Nach diesen hier angeführten Thatsachen ist über drei Viertel des Ge-
biets des Atlantischen Oceans eine nahezu gleichförmige Bodentemperatur vor-
handen. In dem übrig bleibenden Viertel, nämlich südlich vom Aequator, von
der Ostküste Süd-Amerika’s bis zu einer Linie zwischen Tristan da Cunha und
Ascension war die Bodentemperatur beständig kälter, als die irgend einer anderen
Tiefe zwischen dem Meeresboden und der Oberfläche, mochte die Tiefe des
Bodens 914 oder 5303 Met. (500 oder 2900 Faden) betragen ; diese Temperatur
bewegte sich innerhalb der Grenzen von —0.ss und -+0.ss° C. (31—38.5° F.);
zwischen St. Paul’s Rocks und der Insel Fernando Noronha, in 1° 45‘ Süd-Br.,
ergab sich in 4526 Met. (2475 Faden) Tiefe eine Temperatur von 0.2° €. und
zwischen Ascension und dem Aequator, in 2° 42“ Süd-Br., in einer Tiefe von
4298 Met. (2350 Faden) eine Temperatur von 0.4° €.
Hiernach scheint die in diesem Theil des Südatlantischen Oceans erhaltene
höchste Bodentemperatur — in Tiefen von mehr als 3660 Met. (2000 Faden) —
noch niedriger zu sein, als die niedrigste in irgend einem Theil des Atlantischen
Oceans — mit Ausnahme der Stelle nahe bei den Faröern, wo die „Porcupine“
eine Temperatur von —1.67° C, (29° F.) antraf;?) ferner scheint in dem west-
lichen Theil des Südatlantischen Oceans bis nahe an den Aequator Wasser mit
einer Bodentemperatur von 0.28° C. (32.5° F.) zu erstrecken, während in dem übrigen
Theil des Oceans die durchschnittliche Bodentemperatur um 1.4° C. wärmer ist, —
und dieser Unterschied ist, soweit es bis jetzt festgestellt ist, durch eine scharf
begrenzte Linie gekennzeichnet, auf deren einen Seite wir kaltes Wasser, und
auf deren anderen Seite wir vergleichsweise warmes Wasser antreffen. So
haben wir z. B, 137 Seem. nördlich von der Lothungsstelle in 2° 42‘ Süd-Br.
und 14° 41‘ West-Lg., wo, wie oben erwähnt, in einer Tiefe von 4298 Met.
(2350 Faden) eine Bodentemperatur von 0.4° C. gefunden worden war, in einer
Tiefe von 4115 Met. (2250 Faden) eine Bodentemperatur von 1.7° C, getroffen,
oder nahezu dieselbe Temperatur, wie im Durchschnitt in der östlichen Hälfte
des Atlantischen Oceans. Ferner betrug an einer Stelle, zwischen Fernando
Noronha und St. Paul’s Rocks, in einer Tiefe von 4526 Mot. (2475 Faden),
d.h. südlich von jener Linie, die Bodentemperatur 0.2 C., während sie gerade
im Nordost von St. Paul’s Rocks, oder nördlich von jener Linie, in einer Tiefe
von 3475 Met. (1900 Faden) 2.1° C. war.
Es drängt sich uns nach diesen Erfahrungen natürlich die Frage auf,
welche Ursache das kalte Bodenwasser auf die westliche Hälfte des Südatlan-
tischen Oceans beschränkt. Eine nähere Untersuchung der in diesem Theil des
Atlantischen Oceans erhaltenen Lothungen, verbunden mit den Ergebnissen der
Bodentemperaturen, führt zu dem Schluss, dass eine Reihe von unterseeischen
Erhebungen vorhanden ist, welche das Bett des Atlantischen Oceans in zwei
Becken theilt, von denen das eine den westlichen Theil des Nordatlan-
tischen Oceans einnimmt, und das andere sich über die ganze östliche Seite
des Atlantischen Oceans erstreckt, und ferner, dass das kalte Wasser in dem
westlichen Theil des Südatlantischen Oceans seine niedrige Temperatur der
freien ungehemmten Verbindung zwischen diesem Theil des Atlantischen Oceans
and dem antarktischen Becken verdankt; man kann deshalb diesen südlichen
Theil des westlichen Atlantischen Oceans als einen Ausläufer des antarktischen
Beckens betrachten. Verfolgt man z. B. die Richtung der imaginären Linie
zwischen Französisch Guyana und den Azoren, und von da weiter nordwärts,
auf ciner Karte, welche die in dem Atlantischen Ocean gefundenen Lothungen
1): Während der für wissenschaftliche Zwecke unternommenen Kreuzfahrt des englischen
Vermessungsschiffes „Porcupine“ unter dem Commando des Capt. Calvert und unter der wissen-
schaftlichen Leitung von Sir Wyville Thomson und Dr. Carpenter im August 1869 (der dritten
im Sommer 1869) wurde die im Sommer 1868 von denselben Forschern aufgefundene seichte kalte
Wasserrinne, der Lighining- oder Faröer-Kanal, zwischen den Shetlands- und Faröer-Inseln, zwischen
50—62° Nord-Br. und 2—8° West-Lg., nochmals und noch genauer untersucht und vermessen, Die
hier gefundenen Bodentemperaturen bewegten sich innerhalb der Grenzen —0.3 und —1.3° C, Die
niedrigste für den Druck corrigirte Temperatur von —1.3° C. (29.7° F.) wurde in 60° 21‘ Nord-Br.
and 5° 41‘ West-Lg. in einer Tiefe von 1061 Met, (580 Faden) gefunden. Nahe dabei hatte die
‚Lightning“ am 1, September 1868, in 60° 10‘ Nord-Br. und 5° 59‘ West-Lg., in einer Tiefe von
L006 Met, (550 Faden) eine Temperatur von —1.2° C. gefunden, (S, Wyville Thomson: „Depths
of the Sea“, London 1873, pag. 81 u. 143). Die obige Angabe im Text führt also eine zu niedrige
Temperatur für diese Stelle an. A. ag. R.