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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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nm Mitternacht ist bei der „ Volage“ der Wind Nord gewesen (s.a. a. O0. pag. 166) 
während das Centrum schon 24 Stunden vorher in ihrer Nähe war; und da 
nach den Beobachtungen der „ Volage“ der Wind über Ost und nicht über West 
gegangen ist, so ist dies mit einem südöstlich sich fortbewegenden Centrum 
durchaus nicht in Verbindung zu bringen. 
Betrachten wir noch den dritten möglichen Fall nach der alten Annahme 
von einem stationären Orkan.”) Ein solcher müsste nun ungefähr Ost von 
meiner Position auf dem „Kduard“ vom 8. März sich befunden haben, wenn 
die Windrichtungen vom 7, und 8, März einigermaassen stimmen sollen; näher als 
150 Seem. kann das Centrum der Cyelone dem „ Eduard“ nicht gekommen sein, 
denn das Barometer liess keine grössere Annäherung erkennen. Wie ist aber 
dann sein sehr rasches Nähern an die „ Volage“ vom Mittag den 8. März bis 
Mitternacht möglich und wie sollen wir uns dann die am 10. März auf beiden 
Schiffen gefundene nördliche Windrichtung erklären, wenn der Orkan zwischen 
ihnen sich befunden hatte? — Also alles dieses stimmt nicht. — 
Werfen wir jetzt einen Blick auf die hier beigefügte Karte, so finden 
wir, nachdem wir die alte Regel von 8 Strich (nach der Kreistheorie) ver- 
worfen und die neuere Regel von 10 und mehr Strich (nach der Spiral- 
theorie) angenommen haben,*) alle Unregelmässigkeiten und Widersprüche 
verschwunden, 
Eine Zeichnung der spiralförmigen Bewegung der Lufttheile nach dem 
Centrum überzeugt uns sofort, dass der Winkel, den der Wind mit der Rich- 
tung des Centrums bildet, anfangs ein sehr stumpfer, dann aber dicht am 
Centrum einem Rechten sehr ähnlich soin muss. 
Dass das Centrum eines Orkans stets einen sehr niedrigen Luftdruck 
hat, wissen wir, ebenso dass die Luft, als ein überaus leichter und flüssiger 
Körper, von aussen her das Bestreben hat, dieses Barometer-Minimum auszu- 
gleichen und daher nach dem Centrum hinströmt, aber in Folge der Axen- 
drehung der Erde und des nach den Polen hin abnehmenden Umfanges der 
Parallelkreise durch Verschleppung oder Vorauseilung aus ihrer directen Bahn 
verschoben wird und auf Nord-Breite rechts, auf Süd-Breite links vom Ziel 
ankömmt. 
Dass im Centrum Windstille stattfindet, ist leider oft mit Verlust von 
Gütern und Menschenleben constatirt worden. 
Die colossalen Kräfte ausserhalb müssen sich gegenseitig das Gleichge- 
wicht halten. Wo aber bleibt die ungeheure‘ Luftmasse, die von aussen zu- 
strömt? Wir haben nur cine Antwort dafür: sie muss oben hinaus, dem in 
das Meer oder in den Erdboden kann sie nicht hineindringen, auch hat die zu- 
strömende Luftmasse von vornherein das Bestreben, in Folge der Centrifugal- 
kraft, nicht um die Kugel als um einen Bogen, sondern geradeaus, also von der 
Kugel weg, sich fortzubewegen und weil alle Lufttheile rund um das Cen- 
trum denselben Gesetzen huldigen und von hinten mit neuverstärkter Macht 
nachgeschoben werden, so beginnt ein Treiben und Jagen um das Centrum, 
und zwar, je näher demselben, um so schneller, dass sie zuletzt in spiralförmigen 
Ringen nach oben entweichen müssen, und das Centrum oder das Barometer- 
Minimum, das Ziel aller, von den äussersten, 600 bis 700 Seem. bis auf die 
vielleicht nur 5 Seem. vom Centrum entfernten Lufttheilchen ist nicht erreicht, 
Dass an der äussersten Grenze der Cyclone die Luft in einem gestreckten 
oder in einem Winkel von 14 Str. einströmt, und dass der Winkel, je näher 
man dem Centrum ist, sich mehr dem Rechten nähert, dafür liefern die beobach- 
teten Orkane den besten Beweis; ob dieses Abnehmen der Winkelgrössen stets 
in regelmässiger Proportion geschieht, will ich nicht zu, behaupten wagen, denn 
Umfänge und Stärke der Orkane sind zu verschieden, und dann ist hierbei auch 
noch in Betracht zu zichen, ob und wo die Orkane auf ihrem Wege Land 
antreffen. 
)) S. Findlay, Sail, Dir. f. the Indian Ocean. 3, Edit, 1876, pag. 75. 
2) Vgl. Ann. d. Hydr. 1876, pag. 420.
	        
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