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überdies war die gewöhnliche Wolkenform cine andere geworden und die Brise
anregelmässig; der Capitain hoffte aber noch vor Einbruch der Nacht St. Thomas
zu erreichen. Um 4 Uhr Nachmittags am 12. September, als das Schiff südlich
von Tortola war, brach plötzlich eine nachtähnliche Dunkelheit ein und man
verspürte die ersten Windstösse aus NE, welche die See hoch aufthürmten.
Gegen 10 Uhr Abends trat ein Moment der Windstille ein und man erblickte
St. Croix unter dem Winde in einer auf ca. 1 Seem. geschätzten Entfernung,
Der Capitain entschied sich St, Croix luvwärts zu umsteuern, liess aus
diesem Grunde beide Marssegel, gereffte Untersegel, Vorstagsegel und das
Schoothorn des Besahn setzen und war in Gefahr die Masten zu verlieren; es
mussten jedoch Segel gepresst werden, da man sonst nicht von St. Croix frei
kam. In dem Augenblick, als das Schiff ungefähr 1000 Met. querab von der
Ostspitze war, kam eine Bö durch und alle vorhin gesetzten und ein Theil der
festen Segel gingen verloren. Darauf wurde über Backbord - Halsen, vor
Topp und Takel, beigedreht. Um Mitternacht sprang der Wind auf SW und
die „Bretagne“ hatte in der Position, wo sie sich befand, die ganze Kraft des
Orkans auszuhalten. Am 13. September um 2 Uhr Morgens waren die Regen-
böen weniger stark und die See weniger hoch; das Barometer, welches bis auf
722" gefallen war, begann zu steigen. Es wurde das Schiff wieder über
Steuerbord-Halsen gelegt; der Wind war SE, Um 4* 30» wurde NNE-Kurs
gesteuert, unter einem neuen Vorstagsegel, festem Grosssegel und dem Gross-
atagsegel. Um 11* erblickte man im Nebel den Felsen le Frangais und um
12b 30=in. Mittags ankerte man in dem Hafen von St. Thomas. Das Schiff
machte kein Wasser und hatte nur unbedeutende Havarie in der Takellage,
Meteorologische Beobachtungen an Bord des Schiffes „La Bretagne“.
Datum,
Septbr. 12]
19}
Zeit.
4h
p. m.
Ghp.m.
10h p. m. |
|
13]
Mitternacht
{312h 20min. a, m.
|3]2h 40min. a, m
18/4h 30min. a m.
Stand des
Baromet,
in mm.
764.
755
740
722
(30
(50
150
Wind und Bemerkungen
Der Himmel war mit grossen, von NE aufsteigenden Wolken
bedeckt; starke Böen aus NE.
Die Böen nahmen mehr und mehr an Stärke zu. Blitze über
den ganzen Horizont, Das Barometer schwankte sehr stark,
Sehr heftige Windstösse; starke Regengüsse; hoher Seegang;
zuweilen von Windstillen unterbrochen.
Der Himmel hatte im SW das drohendste Aussehen. Wirbel-
winde aus SW; immer stärkerer Regen; gewaltig hoher
Seegang; das Barometer schwankte bis 2% Morgens unge-
mein stark.
Die Böen waren weniger heftig und der Seegang liess nach.
Wind SE. Die Regenbüen nahmen sowohl an Stärke als an
Häufigkeit ab.
Das französische Schiff „La Marie B.“ hat auf der Route von Martinique
nach St. Thomas nichts von dem Orkan verspürt. Am 12. September segelte
Jas Schiff von Martinique ab und hatte am 13, September schönes Wetter und
leichte Brise; es befand sich am 14, September Mittags schon 20 Seem. west-
lich von Saba mit frischer östlicher Brise,
Das Schiff „Arno“ von der Royal Mail berichtet: „Das schlechte Wetter
fing auf der Rhede von St. Jean am 13. (soll wohl heissen 12.) September
gegen 5 Uhr Abends an, so dass der Capitain beschloss zu St. Jean vor Anker
zu bleiben, obgleich das Barometer noch 763.2" zeigte; selbst um Mitternacht,
als schon heftige Regenschauer sich ergossen, zeigte das Barometer noch keine
Annäherung eines Orkans an. Aber einige Zeit darauf drehte der Wind von
NzE nach NE und das Barometer fiel schnell und bedeutend; um 4 Uhr des
Morgens am 13. September frischte der Wind auf und wehte um 6 Uhr schon
heftig in Stössen. Das Barometer fiel rasch bis um 9 Uhr, zu welcher Zeit
ein heftiger Orkan wehte; zur Zeit seiner grössten Stärke war seine Richtung
aus ENE und das Barometer zeigte 746.7”", Kurze Zeit darauf fing der Wind
an, sich nach Süd zu drehen und schwächer zu werden; das Barometer stieg
schnell und das Wetter besserte sich.“