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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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trocken fällt, den Hafen gegen Nordstürme, die im .Winter häufig und mit 
vrosser Heftigkeit auftreten, Da die Differenz bei Springfluthen 6 Met, beträgt, 
so ist der Schutz der Bank bei Hochwasser illusorisch. Gegen West ist der 
Hafen offen; doch da Westwinde sehr selten und dann nicht stark sind, so ist 
lies von keiner Bedeutung. Die der Halbinsel Quantung gegenüberliegende 
Küste des Festlandes ist zu entfernt, um als Begrenzung des Hafens zu dienen. 
5. Pak-hoi.‘) Dieser Platz, der bis jetzt nur von wenigen europäischen 
Schiffen besucht worden ist (S. M. Kbt. „Nautilus“ war das zweite Schiff, das 
englische Kanonenboot „Lilly“ war kurz vorher dort gewesen), hat nicht im 
entferntesten den Erwartungen entsprochen, die man sich nach den Erzählungen 
chinesischer Kaufleute gebildet hatte. Man sprach davon (nach chinesischen 
Angaben), dass durch Pak-hoi der Handel von Canton und Hongkong beein- 
trächtigt werden würde und stellte sich demgemäss eine grosse lebhafte Stadt 
vor. In der That aber ist Pak-hoz ein elendes, schmutziges Fischerdorf von 
vielleicht 8—10,000 Einwohnern, welches aber den Vortheil hat, einen mittel- 
mässigen Hafen zu besitzen. 
Wahrscheinlich hat man mit Pak-hoi nicht diese kleine Stadt, son- 
dern den ganzen dahinter liegenden Bezirk der Provinz Quantung gemeint. 
[m Hafen lagen ca. 20 grössere Dschunken (Fischerdschunken nicht berück- 
sichtigt), eine grosse Anzahl kleiner Fahrzeuge lagen in dem Creek, zum Theil 
völlig trocken bei Niedrigwasser, und der chinesische Zollkreuzer (Schrauben- 
schooner „Chen-Chi“, Capitain Wade). 
Schiffe von 4 bis 5 Met. Tiefgang können nicht näher an die Stadt 
kommen, bis wie auf !/2 Seem, 
Ebbe und Fluth findet einmal während 24 Stunden statt. Vorläufig 
existirt keine Hafenzeit; es kommt vor, dass, wenn z, B. Hochwasser eines 
Tages um 1 Uhr Mittags ist, dasselbe am folgenden Tage statt gegen 2 Uhr 
Mittags bereits Morgens 7 Uhr eintritt. Capitain Wade vom „Chen-Chi“ ver- 
sicherte, dies selbst beobachtet zu haben. 
In den Wintermonaten November bis März ist der Hafen nördlichen 
Stürmen ausgesetzt, die sogar so stark werden, dass der Ankerplatz gefährdet 
ist, da besonders bei Hochwasser die Bank kaum genügenden Schutz gewährt. 
Die Communication durch Boote soll dann Tage lang unterbrochen sein, 
Wenn bei steigendem Barometer die Berge des, Pak-hor gegenüberliegenden 
Festlandes, die gewöhnlich in Dunst oder Nebel gehüllt sind, klar und dentlich 
sichtbar werden, ist starker Nord-Wind zu erwarten. 
Die Gegend um Pak-hoi ist völlig eben, nur am westlichen Ende 
der Halbinsel Quantow erhebt sich ein kleiner Höhenzug, nach Schätzung 
sa. 200 Met. hoch. 
Der Boden auf der Strecke zwischen Pak-hoi und Lien-Chow-fu, dem 
Sitze des Regierungspräsidenten, schien sehr wenig fruchtbar zu sein; ganze 
Strecken, soweit man sehen konnte, waren unangebaut, mit kurzem, spärlichem 
Gras bedeckt, und machten einen steppenartigen Eindruck, Reisfelder bemerkte 
ich nur wenige in tiefer gelegenen Stellen. Als Communicationsmittel werden 
hier Fuhrwerke sehr einfacher Construction gebraucht, da Kanäle und Flussläufe, 
auf denen sonst in den meisten Theilen Chinas durch Boote der Verkehr ver- 
mittelt wird, gänzlich fehlen. Es sind zweirädrige Karren, Achse und Rad fest 
mit einander verbunden; die Achse dreht sich unterhalb des Wagens in 
2 Büchsen; die Wagen werden durch das kleine chinesische Rind (indischer 
Buckelochse, Zebu, indessen kleiner und schwächer) gezogen, ausnahmsweise 
sah ich auch Büffel dazu verwendet, Die Räder sind Blockräder, mitunter 
durchbrochen; der grosse Mangel an Eisenwerk fiel mir auf, kein Rad hatte 
siserne Reifen.‘ 
) Val. „Ann. d, Hydr.“, 1876, pag. 517.
	        
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