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weiteren Prüfung, da Farbe und Sehwinkel nicht ganz genügend sind, ausser-
dem die Glaseylinder als unzweckmässig bezeichnet werden müssen; doch soll
die Gesellschaft ersucht werden zwei andere Seitenlaternen, wie solche auf den
neueren Dampfern gebraucht werden, einzureichen, Ebenso sind sämmtliche
Laternen ohne Fresnel’sche Linsen von ferneren Untersuchungen auszuschliessen,
da diese theils zu schwach, theils in Farbe nicht genügend sind.
Danach würden bei den nächsten Untersuchungen in GHückstadt noch
folgende Punkte zu erledigen sein:
1) Es sind Versuche anzustellen mit verschiedenen Reflectoren und wäre zu
diesem Zwecke noch eine Laterne wie W. R. No. 3 zu requiriren.
2) Es sind Versuche anzustellen durch Einsetzung verschiedener Brenner,
um econstatiren zu können, welchen Einfluss die verschiedenen Bestandtheile der
Lampe auf die Sichtbarkeit haben.
3) Es sind Versuche anzustelllen mit verschiedenen gefärbten Gläsern an
der Laterne der Kaiserlichen Marine.
4) Es sind die Unterschiede zwischen Kerzen und Petroleum durch Ver-
gleiche zu constatiren.
5) Genaue Untersuchungen der Topp- und Ankerlaternen.
Vor dem Beginn der zweiten Reihe von Versuchen für Prüfung der
Schiffs - Positions-Laternen hatte Dr. Krüss im Monat Januar 1876 Unter-
suchungen, mit Hülfe eines Bunsen’schen Photometers, über die Absorption
farbiger Gläser angestellt, welche im Wesentlichen ergaben, dass die reinen,
d. h. möglichst homogenen Farben zwar weniger Licht durchlassen, dafür
aber intensivere Farben zeigen, und dass die weniger reinen Farben zwar ver-
hältnissmässig mehr Licht durchlassen, aber namentlich bei grün dem gelb-
lichen Licht nahe kommen. Ebenso wurden nach Beendigung dieser zweiten
Beobachtungsreihe gegen Ende Februar in dem optischen Institut des Herrn
Dr. Krüss in Hamburg photometrische Messungen angestellt, welche u. A. er-
gaben, dass das Vorschieben gefärbter Gläser vor ungefärbten Linsen in Bezug
auf Lichtstärke einen bedeutenden Vorzug vor den gefärbten Linsen hat, nament-
lich bei geringeren Entfernungen; bei grösseren Eintfernungen verschwindet der
Unterschied mehr und mehr.
Am 27. Januar 1876 begab sich die Commission zur Fortsetzung ihrer
Versuche wiederum nach GHückstadt und beendete dieselben am 1. Februar,
nachdem sie ihre vergleichenden Untersuchungen über Form und Beschaffenheit
ziner guten, allen Anforderungen entsprechenden Schiffs-Positions-Laterne zu
einem gewissen Abschluss gebracht hatte.
Von den Einzel- Beobachtungen heben wir hier diejenigen vom 28, und
30. Januar über die Wirkung gefärbter Gläser, welche statt der ursprünglichen
Gläser hinter die Linse geschoben wurden, hervor; der Bericht über diese
Beobachtungen lautet nach dem Original-Bericht der Commission:
„Am 28. Januar wurden vergleichende Beobachtungen hinter verschieden
gefärbten Gläsern in der Marine-Laterne angestellt und zu diesem Zwecke die
grünen Gläser A und B!) so zugeschnitten, dass dieselben in zwei Seitenlaternen
statt des ursprünglichen Glases hinter die Linse geschoben werden konnten.
Ausserdem sollte Laterne W, R. No. 1 mit verschiedenen Reflectoren mit Laterne
W. R. No. 3 als Normallaterne verglichen werden. Um 4 Uhr Nachmittags wurden
die Laternen angezündet und in folgender Weise aufgestellt:
Am Ende der Mole Marine-Laterne mit dazugehörigem grünem Glase, unter
dem Leuchtthurın Marine-Laterne mit Glas B, weiter rechts Marine-Laterne mit
Glas A, dann W. R. No. 1 mit kugelförmigem Reflector und nahe dem Schuppen
als Normallaterne W. R. No. 3.
Gegen Abend stellte sich ziemlich dichter Nebel ein, da es jedoch zeit-
weise aufklärte, so wurde beschlossen, trotzdem mit dem Dampfer elbabwärts
zu fahren, umsomehr, da es sich bei diesen vergleichenden Beobachtungen nicht
um grosse Entfernungen handelte. Der Dampfer fuhr demnach mit den Be-
obachtern Krüss und Taube um 5'/2 Uhr ab. Der Nebel verdichtete sich in-
dess dermassen, dass in einer Entfernung von 150 Schritt nichts mehr zu sehen
)) Glas A ist blaugrün, ebenso wie die Färbung der Linse in W, R. No.3, und Glas B ist
dunkeleres Grasgrün,