RR
1) Weil es das billigste Material ist.
» Weil es heller brennt als jedes andere.
3) Weil es bei guter Behandlung der Lampe die Gläser nicht anschwärzt
und nicht, wie die Oellampen, ein so häufiges Putzen der Dochte erfordert.
4) Weil Oel nicht überall in gleicher Güte zu haben ist und die Mängel
des Oels als Brennmaterial, wenn nicht von allerbester Qualität, sich noch
beträchtlich steigern.
Die Anwendung von Cylindern, wie solche bei den älteren Lampen der
H. A. P, A.G. vorhanden sind, ist nicht zulässig, da Petroleum bei gut construirten
Lampen auch ohne Cylinder brennt. Bei den Versuchen in Glückstadt ging eine
Petroleumlampe, trotz mehrfach willkürlich verursachter Erschütterungen, niemals
aus und brannte in jedem Winde und Wetter. Das Commissions - Mitglied
Herr Capt. Taube constatirt ausserdem, dass er bei seinen 19jährigen Fahrten
als Capitain auf Dampfern, so lange Petroleum in Gebrauch sei, dasselbe
ausschliesslich angewandt habe und dass ihm selten durch äussere Einflüsse,
eine Petroleumlampe, wenn gehörig besorgt, ausgegangen sei, natürlich muss
als erste Bedingung hingestellt werden, nur möglichst naphthafreies Petroleum
als Brennmaterial zu brauchen, wie solches ja auch meist zum Brennen ver-
wandt wird. Kerzen geben zwar, wenn hinter geschliffenen farblosen Linsen
mit vorgeschobenen gefärbten Gläsern, ein schönes Licht, und bieten der Rein-
lichkeit und leichten Besorgung wegen manche Vorzüge, doch ist anderer-
3eits in Betracht zu ziehen, dass bei stark übergeneigtem Schiffe eine Abnahme
der Helligkeit stattfindet, dass bei kürzer werdender Kerze der Druck der
Federn schwächer wird und die Kerze dadurch leicht weniger hell brennt, dass
ferner bei starker Kälte, wie in Glückstadt, beobachtet wurde, ebenfalls leicht
ein schwächeres Brennen eintritt, und dass endlich der verhältnissmässig hohe
Preis sie von allgemeiner Einführung ausschliesst. Da die Lichtquelle schwächer
ist, so erscheint es bei Anwendung von Kerzen nothwendig, ein gefärbtes dünnes
(las hinter eine geschliffene Linse zu setzen. Die Commission kann auch des-
halb Kerzen zur allgemeinen Einführung nicht empfehlen.
Verbieten irgend welche Umstände, Petroleum als Brennmaterial zu
brauchen, und sollen Oellampen zur Anwendung kommen, so ist es durchaus
nothwendig, da die Lichtquelle selbst soviel geringer ist als bei Petroleum, die
Laternen mit geschliffenen farblosen Linsen und hinten vorgeschobenen ge-
färbten Gläsern zu versehen. Ausserdem muss der Brenner mindestens eine
Breite von 40 Millimeter haben und Brennmaterial und Reflector von vorzüg-
lichster Qualität sein, wenn die Laternen den gesetzlichen Anforderungen ent-
sprechen sollen.
5. Lampe und Grösse des Dochtes. Eine einfache Petroleumlampe mit
Aufsatz und Vorrichtung, um ohne Cylinder zu brennen, würde allen Anfor-
derungen genügen. Die Entfernung der Flamme vom Petroleum, d. h. die
Länge des Aufsatzes, muss nicht zu klein, nicht unter 3 Centimenter sein, um
einer zu grossen Erhitzung des Petroleums vorzubeugen und das Flackern der
Flammen beim Schütteln der Lampe zu vermindern. Was die Breite des
Brenners anbetrifft, so haben die Beobachtungen gezeigt, dass bei Anwendung
einer gefärbten Linse dieselbe soviel oder nahe soviel betragen muss, wie die
der Lampe in der Laterne W. R. No. 3, nämlich 28””- Die Grösse des Brenners
in W, R. No. 1 (22””) erwies sich als ungenügend.
Es ist sorgfältig darauf zu achten, dass der Docht von guter Qualität sei
und genau zum Brenner passe, da bei zu schmalem und dünnem Dochte leicht
ein Herunterbrennen und damit eine Explosion veranlasst wird. Die kleinen
Schutzbleche, wie bei W. R. No. 3 und Meyers Lampe, unmittelbar über dem
Brenner, sind zu empfehlen. Die Stellung der Lampe zur Linse muss so sein,
dass die von der Mitte der Breite der Flamme nach den Enden der Linsen
gezogenen Linien einen Leuchtwinkel von mindestens 12 Strich einschliessen,
weil sonst das Licht nicht bis zu 10 Strich in genügender Helligkeit erscheint,
Bei den Linsen, bei welchen, wie bei Harvie’s Patent, die Fresnel’schen Streifen
an den Seiten auch senkrecht stehen, möchte ein etwas kleinerer Winkel ge-
nügen. Dass die Flamme senkrecht unter dem Schornstein stehen muss, dürfte
als selbstrerständlich angesehen werden, ausserdem muss bei der Construction
darauf gesehen werden, dass wenn der Aufsatz fest anufgeschraubht ist. der Docht
Ann, d. Hydr.. 1877. Heft V. (Mai)