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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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3alzig machen, um es niedersinken zu lassen; in Wirklichkeit wird aber das 
Öberflächenwasser durch die Passatwinde und wit Beihülfe der Erdrotation 
veständig nach Westen fortgetrieben; an der Westseite des Atlantischen Oceans 
ienkt die Küste des südamerikanischen Continents dies Wasser nach Norden 
hin ab, so dass der grössere Theil dieser erwärmten Oberflächenschicht in den 
nordatlantischen Ocean mit so grosser Kraft hineingezwängt wird, dass aus der 
Strasse von Florida ein starker Strom auslaufen kann, welcher unter dem Namen 
Golfstrom bekannt ist. Der diesem äquatorialen erwärmten Oberflächenwasser 
gegebene Anstoss scheint hinreichend stark zu sein, nicht nur um diesen Strom 
als solchen zu erhalten, sondern auch um eine langsamere Bewegung des 
Wassers nach Nordwesten, an der Aussenseite der Inseln des Caraibischen (An- 
tillen-) Meeres zu erzeugen, welches Wasser sich mit der Südseite des sich 
vasch fortbewegenden Golfstroms vereinigen kann. 
Nehmen wir für die durchschnittliche Breite, Tiefe und Geschwindigkeit 
des Golfstroms diejenigen Angaben an, welche der „Challenger“ bei dem Durch- 
kreuzen des Golfstroms von Bermuda nach New- York vorfand, nämlich 183 Met. 
(100 Faden) Tiefe und eine Geschwindigkeit von 3 Seem. die Stunde bei einer 
Breite von 15 Seem., so werden diese Zahlen ergeben, dass in jeder Stunde 
cin Volum erwärmten Wassers von 4'/%2 Kubikseem. (ca. 29 Kubikkilomet.) und 
von 108 Kubikseem. (ca, 696 Kubikkilomet.) den Tag in den Nordatlantischen 
Ocean einströmt. 
Der Salzgehalt dieses erwärmten Wassers, sowie desjenigen, welches 
nordwestwärts ausserhalb der Caraibischen See fliesst, ist grösser, als der des 
darunter liegenden Wassers, Hieraus folgt, dass, obgleich das nordwärts fliessende 
Wasser in Folge seiner höheren Temperatur leichter ist, als das Wasser der 
unter der Oberfläche befindlichen Schichten, dennoch bei dem Berühren mit der 
kälteren Luft kälter und dichter wird, bis es eine Temperatur erreicht, bei 
welcher sein speeifisches Gewicht hinreichend zugenommen hat, um es zum Nieder- 
sinken zu bringen; es führt alsdann seine hohe Temperatur nach unten mit sich 
and theilt diese den unteren Wasserschichten mit. 
Ist die Regenmenge hinreichend gross, um den Salzgehalt des Wassers 
in dem Grade zu vermindern, als die Dichtigkeit durch Verlust an Wärme zu- 
zenommen hat, so kann kein Niedersinken stattfinden; aber die Regenmengen 
der gemässigten Zone, in welche dies erwärmte Wasser geführt wird, scheinen 
hierzu keineswegs ausreichend zu sein. Obgleich der Salzgehalt ohne Zweifel 
sinige Wirkung ausübt, so ist diese doch so gering, dass die ungeheure Menge 
von erwärmtem Wasser, welche fortwährend dem Nordatlantischen Ocean zu- 
geführt wird und ebenso beständig niedersinkt, so bald sie sich abkühlt, hin- 
reichend gross zu sein scheinen, um die Temperatur und Dichtigkeit der ganzen 
Wassersäule in der gemässigten Zone dieses Occans zu erhöhen; in Folge 
Jessen liegen die Isothermen hier tiefer, als irgendwo anders im Atlantischen 
Ocean. 
Dass die Wassersäule in den gemässigten Gegenden des Atlantischen 
Öceans schwerer ist, als in irgend einem andern "Cheil desselben, scheint nicht 
nur durch die an Bord des „Challenger“ durch Mr, Buchanan gemachten Be- 
stimmungen des specifischen Gewichts dargethan zu werden, sondern auch durch 
die Thatsachen: 1) dass ihr Gewicht hinreicht, um am Boden der Atlantischen 
Becken einen Abfluss des Wassers nach allen Seiten hervorzubringen, wie 
wir es z. B. in dem westlichen Theil des Südatlantischen Oceans finden, 
wo zweifellos antarktisches Wasser am Meeresboden bis nördlich zum Aequator 
fliesst; 2) dass das kalte Wasser fast vollständig auf Tiefen von mehr 
als 3475 Met. (1900 Faden) beschränkt ist, d. h. auf Tiefen, die grösser 
sind, als die der Erhebungen, welche die einzelnen Becken des Atlantischen 
Oceans von einander und von dem antarktischen Becken trennen; 3) dass in 
und oberhalb dieser Tiefe von 3475 Met. (1900 Faden) das Wasser die Tem- 
peratur von 1,7° C. hat, also nahezu dieselbe wie die der Atlantischen Becken. 
Dagegen hat die „ Valouwrous“ bei 63° Nord-Br. in der Baffinsbat eine Boden- 
jemperatur von 2.4° C, in einer Tiefe von 2012 Met. (1100 Faden) gefunden; ihre 
niedrigste Temperatur traf sie im Eingang in die Baffinsbai (in 57° 50‘ Nord-Br.) 
Wasser: in einer Entfernung von nur 18 Seem. von einander war die Boden- 
jemperatur in einer Tiefe von 805 Met. (440 Faden) 5.6° C. und in 702 Met.
	        
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