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nur kurze Zeit anhaltende Regeuschauer herniederfallen. Diese als Passat dieser
Gegenden bekannte Luftströmung scheint nicht über 610 Met. (2000 engl. Fuss)
hinauf zu reichen.
Zunächst über dieser Luftströmung weht Südwest-Wind, welcher selten
fehlt; er führt leichte Cirri-Wolken, aber selten Cumuli oder andere Anzeichen
von Regen mit sich, da er seinen Ueberschuss an Dampfgehalt wahrscheinlich
bei seinem Fortschreiten über die Gebirge des Südamerikanischen Continents
verloren hat. Sehr selten steigt dieser Südwest- Wind niedrig genug herab, um
an oder nahe bei der Oberfläche seinen Einfluss auszuüben. Dies ist in der
Regel nur in den Sommer- und Herbstmonaten der Fall; der Wind wird als-
dann nach Süden hin abgelenkt und die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt: es
zeigen sich alsdann schwere Regenwolken mit elektrischen Entladungen.
Die höchsten Luftströmungen sind die Westwinde, welche sich durch sehr
dünne Cirri-Wolken bemerklich machen, die sich rasch bilden und ebenso
rasch wieder verschwiuden.
Diese drei Winde wehen fast ununterbrochen von November bis ein-
schliesslich Juni; nur in den drei Wintermonaten herrschen zuweilen einige
wenige Tage hindurch und auch nur dicht an der Oberfläche nördliche Winde
vor, Die Winde aus Nord und NNE führen grosse Trockenheit mit sich; nur
in dem sehr seltenen, aber auch sehr erwünschten Falle, dass zu dieser Winters-
zeit ein südlicher Luftstrom auftritt, findet reichlicher Niederschlag statt.
In den Monaten August, September und October und öfters auch in der
letzten Hälfte des Juli verliert die polare oder nordöstliche Luftströmung au
Stärke und wird durch südliche Winde neutralisirt oder gar überwunden. Diese
Winde sind während der Sommermonate gewöhnlich leicht und von klarer Luft
und heiterem Himmel begleitet; sobald aber der NE-Wind für eine kurze Zeit
wieder, die Oberherrschaft gewinnt und den Südwind zurückdrängt, bilden sich
schwere Wolkenmassen, und heftige Regenschauer, die 3 oder 4 Stunden an-
halten, stürzen mit starkem Winde und unter Donner und Blitz hernieder; hier-
auf dreht aber der Wind sofort wieder nach SE und Süd herum und der
Himmel wird wieder heiter, Zuweilen treten diese heftigen Lufibewegungen zu
St. Thomas als Orkane oder Cyklonen auf; doch gehören diese im Ganzen für
St. Thomas zu den seltenen Erscheinungen; in diesem Jahrhundert haben nur
4 Orkane St. Thomas heimgesucht, nämlich in den Jahren 1819, 1837, 1867
und 1871.?)
Während der Wintermonate wehen zuweilen heftige sturmartige Winde,
aber nur aus den Richtungen Nord und NE; sie sind von niedriger Temperatur,
wolkigem Himmel und etwas Regen begleitet.
Während der Winter- und Frühlings-Monate treten in St. Thomas zu-
weilen die als „white squalls“ bezeichneten heftigen Windstösse auf, und zwar
an sonst windstillen Tagen, meist um die Mittagszeit und in geringer Entfernung
von der Küste; ihr Gebiet ist sehr beschränkt und die Dauer derselben beträgt
uur einige Minuten. Sie sind Cyklone „en miniature“ und werden von der
Mannschaft kleinerer Schiffe sehr gefürchtet. Ein geringes Fallen des Baro-
meters ist das einzige warnende Anzeichen des Auftretens eines solchen plötz-
lich mit grosser Heftigkeit wehenden Windstosses.“
Regenfall. Für St. Thomas ist die Menge und Häufigkeit des Nieder-
schlages eine sehr wichtige Sache nicht nur wegen der Versorgung mit Trink-
wasser, sondern auch wegen des Anbaucs von Obst und Gemüse, da St. Thomas
sehr wasserarm ist und ausser dem in Cisternen gesammelten Regenwasser fast
kein anderes Wasser aus Quellen oder Brunnen besitzt (vgl. West-Ind. Pilot,
Part, II, pag. 149) und in der Beschaffung des nöthigen Wassers zum grossen
Theil von der Nachbarschaft abhängig ist.
In der „St. Thomas Times“ vom 15. November 1873 ist nach dem offi-
ziellen Bericht über die Wasserversorgungsfrage eine über 10 Jahre (vom
1. Januar 1863 bis 31. December 1872) sich erstreckende Tabelle über den
Regenfall zu St. Thomas publicirt, aus welcher wir nachstehende übersichtliche
Angaben zusammengefasst haben.
!) Ueber den Orkan am 21. August 1871 vgl. Hydr. Mitth. 1874 pag. 29. Am 18. Sep-
tember 1876 wehte zwischen SS, Thomas und St, Croix ein heftiger Orkan, über welchen weiter
unter pay. 299 berichtet ist. A _ d R.