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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

DS 
durchführbar und wird selbst bei ungenügender Weise schr theuer und gefähr- 
lich. Abgesehen hiervon, ist der Ton der Kanone cin zu momentaner, um bei 
Sturm und Toben der See sich leicht kenntlich zu machen, und es lässt sich 
eine gewöhnliche Kanone in der Regelmässigkeit, welche gefordert werden muss, 
und von der meist nur aus einem Mann bestehenden Bedienungsmannschaft er- 
fahrungsmässig nicht rascher als alle 15 Minuten einmal abfeuern. So grosse 
Zeitintervalle bei so kurzen Tonsignalen genügen aber nicht. Eine Minute sollte 
als Maximum nicht überschritten werden. Ausserdem haben die Geschütze nicht, 
wenigstens nicht unter allen Verhältnissen, die Weithörbarkeit, welche man 
voraussetzt. Starker Gegenwind beschränkt dieselbe und Windstösse erdrücken 
den momentan sich entwickelnden Ton oft in der Richtung des Rohrs. Aber 
trotz dieser Uebelstände ist die Kanone, und zwar 18-Pfünder mit 3 Pfd. Pulver- 
ladung, an einzelnen sehr gefährlichen und wichtigen Punkten der englischen 
und irischen Küsten als Nebelsignal eingeführt worden; auch ein Punkt in 
Deutschland, Hülk an der Mündung der Kieler Bucht, war damit ausgerüstet. 
Amerika hat dagegen Kanonen ganz verworfen, nachdem 1856 eine solche au 
der Bucht von St. Franeisco versucht worden war. Nach den neuesten Ver- 
suchen und Erhebungen in England will man aber die Kanone nicht ganz ver- 
werfen. Die Folge der Detonationen soll durch eine drehbare Patronenkammer 
von mindestens 5 Ladungen abgekürzt werden, so dass je 5 Signale sich in 
kürzeren Zeitintervallen folgen, und die Tragfähigkeit, besonders gegen den 
Wind, soll durch parabolische Mundstücke vor der Mündung des Rohrs erhöht 
werden. Die im Februar und März 1875 in der letzteren Richtung angestellten 
Versuche haben keine ungünstigen Resultate ergeben. Dagegen haben die Ge- 
schütze bei den weiter unten genauer zu besprechenden Versuchen mit verschie- 
denen Nebolsignalen zu South Foreland bei Dover, 1873/74, gegenüber den 
neuesten und besten anderen Tonsignalen sich nicht als überlegen erwiesen, 
wenigstens nur in einzelnen Fällen, Es wurden dort neben dem schon erwähnten 
18-Pfünder die 5'/2-zöllige Haubitze und der 13-zöllige Mörser erprobt, alle drei 
mit 3 Pfd. Ladung. Vou diesen hat die Haubitze sich entschieden als die beste 
für Tonsignale bewiesen. 
Aber einer anderen ecigenthümlichen Wirkung der Geschütze mag gleich 
hier Erwähnung geschehen, Bei den Erhebungen, betreffend die Nützlichkeit 
der an der irischen Küste aufgestellten Nebel-Kanonen, ist von verschiedenen 
Capitainen constatirt worden, dass bei dichtem Nebel, welcher die stärksten 
Leuchtfeuer unsichtbar gemacht, der Blitz des Geschützes noch einen eigenthüm- 
lichen Lichtschein im Nebel erzeuge, welcher die Richtung der Station genau 
markire. Dieser Lichtreflex soll sich im Nebel zeigen, selbst wenn der Ton 
der Kanone unhörbar ist. Die Kanone träte also, wenn sich dies bestätigt, 
wieder als Lichtsignal auf, und zwar in einer Wirkung, welcher der der offenen 
Feuer der alten Leuchtfeuer-Stätten zu vergleichen wäre. Ist dies wirklich der 
Fall und dieser Lichteffect von so guter Wirkung, so würde sich derselbe 
wahrscheinlich in grösserem Maasse auch ohne das Geschütz, durch die directe 
Entzündung explodirender Körper erzielen lassen, 
Diesen ungenügenden Resultaten gegenüber gebührt den Vereinigten 
Staaten von Nordamerika das Verdienst, weiter vorgegangen zu sein und kräf- 
tigere, ciner weiteren Entwickelung fähige Apparate erfunden und angewandt 
zu haben. Freilich trat dort eine zwingende Nothwendigkeit ein. Die Dampf- 
schifffahrt hat sich dort rascher als in Europa entwickelt; unzählige Küsten- 
und Localdampfer durchkreuzen die Buchten und Binnenseen und fahren mit 
einer übertriebenen Geschwindigkeit, nur bestrebt, stets und unter allen Um- 
ständen die auf ein Minimum festgesetzte Fahrzeit einzuhalten. Dies Streben 
musste bei den an den nördlichen Küsten des Atlantischen wie des Stillen Oceans 
periodisch herrschenden langen und dichten Nebeln') zu zahlreichen, sich stets 
) An den Küsten um und nördlich von New-York herrschen im Jahre 800 Stunden Nebel, 
weiche die Thätigkeit der Stationen verlangen und sich meist auf die eine Jahreshälfte, die Sommer- 
nonate, concentriren, Dass einzelne Stationen 24, selbst bis 44 Stunden hinter einander thätig sein 
müssen, soll öfter vorkommen; die längste Arbeitszeit hat im Juli 1870 auf der Insel Sandy Hook 
stattgefunden mit 240 Stunden In England wurden 50 bis 70 Tage Nebel gerechnet, Die Nebel- 
Kanone zu Lurdy feuerte 1873 in 509 Stunden Nebel 2065 Mal; die folgende Tabelle zeigt, dass
	        
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