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NE-Passat auf, worauf für mehrere Tage Windstille eintrat. 30° Nord-Br. wurde
in 32.2° West-Lg. am 3. März erreicht, und 40° Nord-Br. in 37.3° West-Lg. am
10. März. Die Windverhältnisse waren hier ausserordentlich ungünstig, da fast
ununterbrochen NE-Winde wehten, die das Schiff nach NW drängten.
Die Bremer Bark „Anna“, von New- York kommend (s. pag. 262), gewann
hier gegen die „Melusine“, und näherte sich ihr von Westen her rasch, da
weiter westlich die Gelegenheit günstiger war, uach Osten zu gelangen. 20°
West-Lg. wurde von der „Melusine“ am 23, März in 46.5° Nord-Br. geschnitten,
und am 24. März hatten beide Schiffe von demselben schweren NW-Sturm zu
leiden, wobei die „Anna“, welche sich am 9. März volle 22° weiter nach West
und nur etwa 1° nördlicher als ihr Mitsegler befand, am Mittag dieses Tages in
derselben Breite, aber fast 2° östlicher stand, als die „Melusine“, Letztere,
welche ebenso wie die „Anna“ vor der Gewalt des orkanartigen Sturmes bei-
drehen musste, giebt als geringsten Luftdruck um 4 Uhr Nachmittags — der-
selben Zeit, zu welcher die „Anna“ den niedrigsten Barometerstand 727.9"
notirt (s. pag. 262) — 739.3” an. Am 25. März veränderte der Wind von Nord
nach West, so dass am‘ 28, März Falmouth errcicht werden konnte, nach einer
Reise von 107 Tagen von der Sunda-Strasse. Die durchlaufene Distanz betrug
rund 12400 Secm., woraus sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,s Scem.
die Stunde ergiebt,
4. Reise der Eleflether Brigg „Thetis“, Capt. C. E. v. Recken,
Die Elsflether Brigg „ 7hetis“, Capt. C. E. v. Roeeken, verliess aın 6. October
1876 mit frischem Südwind den Kanal; jedoch schon am. nächsten Tage lief der
Wind nach SW um, von woher es am 9. October heftig stürmte. Der Wind
hielt sich auch in der Folge meistens im südlichen und südwestlichen Quadranten;
es fiel daher schwer, nach Süden zu gelangen. Am 14. October sprang der Wind
von SW nach NW und Nord um, so dass nun die Reise besser gefördert werden
konnte. 30° Nord-Br. wurde am 21, October in 17.7° West-Lg. geschnitten,
aber erst in 19.2° Nord-Br. und 24.3° West-Lig. am 1. November, demselben
Tage, an welchem die Insel San Antonio in Sicht kam, der Passat angetroffen.
Zwischen 30° und 20° Nord-Br. fand man höchst unbeständige Winde aus süd-
östlicher und südwestlicher Richtung, aber keine Spur des Passates. In Lee
der Cap Verde’schen Inseln wurde der eben erst erfasste Passat wieder für
einige Zeit durch Mallung bei bedeckter Luft unterbrochen. Bereits am 7. No-
vember in 9.4° Nord-Br. und 25,8s° West-Lg. hörte der NE-Passat auf, worauf
Mallung und veränderliche Winde eintraten. Am 11. November in 7° Nord-Br.
wurde die nördliche Grenze des SE-Passates gefunden, und am 16. November in
32.4° West-Lg., nach einer Reise von 41 Tagen vom Kanal, die Linie geschnitten.
Gegen das Mittel der Octoberreisen, welche sich im Besitze der Seewarte
befinden, stellt sich diese Reisedauer um 9 Tage zu lange, jedoch muss berück-
sichtigt werden, dass das Schiff ganz besonders ungünstige Gelegenheit antraf,
bevor es den Passat erreichte.
In 7° Nord-Br. wurde eine nordöstliche Strömung beobachtet, doch war
dieselbe von keiner bedeutenden Stärke. Den Aequatorial- Strom fand
man eben südlich der Linie am stärksten, etwa 24—30 Seem. im Etmale nach
West setzend. Trotz des sehr westlichen Schnittpunktes der Linie konnte die
Küste von Brasilien doch mit leichter Mühe freigesegelt werden, denn der Wind
erlaubte, fast vom Aequator an, einen südlichen, ja sogar südöstlichen Kurs zu
steuern. In 123° Süd-Br. und 34° West-Lg. lief der Wind nach NE um, und
blieb so, bis es in 21.s° Süd-Br. und 39.s° West-Lg. am 29. November ganz
still wurde. Am 30, November wurde dann Cap Frio gesichtet und am folgen-
len Tage ankerte das Schiff in der Bai von Rzo de Janeiro, 62 Tage nach dem
Verlassen der Elbe.
Mit einer Ladung Kaffe verliess (apt. v. Reeken am 15. Januar 1877
Rio wieder, nach Falmouth hestimmt. Mit nordöstlichem Winde nach SE vom
Lande abliegend, war am 19. Januar 26.5° Süd-Br. und 38.;° West-Lg. erreicht,
als der Wind nach Ost umlief und einen NNE-Kurs ermöglichte. In 23.7° Süd-Br.
und 37.7° West-Lg, setzte wieder NE-Wind ein, mit dem abermals nach SE ge-