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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

Nach diesen hier angeführten Thatsachen ist über drei Viertel des Ge- 
biets des Atlantischen Oceans eine nahezu gleichförmige Bodentemperatur vor- 
handen. In dem übrig bleibenden Viertel, nämlich südlich vom Aequator, von 
der Ostküste Süd-Amerika’s bis zu einer Linie zwischen Tristan da Cunha und 
Ascension war die Bodentemperatur beständig kälter, als die irgend einer anderen 
Tiefe zwischen dem Meeresboden und der Oberfläche, mochte die Tiefe des 
Bodens 914 oder 5303 Met. (500 oder 2900 Faden) betragen ; diese Temperatur 
bewegte sich innerhalb der Grenzen von —0.ss und -+0.ss° C. (31—38.5° F.); 
zwischen St. Paul’s Rocks und der Insel Fernando Noronha, in 1° 45‘ Süd-Br., 
ergab sich in 4526 Met. (2475 Faden) Tiefe eine Temperatur von 0.2° €. und 
zwischen Ascension und dem Aequator, in 2° 42“ Süd-Br., in einer Tiefe von 
4298 Met. (2350 Faden) eine Temperatur von 0.4° €. 
Hiernach scheint die in diesem Theil des Südatlantischen Oceans erhaltene 
höchste Bodentemperatur — in Tiefen von mehr als 3660 Met. (2000 Faden) — 
noch niedriger zu sein, als die niedrigste in irgend einem Theil des Atlantischen 
Oceans — mit Ausnahme der Stelle nahe bei den Faröern, wo die „Porcupine“ 
eine Temperatur von —1.67° C, (29° F.) antraf;?) ferner scheint in dem west- 
lichen Theil des Südatlantischen Oceans bis nahe an den Aequator Wasser mit 
einer Bodentemperatur von 0.28° C. (32.5° F.) zu erstrecken, während in dem übrigen 
Theil des Oceans die durchschnittliche Bodentemperatur um 1.4° C. wärmer ist, — 
und dieser Unterschied ist, soweit es bis jetzt festgestellt ist, durch eine scharf 
begrenzte Linie gekennzeichnet, auf deren einen Seite wir kaltes Wasser, und 
auf deren anderen Seite wir vergleichsweise warmes Wasser antreffen. So 
haben wir z. B, 137 Seem. nördlich von der Lothungsstelle in 2° 42‘ Süd-Br. 
und 14° 41‘ West-Lg., wo, wie oben erwähnt, in einer Tiefe von 4298 Met. 
(2350 Faden) eine Bodentemperatur von 0.4° C. gefunden worden war, in einer 
Tiefe von 4115 Met. (2250 Faden) eine Bodentemperatur von 1.7° C, getroffen, 
oder nahezu dieselbe Temperatur, wie im Durchschnitt in der östlichen Hälfte 
des Atlantischen Oceans. Ferner betrug an einer Stelle, zwischen Fernando 
Noronha und St. Paul’s Rocks, in einer Tiefe von 4526 Mot. (2475 Faden), 
d.h. südlich von jener Linie, die Bodentemperatur 0.2 C., während sie gerade 
im Nordost von St. Paul’s Rocks, oder nördlich von jener Linie, in einer Tiefe 
von 3475 Met. (1900 Faden) 2.1° C. war. 
Es drängt sich uns nach diesen Erfahrungen natürlich die Frage auf, 
welche Ursache das kalte Bodenwasser auf die westliche Hälfte des Südatlan- 
tischen Oceans beschränkt. Eine nähere Untersuchung der in diesem Theil des 
Atlantischen Oceans erhaltenen Lothungen, verbunden mit den Ergebnissen der 
Bodentemperaturen, führt zu dem Schluss, dass eine Reihe von unterseeischen 
Erhebungen vorhanden ist, welche das Bett des Atlantischen Oceans in zwei 
Becken theilt, von denen das eine den westlichen Theil des Nordatlan- 
tischen Oceans einnimmt, und das andere sich über die ganze östliche Seite 
des Atlantischen Oceans erstreckt, und ferner, dass das kalte Wasser in dem 
westlichen Theil des Südatlantischen Oceans seine niedrige Temperatur der 
freien ungehemmten Verbindung zwischen diesem Theil des Atlantischen Oceans 
and dem antarktischen Becken verdankt; man kann deshalb diesen südlichen 
Theil des westlichen Atlantischen Oceans als einen Ausläufer des antarktischen 
Beckens betrachten. Verfolgt man z. B. die Richtung der imaginären Linie 
zwischen Französisch Guyana und den Azoren, und von da weiter nordwärts, 
auf ciner Karte, welche die in dem Atlantischen Ocean gefundenen Lothungen 
1): Während der für wissenschaftliche Zwecke unternommenen Kreuzfahrt des englischen 
Vermessungsschiffes „Porcupine“ unter dem Commando des Capt. Calvert und unter der wissen- 
schaftlichen Leitung von Sir Wyville Thomson und Dr. Carpenter im August 1869 (der dritten 
im Sommer 1869) wurde die im Sommer 1868 von denselben Forschern aufgefundene seichte kalte 
Wasserrinne, der Lighining- oder Faröer-Kanal, zwischen den Shetlands- und Faröer-Inseln, zwischen 
50—62° Nord-Br. und 2—8° West-Lg., nochmals und noch genauer untersucht und vermessen, Die 
hier gefundenen Bodentemperaturen bewegten sich innerhalb der Grenzen —0.3 und —1.3° C, Die 
niedrigste für den Druck corrigirte Temperatur von —1.3° C. (29.7° F.) wurde in 60° 21‘ Nord-Br. 
and 5° 41‘ West-Lg. in einer Tiefe von 1061 Met, (580 Faden) gefunden. Nahe dabei hatte die 
‚Lightning“ am 1, September 1868, in 60° 10‘ Nord-Br. und 5° 59‘ West-Lg., in einer Tiefe von 
L006 Met, (550 Faden) eine Temperatur von —1.2° C. gefunden, (S, Wyville Thomson: „Depths 
of the Sea“, London 1873, pag. 81 u. 143). Die obige Angabe im Text führt also eine zu niedrige 
Temperatur für diese Stelle an. A. ag. R.
	        
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