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Tiefseelothungen I. Br. M. S. „Challenger‘“ im Stillen Ocean, in
der Magellan - Strasse und in dem Atlantischen Ocean in den
Monaten December 1875 bis Mai 1876.”
(Nach dem Report No. 7 of H. M. S. „Challenger“ in „Hydrographie Proceedings“ No. 39662)
Capitain Frank T. Thomson hat an die britische Admiralität über die
während der Reise des „Challenger“ von Valparaiso durch die Magellan-Strasse
und über die Falkland - Inseln nach Monterideo (1875 December 11 bis 1876
Februar 15), von Monterideo nach den Cap Verde’schen Inseln (1876 Februar 25
bis April 18) und von da über die Azoren nach Spithead (1876 April 26 bis
Mai 24) ausgeführten Tiefseelothungen drei Berichte eingesandt, welchen wir
nachstehende Angaben entnehmen.
Am 11. December 1875 verliess der „Challenger“ Valparaiso und ankeric
am 31. December zu Port Otway im dem Golf von Pernas. Auf dieser Route
wurden 4 Tieflothungen bis zum Meeresgrund erhalten: die tiefste Stelle war
in 33° 31‘ Süd-Br. und 74° 43‘ West-Lg. 3950 Met., grauer Schlamm, die flachste
in 45° 31‘ Süd-Br. und 78° 9‘ West-Lg. 2423 Met., grauer Schlamm.
Die Fahrt durch die Magellan-Strasse bis zu Punta Arenas (Sandy Point)
erforderte 14 Tage; wegen ungünstigen Wetters konnte der Trinidad-Kanal
nicht, wie beabsichtigt war, vermessen werden. Die Tom - Bucht indessen, wo
der „Challenger“ drei Tage verweilte, wurde in genügender Weise aufgenommen.
um sie jetzt als einen sicheren Ankerplatz bezeichnen zu können.
Die in den verschiedenen Kanälen der Magellan - Strasse zwischen dem
Golf von Penas und Punta Arenas vorgenommenen Lothungen sind in der
unten folgenden Tabelle enthalten.
In Punta Arenas blieb der „Challenger“ vom 14. bis 18. Januar 1876
und erreichte am 23. Januar Port Stanley auf den Falklands-Inseln; auf dieser
Route wurden 3 Lothungen erhalten (s. Tabelle).
Am 6. Februar verliess der „Challenger“ die Falkland-Inseln?) und langte
am 15. Februar in Montevideo an.?) Auf dieser Strecke konnten wegen heftiger
Westwinde nur 4 Lothungen vorgenommen werden. In 41° 54‘ Süd-Br. und
54° 48‘ West-Lg. wurde in einer Tiefe von 4435 Met. eine Bodentemperatur
von — 0.4° C. gefunden. Hier ist also offenbar derselbe kalte anutarktische
Wasserstreifen, welchen Capitain Nares zwischen St, Pauls Rock, Fernando
Noronho und der Küste von Süd- Amerika im Jahre 1873 gefunden hatte, den
er aber nicht zwischen Bahia und Tristan da Cunha weiter verfolgen konnte,
weil er des gelben Fiebers wegen mit seinem Schiff schnell kühlere Gegenden
des Oceans aufsuchen musste.*)
Von den 12 Lothungen zwischen Montevideo und Tristan da Cunha (vom
28. Februar bis 14. März 1876) zeigen 8 Lothungen innerhalb der Parallelen
von 35° 39’ — 37° 45‘ Süd-Br. und der Meridiane von 50° 47‘ — 33° 0‘ West-Lg.
Bodentemperaturen von 0° bis — 0.6°, im Durchschnitt — 0.3°; die grösste ge-
Jothete Tiefe war 5303 Met., die geringste 3475 Met. (s. Tabelle). Die übrigen
4 Lothungen auf dieser Strecke von 37° 45‘ Süd-Br. und 33° 0‘ West-Lg. bis
zu der Stelle bei Zristan da Cunha, wo der „Challenger“ seinen Kurs nördlich
nach Ascension nahm, nämlich bis 35° 45‘ Süd-Br. und 18° 31‘ West-Lg., ergeben
Tiefen zwischen 3136 und 4023 Met. mit einer durehschnittlichen Baden-Tem-
1) Vgl. „Hydr. Mitth.“ 1873 pag. 241; 1874 pag. 49, 82, 102, 263: „Ann. d. Hydr.“ 1875
pag. 4, 32, 221, 3s1; 1876 pag. 106, 372.
3) Zu Port Louis wurde an derselben Stelle geankert, wo Capitain James C, Ross i. J. 1842
geankert hatte. Es ergalı sich dabei nach sorgfältigen Messungen der Fluthhöhe, dass das mittlere
Niveau des Oceans dasselbe seit dieser Zeit geblieben war.
3) Hier traf der „Challenger“ mit der „Gazelle* zusammen (vgl. „Ann. d. Hydr,“ ete. 1876
pag. 136) und die Commandanten beider Schiffe konnten ihre Erfahrungen in Betreff der Tiefsee-
forschungen austanschen und Verabredungen über die letzten Lothungen beider Schiffe im Süd-
Atlantic treffen, A. d. R.
N Vol, „Hvdr, Mitth.* 1874 pag, 82. 83 und 104 (sub IM.