hat seit Mai im Ganzen an Stärke zugenommen, besonders der äquatoriale
Passatstrom, welcher zwischen dem Aequator und 9° Nord-Br. sehr mächtig ist.
Die östliche Strömung ist ebenfalls seit Mai stärker geworden. Dies
kann vielleicht durch die Thatsache erklärt werden, dass in diesem Monat der
NE-Passat sich weiter nach Norden hin erstreckt, als im Winter, und mehr
Wasser von Afrika hinwegdrängt, während andererseits im Norden weniger
westliche Stürme auftreten, weshalb auch weniger Wasser gegen die Küste hin-
getrieben wird. Die hierdurch verursachte geringere Wassermenge wird anderer-
seits wieder durch den stärkeren östlichen Strom nahe bei dem Aequator wieder
es der Küste zu, so dass die offene See nicht erreicht werden konnte.“ Dieses Schiff schnitt am
18. Mai Mittags in 26° 18‘ West-Lg. den Acquator, und war am 28. Mai Mittags erst in 10° 28’
Süd-Br und 35° 38‘ West-Lg. Der Wind war sehr südlich und das Wetter zuweilen böig und
regnig“ (s. „Remarks etc“, pag. 379). A. d. Rı
1) Vgl. „Ann, d. Hydr.“, 1876, pag, 379.