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Der Ankergrund ist sehr gut, — Sand und Schlick, — so dass ein Schiff
mit gutem Ankergeschirr einen mässigen Nord-Sturm vor Anker aushalten kann.
Während der Winter-Monate ist dor Aufenthalt auf der Rhede unangenehm, da
häufig starke nördliche Winde einsetzen,
3. Stadt Hoi-how oder Hai-kao.!) Nachdem ‚jetzt bald ein Jahr seit der
Eröffnung dieses Hafens verflossen ist, hat sich der Handel, sofern Europäer
dabei ‘betheiligt sind, nicht merklich gehoben. Die ganze europäische Be-
völkerung besteht aus dem englischen Vice-Consul Harvey, zwei Engländern
and zwei Deutschen, von denen je einer am Zollhause angestellt -ist, die beiden
andern sind Kaufleute.
Der Hafen ist nur für Dschunken benutzbar, europäische Schiffe müssen
auf der Rhede liegen bleiben und vermittelst einheimischer Boote laden und
löschen. Europäische Segelschiffe sind noch gar nicht eingelaufen. Von den
dort zeitweise verkehrenden Dampfern fahren mehrere unter Deutscher Flagge,
„Atalanta“, „Olympia“, und zwar für das Hamburger Haus Siemssen & Co.
Die einzige Firma in Hoi-how heisst Herton und Ebell, letzterer war früher
Deutscher Consul in Makao.
Bei der grossen Thätigkeit, welche durch die chinesischen Kaufleute in
den letzten Jahren entwickelt wird und in Folge der, für europäische Schifffahrt
zo ausserordentlich ungünstigen Verhältnisse halte ich es für unwahrscheinlich,
Jass Hoi-how eine grosse Bedeutung erlangen wird. Ich bin der Ansicht, dass
man bei der Wahl dieses Platzes sich durch den Umstand hat leiten lassen, die
dahinter liegende Hauptstadt der ganzen Insel Kiung-chow-fu, für einen Platz
ersten Ranges zu halten.”) Nach meiner eigenen Anschauung und dem Urtheil
der dort ansässigen Europäer, ist diese Stadt aber schr unbedeutend und macht
ainen schmutzigen und verfallenen Eindruck.
Der ganze Weg zwischen Hoi-how und Kiung-chow-fu führt durch Kirch-
höfe, deren maulwurfshügelartige ca. 3—5 Met. hohe Kuppen, die oben noch
mit einem Knopfe (von Rasen) versehen sind, den Eindruck eines grossen Lagers
machen. Als Zeichen chinesischer Toleranz bezw. Achtung vor Verstorbenen
führe ich an, dass wir dicht neben dem Wege einen kleinen christlichen Kirch-
hof trafen. Drei hervorragende Leichensteine trugen die Jahreszahl 1681 und
1683, die Grabschriften waren lateinisch, noch wohl erhalten und lesbar. Es
waren die Gräber dreier Missionare, darunter auch eines Deutschen, Joachim
Calmes, Germanus.
Producte, die nur der Insel angehörig sind, kommen vorläufig noch nicht
in den Handel. Arbeiten aus Kokosnüssen, die dazu aus Annam importirt
werden, können als Handelsobject kaum figuriren und sind mehr Luxusartikel.
Die Hauptausfuhr besteht in Zucker und Seide. Die Insel soll sehr reich an
Metallen sein; es herrscht hier, wie überall in China, indessen kein Verständniss
für Bergbau, derselbe ist sogar stellenweise verboten.
4. Route nach Pak-hoi. Für die Schifffahrt nach Pak-hoi besonders
wüunschenswerth ist noch eine Vermessung von Cap Cami, wegen der, vorläufig
noch in unbestimmter Ausdehnung sich erstreckenden Sandbänke und Felsen,
sowie wegen der ca. 30 Seem. nördlich davon bei Wao-shik angeführten
Untiefen.
Die Route nach Pak-hoi bietet keine weiteren Schwierigkeiten, als eine
sorgfältige Beobachtung der Strömung, vorausgesetzt, dass die auf dem Wege
liegenden Inseln erst richtig in die Karte hineingezeichnet werden.
Gegenwärtig sind diese Inseln mit Vorsicht zu passiren, möglichst bei
Tage, da zwei vorhandene Admiralitäts-Karten nachstehende Differenzen zeigen:
Westrand der Insel Gwie-( Wy-)Chow:
Karte No. 40 Tit. X: 108° 54‘ Ost-Lg., 20° 54.5‘ Nord.-Br.
„No. 1 ,, XI: 109° 4,5’ Ost-Lg., 20° 59.5‘ Nord.-Br.
Der Hafen von Pak-hoi ist leicht anzusegeln und hat genügende Tiefe
für Schiffe bis zu 6 Met. Von Land umgeben ist der Hafen nur gegen Süd
und Ost; gegen Norden schützt eine grosse Sandbank, die bei Ebbe nahezu
‘) Vgl. „Ann. d. Hydr,“, 1876, pag, 509,
?) Val. „Ann, d. Hydr.“, 1876, pag. 510.